> > > Michael Praetorius - Gloria sei dir gesungen. Choralkonzerte nach Liedern von Luther und Nicolai: Gli Scarlattisti, Capella Principale, Jochen Arnold
Montag, 20. August 2018

Michael Praetorius - Gloria sei dir gesungen. Choralkonzerte nach Liedern von Luther und Nicolai - Gli Scarlattisti, Capella Principale, Jochen Arnold

Lebendig


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt eine lebendige, nuancenreiche Interpretation dieser attraktiven Musik von Michael Praetorius. Ein schöner, auch programmatisch sehr gelungener Impuls für das Repertoire.

Mit dem Gedenken an 500 Jahre Reformation kommen in diesem Jahr musikalisch auch Stimmen späterer Epochen als der Luthers verstärkt zu ihrem Recht, etwa Michael Praetorius (1571-1621), dessen Musik eine erstaunlich breite stilistische Anlange aufweist, wie die aktuelle Platte von Jochen Arnold und seinem Ensemble Gli Scarlattisti mit einer Reihe von Choralkonzerten nach Vorlagen von Martin Luther und Philipp Nicolai unterstreicht: Natürlich klingt Anfang des 17. Jahrhunderts noch viel kontrapunktisches Erbe mit, zum Beispiel in Gestalt hochkomplexer Rhythmen. Dazu gesellt sich die von Praetorius kunstfertig explizierte Monodie modernster italienischer Prägung, begleitet von eigenständigen instrumentalen Stimmen. Üppige, vollstimmig gesetzte Mehrchörigkeit ist ebenso prägend wie die klare Gliederung von Ritornellen und strophischen Abschnitten. In der Summe ist es eine lebendige, höchst attraktive Musik, die gelegentlich nicht leicht fasslich wirkt in ihrer tatsächlichen Komplexität. Vermutlich hatte es Praetorius posthum der ebenso produktiven wie ästhetisch prägenden Generation von Schütz, Schein und Scheidt zu verdanken, dass sich seine Musik langfristig nicht in ganzer Breite durchsetzte – bis heute sind es vor allem wenige adventliche und weihnachtliche Sätze aus dem vokalen Werk, dazu ein paar Tänze der Terpsichore; vor allem ist es die Wahrnehmung als Theoretiker, die den schöpferischen Musiker lange Zeit weniger prominent sah. Wenn das Reformations-Jahr dazu beiträgt, das zu beheben, ist das willkommen.

Sehr ansprechend

Jochen Arnold, musikalisch und theologisch gleichermaßen profiliert, hat schon früher vehement für die Anerkennung musikhistorischer Größen aus dem Halbschatten plädiert, vor allem mit zwei schönen Programmen zu Andreas Hammerschmidt. Sein Vokalensemble Gli Scarlattisti erweist sich bei Praetorius als feine Formation, die in denkbar variablen Konstellationen von ausgreifender Solo-Strecke bis zu kultivierter kammerchorischer Eleganz zu überzeugen weiß. Prägend sind ausgesprochen schöne, schlanke Register, fein ineinander verblendet, zugleich charakteristisch geformt. Intoniert wird überzeugend frei; die sprach- und affektsensible Setzweise Praetorius‘ wird wunderbar aufgegriffen – die vor allem rhythmisch oft vertrackte Musik ganz selbstverständlich explizierend. Die Soli lösen sich überzeugend aus der Gruppe, die Sopranistin Susan Eitrich und der formidable Bass Jens Hamann fallen besonders positiv auf. Instrumental kommen viele Farben zu Gehör, neben den Streichern auch Zinken, Posaunen, Dulzian, Flöte, Theorbe und Orgel. Auch hier wird technisch stark agiert, mit schöner Einfühlung in Praetorius‘ Idiom. Neben vielen feinen Linien tragen die Instrumentalisten immer wieder zu edler Prachtentfaltung bei. Das Klangbild ist klar, geprägt von schöner Plastizität, wirkt erwärmt, zugleich agil sowie reich an Struktur und Atmosphäre. Insgesamt eine lebendige, nuancenreiche Interpretation dieser attraktiven Musik. Ein schöner, auch programmatisch sehr gelungener Impuls für das Repertoire.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Michael Praetorius - Gloria sei dir gesungen. Choralkonzerte nach Liedern von Luther und Nicolai: Gli Scarlattisti, Capella Principale, Jochen Arnold

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
03.02.2017
071:41
2016
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4009350834828
JPC 5858583


Cover vergössern

Praetorius, Michael
 - Wie schön leuchtet der Morgenstern -
 - Komm, heiliger Geist -
 - Aus tiefer Not schrei ich zu dir -
 - Nun freut euch, lieben Christen gmein 1 -
 - Nun freut euch, lieben Christen gmein 2 -
 - Halleluja. Christ ist erstanden -
 - Nun lob, mein Seel, den Herren -
 - Magnificat deutsch -
 - Vom Himmel hoch, da komm ich her -
 - Teutsch Et in terra -
 - Teutsch Et in terra 2 -
 - Ein feste Burg ist unser Gott -
 - Mit Fried und Freud ich fahr dahin -
 - Wachet auf, ruft uns die Stimme -


Cover vergössern

Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Carus:

  • Zur Kritik... Famos: Schütz' 'Symphoniae Sacrae', zweiter Teil: Diese Musik hat in Rademann und seinen versierten Formationen ideale Anwälte gefunden. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Hymne à Lili: Das Orpheus Vokalensemble zeigt mit einer großen Auswahl von Chorwerken die facettenreiche Schaffenskraft Lili Boulangers. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
  • Zur Kritik... Romantik oder Biedermeier – oder beides?: Frieder Bernius und der Kammerchor Stuttgart reüssieren mit den 'Liedern im Freien zu singen' von Felix Mendelssohn Bartholdy. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle Kritiken von Carus...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Kriegsgedenken: Eine sehr ansprechende Präsentation überwiegend wenig bekannter Werke aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges durch das Johann Rosenmüller Ensemble. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Famos: Schütz' 'Symphoniae Sacrae', zweiter Teil: Diese Musik hat in Rademann und seinen versierten Formationen ideale Anwälte gefunden. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Lebendige Musikpflege: Eine runde und hochwertige h-Moll-Messe und ein lebendiges Abbild der engagierten und fruchtbaren Arbeit Michael Schönheits in Merseburg. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2018) herunterladen (3001 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Niels Gade: String Quintet in F minor - Andante - Allegro molto

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich