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Dienstag, 21. Mai 2019

Brahms & Mahler - Klavierquartette

Gefasst, aber auch durchdrungen?


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit Eldar Nebolsin und dem internationalen Cello-Preisträger Wolfgang Emanuel Schmidt dürfen mindestens zwei Namen das Interesse an diesem Brahms schüren.

Aufgrund ihrer speziellen Besetzung – ein dominant-virtuoser Klavierpart steht einer um die zweite Quartett-Geige beschnittenen Streichergruppe gegenüber–- finden sich kaum Aufnahmen der Klavierquartette von Brahms mit Spezial-Ensembles wie dem Fauré Quartet (DGG), sondern häufiger Besetzungen mit prominenten, erweiterten Klaviertrio-Formationen, Pianisten mit Streichtrio oder reduziertem Quartett und eben wie hier entsprechend zusammengestellte (Star-)Solisten-Ensembles. Wie im Falle der bekannten Sony-Aufnahmen mit Pianist Emanuel Ax, Isaac Stern, Jaime Laredo und Yo-Yo Ma wird auch in dieser russisch-deutschen, im walisischen Monmouth ausgewogen und mit plastischem Klavierklang fast symphonisch breit aufgenommenen Naxos-Produktion oft zu sehr auf eine sauber-klangschöne Darbietung als auf gesteigert emotionales Durchdringen Wert gelegt. Bereits am Kopfsatzbeginn mit seinem hier und im Satzverlauf permant ‚winkenden‘ Hauptthema spürt man zunächst solche Defensive, die der manuell und interpretatorisch durchaus beeindruckende Pianist Eldar Nebolsin erst im durchführenden Mittelteil hin zu etwas mehr Ausdrucksintensität durchbricht, seine opponierenden Streicherkollegen hier einmal mitreißend. Wenig, zu wenig Tiefgang im folgenden 'Poco adagio', etwas animierter, doch ebenfalls oft statisch das Scherzo, am ehesten befreit und schwungvoll-lebendig musiziert das finale Allegro.

Mahlers 1876 zwischen dem hörbaren Vorbild Franz Schubert und merkwürdiger idiomatischer Vorwegnahme vielleicht schon des späten Gabriel Fauré angelegten a-Moll-Quartettsatz bekommt hingegen die auch hier eher vorsichtige, klangbewusste Musizierweise dieser Quartettspieler besser: Die weniger als bei Brahms konstruierten, vielmehr kontrastiv einander ablösenden formalen Bögen zwingen das Ensemble häufiger in schönen Fluß und adäquat nachdenkliche wie leidenschaftliche Rhetorik. Angesichts überlegener Konkurrenz wie Barenboim, Marc-André Hamelin oder dem Trio Wanderer beim Brahms-Zyklus (auf einer zweiten Naxos-CD sind ja auch die Quartette Nr. 1 und Nr. 3 erhältlich) lohnt vor allem diese ansprechende Ergänzung eine Anschaffung dieser Einzel-CD.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms & Mahler: Klavierquartette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
10.02.2017
EAN:
747313279975

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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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