> > > Glaubensbekenntnisse: Chorwerke von Bortniansky und Schnittke
Donnerstag, 30. März 2017

Glaubensbekenntnisse - Chorwerke von Bortniansky und Schnittke

Große Russen


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Große russische Musik in differenzierter stilistischer Annäherung, kraftbasiert gesungen. Ein schönes Dokument der noch frischen Zusammenarbeit des MDR Rundfunkchors mit Risto Joost.

Aktuell liegt eine Platte des MDR Rundfunkchors vor, die sich russischem Repertoire widmet. Zu hören sind zwei geistliche Konzerte und eine Hymne von Dmitri Bortnjanski (1751-1825), ‚Orpheus von der Newa‘, Leiter der Hofsängerkapelle Zar Pauls I. und als solcher der Produktion üppiger Kompositionen für den orthodoxen Gottesdient verpflichtet. Die erklingenden Beispiele zeigen einen Komponisten, der sich – ausgebildet von Baldassare Galuppi und nach langem Italienaufenthalt umfassend gewappnet – als Komponist auf der ästhetischen Höhe seiner Zeit bewegte. Harmonisch, im souveränen Umgang mit Techniken und klanglichen Möglichkeiten hört man den vielseitig geschulten Könner. Auf dem Weg zu Alfred Schnittkes (1934-1998) Konzert für Chor von 1984 hätte man programmatisch vielleicht einen Zwischenschritt über Tschaikowsky oder Rachmaninow gehen können – beide auch Meister des geistlichen Repertoires; zumal die Platte mit knapp 55 Minuten Spielzeit durchaus Raum dafür geboten hätte. Doch ist Schnittkes Verbindung zu den Traditionen so stabil und tragfähig, dass auch der Sprung über Jahrhunderte nicht überambitioniert wirkt.

Alfred Schnittkes viersätziges Werk von fast vierzig Minuten Ausdehnung ist tatsächlich beeindruckend: Es ist komplex, technisch ambitioniert, zugleich immer wieder berückend klangsinnlich, in erkennbar fruchtbarem Austausch mit dem kirchenmusikalischen Erbe befindlich, zugleich selbstbewusst vom eigenen Personalstil kündend, der – obwohl vom Komponisten selbst als Polystilistik bezeichnet und damit anfällig für Verächtlichmachung durch Vertreter vermeintlich progressiv reiner Lehre – erstaunlich konzis wirkt und zugleich in keinem Moment von fragwürdiger Eklektik getrübt ist. Schnittke dazu: ‚Polystilistik ist für mich eine bewusste Ausspielung der Stilunterschiede, wodurch ein neuer musikalischer Raum entsteht und eine dynamische Formgestaltung wieder ermöglicht wird.‘ Dem wird er in seinem Chorkonzert deutlich gerecht.

Zu großer Überzeugung gesteigert

Und es bieten sich dem ambitionierten Chor reiche Möglichkeiten zur Entfaltung. Der Este Risto Joos, seit 2015 beim MDR, verfügt über einen Chor mit kraftvollen, geschmackssicher konturierten Registern von Charakter und Präsenz. Keine Stimmgruppe wird unter Wert geschlagen, alle agieren agil, sprachaktiv, zupackend. Im Forte lassen sich gerade bei Bortnjanski einige Härten hören, die der Nobilität des Ensembleklangs leicht Abbruch tun, und das nicht nur im in dieser Hinsicht auch in anderen Kammerchören durchaus anfälligen Sopran, sondern auch in den Männerstimmen: Bei aller reichen Befähigung, dynamische Kontrolle auszuüben, besteht hier die Gefahr, an Präzision zu verlieren. Das mag auch mit dem Klangbild zu tun haben: Das ist grundsätzlich lebendig, erwärmt und von einiger Größe, gleichzeitig aber auch geprägt von einem gewissen Mangel an letzter Klarheit, mit einer Anfälligkeit für pauschale Verdichtung in gesteigerter Dynamik. Besonders bei Schnittke, der sehr viel mehr interpretatorische Nuancen fordert als sein älterer Kollege, zeigt sich die Qualität des Chors, der diese höheren Hürden ohne Mühe überwindet, im schwierigeren Repertoire noch einmal deutlich aufblüht, die intonatorisch heiklen schillernden Klangflächen souverän durchmisst, sich den ganz großen Linien hingibt und entschieden eruptive Interjektionen dazwischensetzt. Risto Joost deutet die teils ausgreifenden Sätze in fließenden, beweglich gehaltenen Tempi, die das reich gegliederte Geschehen lebendig machen.

Große russische Musik in differenzierter stilistischer Annäherung, kraftbasiert gesungen. Ein schönes Dokument der noch frischen Zusammenarbeit des MDR Rundfunkchors mit Risto Joost.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Glaubensbekenntnisse: Chorwerke von Bortniansky und Schnittke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
03.02.2017
EAN:

4260036254501


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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