> > > ... sei gegrüßet, jesu gütig ...: Orgelwerke von Johann Sebastian Bach Vol. 2
Sonntag, 26. Mai 2019

... sei gegrüßet, jesu gütig ... - Orgelwerke von Johann Sebastian Bach Vol. 2

Heimspiel


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Suzuki als berufener Bach-Organist: Das mag die Basis seiner großen dirigentischen Karriere sein, die ihn zu einer der zentralen Bach-Instanzen unserer Tage hat werden lassen. Auch rein organistisch schön.

Nach dem Ende der Gesamteinspielung der Bach-Kantaten ist Masaaki Suzuki schon mehrfach vernehmlich als Organist hervorgetreten, mit Buxtehude und jetzt zum zweiten Mal mit Bach. Das verweist auf seine Ursprünge als Orgelschüler Ton Koopmans; daran knüpft er jetzt, nach Jahrzehnten erfolgreich wieder an. Und das aktuell mit einem wunderbar konzipierten Programm, in herrlich symmetrischer Anlage: Quasi als Ecksatz fungiert je ein Paar aus Präludium und Fuge, eingangs das in G-Dur BWV 541, am Schluss das in C-Dur BWV 547. Nach innen fortschreitend steht dann je das Choralvorspiel 'Liebster Jesu, wir sind hier' BWV 730 und 731, danach folgen zwei Transkriptionen von Vivaldi-Konzerten BWV 596 und 594. Im Zentrum steht die große Choralpartita 'Sei gegrüßet, Jesu gütig' BWV 768, die ein Ausbund an reflektierter Variationskunst und zugleich Einladung an den kundigen Organisten ist, sich diesen Reichtum klug registrierend anzuverwandeln. Die Vivaldi-Transkriptionen inszenieren die Orgel als ein erstaunlich geeignetes Medium für ästhetisch dieser Sphäre eigentlich fremde Musik – von der Inspiration Vivaldis geht bemerkenswert wenig verloren. Ein schönes Programm also, das den bearbeiteten Choral als orgelgenuine Sphäre klug mit dem Einfluss des italienischen Konzerts verschränkt; beides fließt gelungen im Instrument zusammen.

Vielschichtig

Masaaki Suzuki nicht als Organisten zu sehen, war zwar über viele Jahre nachvollziehbar, aber eben auch falsch: Er erweist sich in seinem Stammrepertoire als kundiger Stilist und Techniker von Format, als bezwingender Gestalter und höchst verständiger Interpret. Und er spielt gewissermaßen zu Hause, in der Kapelle der Frauenuniversität von Kobe, in der auch der größte Teil der Kantaten-Einspielungen entstanden ist, auf seinem Heim-Instrument – einer 1983 von Marc Garnier vollendeten Orgel mit überschaubaren 33 Registern und nur schmaler 16-Fuß-Basis. Doch erweist sich das Instrument als überaus vielfarbig in seinen Möglichkeiten, bietet es insgesamt ein auf Harmonie bedachtes Bild, zwar klar zeichnend, aber doch nicht scharf. Zudem passt es mit seinem erstaunlich kräftig grundierten, gelegentlich beinahe füllig wirkenden Plenum ideal in den Raum. Kongenial auch die klangliche Umsetzung, die ein Panorama von Größe in der Gesamtwirkung und Präzision im Detail bietet, in harmonischer Balance.

In der Partita zieht Suzuki im wahrsten Sinn des Wortes alle Register, lässt zum Beispiel schnarrende Zungenregister der zweiten Variation unvermittelt auf herrliche Flöten in der dritten treffen. Die Konzerte haben ganz eigene spieltechnische Anforderungen, mit etlichen repetitiven Momenten oder plakativen Wechseln der Registrierungen; Suzuki löst das alles ein, behände und mit kenntnissicherem Geschmack. Und er erweist sich als berufener Bach-Organist: Das mag die Basis seiner großen dirigentischen Karriere sein, die ihn zu einer der zentralen Bach-Instanzen unserer Tage hat werden lassen. Auch rein organistisch schön.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    ... sei gegrüßet, jesu gütig ...: Orgelwerke von Johann Sebastian Bach Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
11.01.2017
EAN:

7318599922416


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Nordische Entdeckungslust: Mit einer vokalen und einer instrumentalen Komposition von Lars Karlsson (*1953) widmet sich das Lapland Chamber Orchestra neuen, nordischen Raritäten und lässt vor allem durch bemerkenswerte solistische Beiträge aufhorchen. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Charakterisierungskunst: Andreas Haefliger will uns Altbekanntes in neuem Licht erscheinen lassen. Auch wenn das teils fragwürdige Ergebnisse zeitigt – spannend ist es immer. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Abstrakte Gebete: Jaako Kuusisto spielt die Sonaten und Partiten von Johann Sebastian Bach so, als wären sie nicht von dieser Welt. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Porträt mit Telemann: Diese Platte ist zweierlei: Zunächst ein weiterer Beweis dafür, dass Telemann in allen Gattungen, denen er sich zuwandte, ganz hervorragend zu komponieren verstand und entsprechend reüssierte. Und sie ist ein schönes Recital von Alex Potter. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Finalisiert: Bruckners Neunte Sinfonie ohne Lasten. Sinfonik im Sinne Schuberts, verführerisch, apollinisch: Das wäre schon angesichts der ersten drei Sätze ein höchst erfreulicher Befund. Mit Gerd Schallers kundiger Ausformulierung des Finales umso mehr. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Kunstvolle Pracht: Eine schöne Platte über die Münchner Fürstenhochzeit von 1568, mit Roland Wilson und seinen engagierten Ensembles. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Nordische Entdeckungslust: Mit einer vokalen und einer instrumentalen Komposition von Lars Karlsson (*1953) widmet sich das Lapland Chamber Orchestra neuen, nordischen Raritäten und lässt vor allem durch bemerkenswerte solistische Beiträge aufhorchen. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Dirigierender Komponist: Die kommunikative Qualität von Hans Zenders Musik kommt auf dieser Einspielung bestens zur Geltung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Charakterisierungskunst: Andreas Haefliger will uns Altbekanntes in neuem Licht erscheinen lassen. Auch wenn das teils fragwürdige Ergebnisse zeitigt – spannend ist es immer. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2019) herunterladen (2900 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Frédéric Chopin: Valse a-Moll

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich