> > > ... sei gegrüßet, jesu gütig ...: Orgelwerke von Johann Sebastian Bach Vol. 2
Mittwoch, 28. Juni 2017

... sei gegrüßet, jesu gütig ... - Orgelwerke von Johann Sebastian Bach Vol. 2

Heimspiel


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Suzuki als berufener Bach-Organist: Das mag die Basis seiner großen dirigentischen Karriere sein, die ihn zu einer der zentralen Bach-Instanzen unserer Tage hat werden lassen. Auch rein organistisch schön.

Nach dem Ende der Gesamteinspielung der Bach-Kantaten ist Masaaki Suzuki schon mehrfach vernehmlich als Organist hervorgetreten, mit Buxtehude und jetzt zum zweiten Mal mit Bach. Das verweist auf seine Ursprünge als Orgelschüler Ton Koopmans; daran knüpft er jetzt, nach Jahrzehnten erfolgreich wieder an. Und das aktuell mit einem wunderbar konzipierten Programm, in herrlich symmetrischer Anlage: Quasi als Ecksatz fungiert je ein Paar aus Präludium und Fuge, eingangs das in G-Dur BWV 541, am Schluss das in C-Dur BWV 547. Nach innen fortschreitend steht dann je das Choralvorspiel 'Liebster Jesu, wir sind hier' BWV 730 und 731, danach folgen zwei Transkriptionen von Vivaldi-Konzerten BWV 596 und 594. Im Zentrum steht die große Choralpartita 'Sei gegrüßet, Jesu gütig' BWV 768, die ein Ausbund an reflektierter Variationskunst und zugleich Einladung an den kundigen Organisten ist, sich diesen Reichtum klug registrierend anzuverwandeln. Die Vivaldi-Transkriptionen inszenieren die Orgel als ein erstaunlich geeignetes Medium für ästhetisch dieser Sphäre eigentlich fremde Musik – von der Inspiration Vivaldis geht bemerkenswert wenig verloren. Ein schönes Programm also, das den bearbeiteten Choral als orgelgenuine Sphäre klug mit dem Einfluss des italienischen Konzerts verschränkt; beides fließt gelungen im Instrument zusammen.

Vielschichtig

Masaaki Suzuki nicht als Organisten zu sehen, war zwar über viele Jahre nachvollziehbar, aber eben auch falsch: Er erweist sich in seinem Stammrepertoire als kundiger Stilist und Techniker von Format, als bezwingender Gestalter und höchst verständiger Interpret. Und er spielt gewissermaßen zu Hause, in der Kapelle der Frauenuniversität von Kobe, in der auch der größte Teil der Kantaten-Einspielungen entstanden ist, auf seinem Heim-Instrument – einer 1983 von Marc Garnier vollendeten Orgel mit überschaubaren 33 Registern und nur schmaler 16-Fuß-Basis. Doch erweist sich das Instrument als überaus vielfarbig in seinen Möglichkeiten, bietet es insgesamt ein auf Harmonie bedachtes Bild, zwar klar zeichnend, aber doch nicht scharf. Zudem passt es mit seinem erstaunlich kräftig grundierten, gelegentlich beinahe füllig wirkenden Plenum ideal in den Raum. Kongenial auch die klangliche Umsetzung, die ein Panorama von Größe in der Gesamtwirkung und Präzision im Detail bietet, in harmonischer Balance.

In der Partita zieht Suzuki im wahrsten Sinn des Wortes alle Register, lässt zum Beispiel schnarrende Zungenregister der zweiten Variation unvermittelt auf herrliche Flöten in der dritten treffen. Die Konzerte haben ganz eigene spieltechnische Anforderungen, mit etlichen repetitiven Momenten oder plakativen Wechseln der Registrierungen; Suzuki löst das alles ein, behände und mit kenntnissicherem Geschmack. Und er erweist sich als berufener Bach-Organist: Das mag die Basis seiner großen dirigentischen Karriere sein, die ihn zu einer der zentralen Bach-Instanzen unserer Tage hat werden lassen. Auch rein organistisch schön.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    ... sei gegrüßet, jesu gütig ...: Orgelwerke von Johann Sebastian Bach Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
11.01.2017
EAN:

7318599922416


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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