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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Papandopulo, Boris - Violinkonzerte

Nur zur Hälfte hörenswert


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auf dieser zweiten cpo-Veröffentlichung mit Werken von Boris Papandopulo steht das gelungene Dritte Klavierkonzert neben dem deutlich schwächeren Violinkonzert.

Die beiden hier versammelten Instrumentalkonzerte aus der Feder von Boris Papandopulo (1906–1991) zeigen den Komponisten von zwei völlig verschiedenen Seiten. Das spritzig-fröhliche, jazzig angehauchte Klavierkonzert Nr. 3 erinnert vor allem in der Motorik des Kopfsatzes ein wenig an Bartok, die Stimmung ist insgesamt verspielt bis heiter. Ganz anders sieht es im Violinkonzert op. 125 aus: Düstere Dramatik herrscht hier vor, über die Dauer einer guten Dreiviertelstunde spannt der kroatische Komponist einen weiten Bogen, die hörbaren Einflüsse reichen von der Spätromantik bis ins 20. Jahrhundert. Die zwei gegensätzlichen Werke sind Teil einer Papandopulo-Reihe bei cpo, mit der sich das Osnabrücker Label erneut dem – wie es in der Werbung heißt – ‚wichtigsten kroatischen Komponisten des 20. Jahrhunderts‘ widmet. Wie schon bei der ersten Veröffentlichung (wo er das Zweite Klavierkonzert spielte) ist Oliver Triendl der Solist im Dritten Klavierkonzert, den Violinpart des Violinkonzertes interpretiert Dan Zhu. Der finnische Dirigent Ville Matvejeff leitet in beiden Aufnahmen das Symphonieorchester der Nationaloper Rijeka.

Auch wenn die diversen stilistischen Einflüsse, die im Dritten Klavierkonzert hörbar sind, nicht zu einem unverwechselbaren Tonfall bei Papandopulo geführt haben, hat das Werk doch seinen Reiz und kann, zumal in dieser flotten Interpretation, den aufgeschlossenen Hörer für sich gewinnen. Wer will, kann hier (neben dem genannten Bartok) Spuren von Milhaud, Honegger oder Strawinsky finden – das Ergebnis jedenfalls ist unterhaltsam, kompakt und recht dankbar für die Musiker. Triendl, der im Laufe seiner langen Karriere schon schwierigere Solopartien gemeistert hat, kann alle drei Sätze abwechslungsreich gestalten und hat mit Matvejeff einen Dirigenten an seiner Seite, der dem Solisten alle notwendigen Freiräume lässt. Insbesondere die gut zwölf Minuten des Kopfsatzes geraten so zu einem neckischen und abwechslungsreichen Hörerlebnis, ohne je trivial zu wirken. Auch das (etwas blassere) 'Andante tranquillo' und das rasante Finale werden präzise und mit feinsten dynamischen Schattierungen vorgetragen, die gute Klangqualität tut ein Übriges zu einem positiven Gesamteindruck. Die Balance zwischen Solo und Orchester ist leicht zu Gunsten des Ersteren verschoben – ganz so, wie man es von einer Konzertaufnahme erwartet.

Erheblich problematischer ist der Eindruck im Violinkonzert, einem Koloss von beinahe Reger´schen Dimensionen. Während sich Papandopulo im Dritten Klavierkonzert durch Kompaktheit und eine schlanke Orchestrierung auszeichnete, geriet ihm hier ein Werk regelrecht aus dem Leim. Schon der Kopfsatz mit seinen gut 24 Minuten will einfach kein Ende nehmen, da können sich die Interpreten noch so sehr ins Zeug legen. Obwohl Zhu dem höchst anspruchsvollen Solopart durchaus gewachsen ist, gerät er doch hier und da an seine Grenzen, vermutlich nicht zuletzt wegen eines viel zu aufgeblähten Orchestersatzes, der auch dem Dirigenten Schwierigkeiten bereitet. Noch am ehesten genießbar ist der Mittelsatz ('Andante sostenuto; molto cantabile'), bevor die Violine auch im Finale immer wieder zugedeckt wird. Matvejeff versucht durch straffe Tempi zu retten, was kaum noch zu retten ist – Zhu muss streckenweise regelrecht hinterherrennen. Hier gibt es nichts zu beschönigen: Das Violinkonzert ist seinem Schöpfer insgesamt misslungen. Kann man Papandopulos Drittes Klavierkonzert noch (mit leichten Abstrichen) neben Bartok und Ravel stellen, so wirkt das Violinkonzert einerseits kolossal überkomponiert und andererseits schwach und uninspiriert. Einige durchaus vorhandene ‚schöne Stellen‘ ändern daran nur sehr wenig.

Hier sollte der interessierte Hörer sorgfältig abwägen, ob er sich durch das Violinkonzert quälen will, um immerhin das Klavierkonzert zu genießen. Wie erwähnt, kann man den wackeren Interpreten nur wenig Schuld an diesem Missverhältnis geben. Vermutlich ist es bei einem so hochproduktiven Komponisten wie Papandopulo schlicht unvermeidlich, dass gewisse Qualitäts-Schwankungen zwischen verschiedenen Werken auftreten. Ohne Abstriche empfehlenswert ist der ausführliche Beiheft-Text von Davor Merkas.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Papandopulo, Boris: Violinkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203510023


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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