> > > Liszt, Franz: Faust Symphony - Dante Symphony
Montag, 6. Dezember 2021

Liszt, Franz - Faust Symphony - Dante Symphony

Zwei Werke, zwei Orchester, zwei Dirigenten


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Faust-Mythos hat Künstler seit jeher fasziniert. Goethe schließlich schuf in seinem Drama ein Werk, dass die literarische Auseinandersetzung mit diesem Stoff auf einen Höhepunkt führte. Für die Tondichter jedoch war dies erst der Anfang ihrer Beschäftigung mit der Geschichte des Menschen, der einen Pakt mit dem Teufel schloss. Mehrere Versuche, Goethes Schauspiel auf die Opernbühne zu bringen, sind – mit sehr unterschiedlichem Erfolg – in den letzten zwei Jahrhunderten unternommen worden. Liszt entschied sich für eine andere Form der Annäherung: Allen Faust-Opern ist gemein, dass sie eine Auswahl aus der Vielzahl der Szenen Goethes treffen müssen. Liszt empfand dies nicht als adäquate Lösung für diesen Stoff. Daher versuchte er in seiner Faust-Symphonie nicht, die Handlung des Werks musikalisch Umzusetzen, sondern zeichnet Charakterbilder der drei Protagonisten Faust, Gretchen und Mephistopheles in je einem Satz und fügt den berühmten ‚Chorus mysticus’ als Schlusschor an.

Ganz ähnlich ist sein Umgang mit Dantes ‚Göttlicher Komödie’. Eine direkte Übersetzung des Epos in klingende Bilder wäre schon aufgrund der Masse von Personen, die dem Wanderer an den verschiedenen Orten der jenseitigen Welt begegnen, undenkbar. Auch hier wird die individuelle Sicht des Komponisten auf die drei Stationen Hölle, Fegefeuer und Paradies in drei Sätzen widergegeben. Allerdings geht Liszt nicht so weit, das Paradies tatsächlich musikalisch darzustellen, sondern hält, nachdem das reinigende Fegefeuer durchschritten ist, an der Stelle inne, wo der Wanderer die himmlischen Sphären erahnen kann und beschließt sein Werk mit einem Magnificat, gleich dem Gesang der Engel.

Auf der vorliegenden Doppel-CD, die beim Label Brilliant Classics erschienen ist, sind diese beiden in ihrer Anlage so ähnlichen Werke Liszts vereint. Allerdings in zwei Aufnahmen, die so gut wie keine Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Faust-Symphonie wurde eingespielt vom Radio-Symphonie-Orchester Berlin sowie dem Rundfunkchor Berlin unter der Leitung von Eliahu Inbal; die Dante-Symphonie ist in einem Konzertmitschnitt von Chor und Orchester der Niederländischen Philharmonie unter Hartmut Haenchen zu hören.
Und auch bei der Interpretation sind deutliche Unterschiede festzustellen: Überraschenderweise sind gerade bei der Studioaufnahme z.T. sehr deutliche Intonationsschwierigkeiten (vor allem im zweiten Satz) hörbar; überhaupt wirkt die Einspielung recht unscharf und bedeckt. Die Tempi sind so langsam gewählt, dass man stellenweise den völligen Verlust des Metrums befürchtet. Jianyi Zhang, als regelrechter Heldentenor im Schlusschor, überzieht ein kleines Stück ins Pathetische.

Haenchen hat in seiner Interpretation ein schlüssigeres Bild von Liszts Musik zu geben vermocht. Die Dante-Symphonie wird sehr kraftvoll musiziert, doch auch hier gelingt es nicht ganz, die Spannung so sehr zu halten, dass die häufigen Wiederholungen in der Komposition nicht als Längen wirken. Dennoch ist der Niederländischen Philharmonie eine solide Einspielung gelungen.
Fazit: Diese ungewöhnliche Zusammenstellung zweier so ungleicher Aufnahmen macht eine einheitliche Bewertung unmöglich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Oliver John,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Liszt, Franz: Faust Symphony - Dante Symphony

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
01.06.2003
2:23:41
1992
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
5028421920801
92080


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Liszt, Franz


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Dirigent(en):Inbal, Eliahu
Haenchen, Hartmut
Orchester/Ensemble:Radio-Sinfonie-Orchester Berlin
Netherlands Philharmonic Orchestra Amsterdam
Interpret(en):Zhang, Jianyi (Tenor)
Rundfunkchor Berlin,
Netherlands Philharmonic Chorus,


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