> > > Praetorius, Michael: Lutherische Choralkonzerte
Montag, 23. April 2018

Praetorius, Michael - Lutherische Choralkonzerte

Prächtig


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt ist es einfach Prachtrepertoire für Weser-Renaissance Bremen: Die Interpreten lassen die großformatigen Sätze wirklich lebendig werden. Ein schöner Beitrag zur noch immer ausbaufähigen Praetorius-Diskografie.

Michael Praetorius hat in etlichen Choralkonzerten lutherische Vorlagen aufgegriffen und auf einzigartige Weise lebendig gemacht – Musterbeispiele für die inspirierende Kraft der Luther-Choräle, auch für die enorme Motivation Praetorius‘, mit den ästhetisch neuesten musikalischen Mitteln die Glaubenswahrheiten des Protestantismus zu verbreiten, in Tönen zu predigen. Die Beachtung der späteren Nachfolger der Luther-Zeit ist ein höchst erfreulicher Nebenaspekt des Reformations-Gedenkens in diesem Jahr, diese weitläufigen Nachwirkungen auszuleuchten, zu sehen, wohin die kräftigen Impulse des Anfangs geführt haben. All das unternehmen Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance Bremen auf der aktuell bei cpo vorliegenden Platte. Sie musizieren sechs hervorragend gearbeitete Choralkonzerte, mehrchörig in ihrer Grundanlage, von Praetorius höchst kunstfertig und explorativ aus den Vorlagen entwickelt, in teils wirklich großem Format – gleichwohl immer auf der Suche nach idealer Explikation der Sprache, nach der größtmöglichen Wirkung der transportierten Glaubensbotschaften.

Stilsichere Meister

Manfred Cordes nutzt die edlen Vorlagen zu vielfarbiger Instrumentierung, schafft mit Violine, Gamben, Blockflöten, Zink, Posaunen, Dulzian, Harfe, Chitarrone, Orgel und Regal eine Fülle von klangvollen, harmonisch und kontrastreich gebauten Instrumentalchören von klaren Konturen und geschmackvoller Anmutung. Besondere Erwähnung verdient das Regal, eine meist tragbare, nur mit Zungenpfeifen versehene Orgel, die von Praetorius ausdrücklich als besonders geeignet für die enge Verbindung mit der Stimme betrachtet wurde und mit nasalem, erstaunlich durchsetzungsfähigem Klang tatsächlich charmant zeichnet.

Vokal ist die Besetzung großartig: Sopran singen Monika Mauch, Manja Stephan und Marie Luise Werneburg, Alt David Erler und Alex Potter, Tenor Nils Giebelhausen, Mirko Ludwig und Georg Poplutz, Bass Ulfried Staber und Dominik Wörner – sämtlich erfahrene Vokalisten mit ausgesprochener Begabung für dieses Repertoire zwischen heiklem Solo, feiner Kleinkonstellation und quasi kammerchorischer Wirkung. Auch über lange Strecken – das 18-stimmige Konzert 'Vater unser im Himmelreich' dauert fast 23 Minuten – agieren sie mit dem nötigen Differenzierungsvermögen zwischen konzentrierter Textexegese und praller Vollstimmigkeit. Intoniert wird sehr gut: Bei der weit aufgefächerten Anlage und bei der Vielzahl der Beteiligten ist das eine durchaus beeindruckende Qualität. Dynamisch glänzen Effekte der Mehrchörigkeit, bietet die Grundanlage der Musik reiche Möglichkeiten zur griffigen Stufung. Das Klangbild ist klar und plastisch, oft durchscheinend, immer wieder zu einem schönen Plenum versammelt. Einzig die Balance ist punktuell nicht ganz glücklich: Alt und Tenor treten deutlich hervor – dagegen ist nichts einzuwenden –, während der Sopran teilweise eingehegt wirkt, der Bass in manchem Konzert gar unfreundlich benachteiligt scheint: Wer die famosen Möglichkeiten von Wörner und Staber kennt, weiß, dass es nicht an den beiden Sängern liegen kann.

Insgesamt ist es einfach Prachtrepertoire für Weser-Renaissance Bremen: Die Interpreten lassen die großformatigen Sätze wirklich lebendig werden. Ein schöner Beitrag zur noch immer ausbaufähigen Praetorius-Diskografie.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Praetorius, Michael: Lutherische Choralkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
74:04
EAN:
BestellNr.:

761203506422
cpo 555 064-2


Cover vergössern

Praetorius, Michael
 - Polyhymnia Panegyrica et Caduceatrix - Veni Sancte Spiritus: Haleluia, Komm Heiliger Geist à 11
 - Polyhymnia Panegyrica et Caduceatrix - Ach Gott vom Himmel sih darein à 20
 - Polyhymnia Panegyrica et Caduceatrix - Vater unser im Himmelreich à 18
 - Polyhymnia Panegyrica et Caduceatrix - Nun frewt euch lieben Christen gemein: à 12, à 4 und à 2
 - Polyhymnia Panegyrica et Caduceatrix - Mit Fried und Frewd ich fahr dahin à 13
 - Polyhymnia Panegyrica et Caduceatrix - Erhalt uns Herr bey deinem Wort à 17


Cover vergössern

Dirigent(en):Cordes, Manfred


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Hamburger Ambition: Das Linos Ensemble hat mal wieder Kostbarkeiten der zweiten Reihe ausgegraben. Von berückender Schönheit und kompositorischer Qualität ist vor allem das besetzungsmäßig interessante Streichsextett. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Voller Hingabe: Johann Nepomuk Davis Sinfonik erweist sich als eigenständig und kompromisslos. In Johannes Wildner und dem ORF Radio-Symphonieorchester haben die Werke berufene Interpreten gefunden. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Telemann als Kantor: Telemann als Kantatenkomponist von Rang interessiert immer. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Lebendige Traditionen: Ein erfrischendes Dokument der formidablen Arbeit Stephen Laytons mit den reichen Ressourcen am Trinity College in Cambridge. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Darmstädter Eigensinn: Christoph Graupner ist und bleibt eine bemerkenswerte Figur: Gelassen steht er mitten in der mitteldeutschen kirchenmusikalischen Tradition, ohne je auf das Alte fixiert zu sein. Gleichzeitig wendet er sich explorativ mutig Neuem zu. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Telemann als Kantor: Telemann als Kantatenkomponist von Rang interessiert immer. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Lebendige Traditionen: Ein erfrischendes Dokument der formidablen Arbeit Stephen Laytons mit den reichen Ressourcen am Trinity College in Cambridge. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Hamburger Ambition: Das Linos Ensemble hat mal wieder Kostbarkeiten der zweiten Reihe ausgegraben. Von berückender Schönheit und kompositorischer Qualität ist vor allem das besetzungsmäßig interessante Streichsextett. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Voller Hingabe: Johann Nepomuk Davis Sinfonik erweist sich als eigenständig und kompromisslos. In Johannes Wildner und dem ORF Radio-Symphonieorchester haben die Werke berufene Interpreten gefunden. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2018) herunterladen (2494 KByte) Class aktuell (1/2018) herunterladen (3364 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Ich will gar keine Dirigentin sein"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich