> > > Totentanz: Sinfonische Dichtungen von Franz Liszt (Klavier vierhändig)
Samstag, 4. Februar 2023

Totentanz - Sinfonische Dichtungen von Franz Liszt (Klavier vierhändig)

Tasten-Hexerei und Erzählkunst vierhändig


Label/Verlag: Odradek
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit Klavierübertragungen von Orchestermusik ist sehr wohl Aufsehen erregbar und eine neue schöne Erfahrung bekannten Repertoires möglich, wie diese Einspielung Symphonischer Dichtungen Franz Liszts durch ein großartiges Klavier-Duo zeigt.

Obwohl vierhändige Klavier-Arrangements von Orchestermusik in den Vorzeiten der Aufnahmemedien vor allem der häuslichen Vergegenwärtigung des symphonisch-konzertanten Repertoires dienten, sind die Übertragungen, die Franz Liszt selbst von seinen drei herausragenden Symphonischen Dichtungen erstellte (bzw. wohl auch teilweise Schülern überließ und zur Veröffentlichung redigierte), eigentlich virtuose Podiumskunst erster Güte: Spieltechnische Anforderungen und gestalterische Qualitäten müssen bei einer öffentlichen Wiedergabe in Konzert oder auf Tonträgern höchsten Ansprüchen genügen, damit ein solches Programm wirklich ästhetisch zu überzeugen vermag. Mit ihrer Debüt-CD gelingt das dem auch privat verbundenen Duo Chie Tsuyuki und Michael Rosenboom hervorragend: Unterstützt von einem hervorragend gestaffelten Klangbild, intelligent in der dramaturgischen Inszenierung und keineswegs defensiven Tempi-Wahl ('Mazeppa'!!) und einfach souverän in jeder Hinsicht, vermittelt das in Hannover ausgebildete Duo Liszts 'Dichtungen' auch mit rein pianistischen Mitteln.

'Mazeppa' ist ja bereits über diverse Stadien als Klavier-Solo-Etüde entstanden und wirkt in der reklavierisierten Endfassung zurecht als ein Gipfelwerk Lisztscher Satz- und Ausdruckskunst. Auch die 'Hunnenschlacht' und 'Les Préludes' werden sorgsam erzählt, grandios gesteigert, farbig ausgeschmückt, und das scheinbar ohne jede pianistische Sorge um Spielbarkeit. Das gilt auch für des Duos eigene Übertragung des 'Totentanzes' für Klavier und Orchester auf ein einziges Klavier (es gibt allerdings schon eine Solo-Transkription Liszts): Gerade dieses Stück, um überraschende Schlagwerk-Effekte am Klavierkörper bereichert, offenbart so seine keineswegs auf solistisches Glänzen ausgerichtete Satz- und Variationskunst als linear völlig überzeugende, vor Ideen überquellende Komposition. Dieses hervorragende Duo sollte seine Karriere unbedingt erfolgreich auf höchster Ebene mit Konzerten und weiteren Tonträgern fortsetzen können: Hoffentlich findet diese schon vom besonderen Repertoire her höchst begrüßenswerte, bei Odradek erschienene CD angemessene Verbreitung.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Totentanz: Sinfonische Dichtungen von Franz Liszt (Klavier vierhändig)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Odradek
1
23.09.2016
Medium:
EAN:
CD
855317003295

Cover vergössern

Odradek

Odradek Records ist keine beliebige neue Plattenfirma. Es ist der erste Schritt eines größeren Projekts, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, klassische Musik neu zu produzieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir sind der Meinung, daß die derzeitige Struktur der Musikwelt das wahre Wesen der Musik verkennt und ihr nicht die gebührende Bedeutung beimisst. Die Welt der klassischen Musik dreht sich im Wesentlichen um wenige, berühmte Namen, einige große Konzerthäuser und ein Repertoire, welchem - eingeschränkt durch die Fesseln der Popularität - wenig Spielraum gelassen wird. Nachwuchskünstler werden zumeist im musikfeindlichen Labyrinth der Wettbewerbe gefunden, wobei der große Erfolg dort nicht selten enger mit Extravaganz und Theatralik als mit der Genauigkeit und Feinheit der Interpretation verknüpft ist. Solch ein System, welches den Gesetzen der freien Marktwirtschaft ausgesetzt ist, zwingt die große Mehrheit der Künstler immense Summen für eine CD Aufnahme aufzubringen, deren Gewinn größtenteils wieder an die Plattenfirma zurückfließt. Dadurch bleibt vielen guten Musikern die Möglichkeit einer professionellen Aufnahme verwehrt. Solch ein System hat sich nicht nur schon weit von der Kunst entfernt, es ist ein System, das in sich selbst in einer großen Krise steckt.

Idealerweise sollte Musik, genau wie andere Primärgüter, nicht vom Markt abhängig sein. Uns ist klar, dass dies streng genommen eine utopische Vision ist. Aber gerade dieses Streben nach dem Unerreichbaren ist ein grundlegender Antrieb für die Dynamik unseres Projekts.

Odradek Records ist eine nicht an Profit orientierte Plattenfirma. Nach Deckung aller Produktions- und Vertriebskosten gehen alle Erlöse an den Künstler. Die zwei maßgebenden Kriterien zur Auswahl der Künstler sind einerseits höchste musikalische Qualität und andererseits die Attraktivität des vorgeschlagenen Programms. Wir wollen nicht ausschließen, sondern mit einbeziehen: Es ist nicht von Bedeutung ob jemand einen wichtigen Wettbewerb gewonnen oder schon in großen Konzerthallen gespielt hat. Ebenso interessieren uns weder Alter und Herkunft eines Künstlers, noch ob er bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag ist. Das einzig relevante Kriterium ist die musikalische Qualität des Künstlers. Wir interessieren uns für Aufnahmen von Chopin und Co., genauso wie für Aufnahmen von Stücken von Berio, Scelsi, Copland, Carter, Webern, Schönberg, Ligeti, Kurtag, Ives u.v.a.

Odradek Records produziert nicht nur CDs. Wir sind überzeugt, daß Musik in ihrer Ganzheit erst im Konzert voll zur Geltung kommen kann. Aus diesem Grund organisieren wir regelmäßig Musikfestivals in verschiedenen Städten, um unsere CDs und die Musik zu fördern.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu unserem Namen, den wir einer Kurzgeschichte von Kafka entliehen haben. Ebenso wie der Familienvater in Kafkas Geschichte, sind auch wir besorgt. Besorgt, dass Musik immer mehr ein ?Odradek? wird; ein undefinierbares und unverständliches Wesen, dessen Stimme künstlich klingt ? wie die Stimme eines Menschen ?ohne Lungen?; ein Wesen ohne Form, das auf beängstigende Weise all das kopiert was jemals lebendig war und von jenen, die über die notwendigen Instrumente der Macht und Kontrolle verfügen, in jede Form gepresst werden kann. Wir hoffen, dass das käfigähnliche Geländer, das den Mann in Kafkas Bildern umgibt, sich in ein Instrument verwandelt ? wir möchten unser Gefängnis in Freiheit verwandeln.

Wir möchten dazu beitragen, dass Musik wieder ausschließlich als Kunstwerk wahrgenommen und die ursprüngliche Funktion musikalischer Interpretation wiederhergestellt wird ? die einzige, die eine mögliche Zukunft eröffnet: ein Feld der Forschung.

Willkommen beim Projekt Odradek!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Odradek:

  • Zur Kritik... Wilde Jagd durch Dänemark: Der Engländer Kevin Duggan widmet sich in Schottland dänischer Orgelmusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Pianistische und violinistische Wucht: Bartók vom Feinsten: Franziska Pietsch und Maki Hayashida brillieren mit den beiden Sonaten und den 'Rumänischen Volkstänzen' des ungarischen Tondichters. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Klare Diktion: Yu Mi Lee unternimmt auf ihrem Debüt-Album eine fesselnde Reise nach Russland. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle Kritiken von Odradek...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Hartmut Hein:

  • Zur Kritik... Enzyklopädie des Charakteristischen: Die Klaviermusik von Charles-Valentin Alkan (1813-1888) ist nun am Ende des CD-Zeitalters geradezu etabliert, wenn auch noch kein Standard-Repertoire. Mark Viner liefert eine tadellose Aufnahme der abwechslungsreichen Préludes Opus 31. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Gebietserweiterungen und Schmerzgrenzen: Zwei Werke, zwei Welten: Während das 1975 entstandene Kontrabass-Konzert von Emil Tabakov eine nicht unattraktive Repertoire-Erweiterung darstellt, lässt seine Fünfte Symphonie ein Vierteljahrhundert später streckenweise jedwede Kunstfertigkeit missen. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Individuell und spannend wie eh und je: Pogorelichs aktuelle neue Chopin-Aufnahme verleitet dazu, auch seine Comeback-CD von 2019 in Erinnerung zu rufen. Kaum ein Pianist gibt sich so als Suchender und zeigt sich mit seiner Technik und Klangfantasie immer als Entdecker Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Hartmut Hein...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Seltene Cello-Werke: Bartosz Koziak spielt Musik von Bohuslav Martinu. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Auftakt zu einer Trilogie: 'Christus das Kind' ist eine interessante Ausgrabung, die das Umfeld frühromantischer Oratorienliteratur verdeutlicht bzw. erst ins Blickfeld rückt. Ein 'Aha!'-Effekt stellt sich aber nicht ein. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Suggestive Trauergesänge: Glagolitische Riten beeindruckten Igor Kuljerić seit seiner Jugend. In seiner Totenmesse sprengt er damit den Rahmen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (3/2022) herunterladen (5000 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (2/2023) herunterladen (5000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Georges Bizet: Jeux d'enfants op.22

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

"Bei der großen Musik ist es eine Frage auf Leben und Tod."
Der Pianist Herbert Schuch im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich