> > > Bach, Johann Sebastian: Messe in h-Moll BWV 232
Donnerstag, 23. November 2017

Bach, Johann Sebastian - Messe in h-Moll BWV 232

Verhalten und vorhersehbar


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine gesammelte, linear vorwärts gerichtete, fein ausschwingende Live-Aufführung der h-Moll-Messe Bachs legt BR-Klassik auf einer DVD mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und Concerto Köln vor. Man hört feine Vokalkultur und mitteilsame Rhetorik.

Die großen Vokalwerke Bachs darf beim Bayerischen Rundfunk (BR) der Chordirigent einspielen, seit er Peter Dijkstra heißt. Sie sind nicht mehr Sache des Symphonieorchester-Chefdirigenten, da Dijkstra, der im letzten Jahr in München zugunsten Howard Armans demissionierte, statt des BR-Symphonieorchesters ein barockes ‚Originalklang-Orchester‘ verpflichtet. So ist das Klangbild der in der Nürnberger Lorenz-Kirche live eingespielten DVD mit der h-Moll-Messe licht und offen. Die festlichen Aufschwünge von Bachs Messe auf den katholischen Messtext bleiben mit Dijkstras Chor des Bayerischen Rundfunks und dem der historischen Aufführungsraxis verpflichteten Kammerorchester Concerto Köln locker und transparent. Sie atmen nicht jene spontane Expressivität, wie sie einst in München ein Karl Richter mit seinen dortigen Ensembles, dem Münchner Bachchor sowie dem Münchner Bachorchester, zuwege brachte.

Das soll die jetzige Aufnahme Dijkstras, die mit liebevollen Ausblicken auf Bilder und Skulpturen sowie die Fenster von St. Lorenz optisch dezent garniert ist, nicht schmälern. Reizvolle Bilder aus der Höhe in das lang gestreckte Nürnberger Kirchenschiff stehen für die Überschau, die Dijkstra für das geistliche Essenz-Werk Bachs beweist. Aber wie die im zweisprachigen Textheft (deutsch, englisch, mit einer qualifizierten Werkeinführung Judith Kaufmanns versehen) niedergelegten lichtdramaturgischen Absichten der Aufführungsregie dann doch auf der Strecke bleiben, hätte Dijkstras aufmerksam-freundliche Direktion doch mehr Begeisterung und Spontaneität vertragen. Dijkstras Annäherung an Bachs Hohe Messe blieb da eher temperiert. Er steigerte von langer Hand vorbereitet, nicht aus dem Augenblick heraus ergriffen.

So waren das flutende 'Sanctus' und das ekstatische 'Osanna' transparent und stimmlich virtuos vorgetragen, wirkten aber doch zu sehr rhythmuslastig, straff und in deutlicher Sicherheit durchgezogen. Da mangelte es an expressiver Ergriffenheit. Auch in einigen Nummern des vorangegangenen 'Credo' drang Dikstra aus der Metrumlastigkeit nicht ins Visionäre vor.

Erhebende Momente

Doch es gab bei dieser Aufführung in St. Lorenz auch erhebende Momente. Erwähnenswert ist die hohe Eindringlichkeit, mit der in dichtem Legato die die Messe verklammernden Dankes- und Friedens-Chöre in 'Gloria' und 'Agnus Dei' ('Gratias agimus', 'Dona nobis pacem') machtvoll und ausladend stimmlich zum Strahlen gebracht wurden. Auch die feierliche und andächtige Konzentriertheit, die der BR-Chor für das 'Et incarnatus est' im 'Credo' mit introvertiertem Schönklang aufbrachte, ist ein Lichtpunkt der Nürnberger Aufführung.

Das Barockorchester Concerto Köln spielte als Pendant zum stark besetzten, stimmtechnisch versieren BR-Chor zwar flüssig und verlässlich, wurde vom klangergiebigen Chor aber doch zu stark dominiert. Der im Ergebnis sehr plastischen Klangregie gelang es nicht immer, die Differenzen auszugleichen. Wo es versucht wurde, wie im 'Credo'-Eingangschor, wurde dann aber des Guten zuviel getan und die Trompeten wirkten überzogen ('Patrem omnipotentem'). Feinsinnig brachten die Instrumentalsolisten des Concerto Köln ihre obligaten Begleitungen zu den Gesangssoli im 'Credo' ein.

Hier vertraute Dijkstra der in ihrem Stimmumfang weitreichenden Mezzosopranistin Anke Vondung die normalerweise dem hohen Sopran vorbehaltene Arie 'Laudamus te' an, der die Mezzosopranistin mit vibrierender Stimme einen irisierenden Schimmer verleiht. Dunkel abgedeckt hört man von Vondung am Ende die 'Agnus Dei'-Arie. Mit heller Substanz und lebendiger Wärme gestaltet Christina Landshamer die übrigen Sopranpartien. Gut durchdringend, hochbeweglich und energisch artikulierend singt Maximilian Schmitt die Tenor-Soli. Ebenfalls stimmlich flexibel, aber in der Intonationsgenauigkeit zuweilen eher approximativ agiert der Bass Andreas Wolf.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Messe in h-Moll BWV 232

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
24.02.2017
106:21
2016
EAN:
BestellNr.:
Booklet
4035719005165
900516


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Bach, Johann Sebastian
 - Messe in h-Moll BWV 232 -


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"JOHANN SEBASTIAN BACH Messe in h-Moll, BWV 232 Mit der Hohen Messe in h-Moll setzte Bach seinem kompositorischen Lebenswerk einen Höhe- und gleichzeitig den Schlusspunkt: diese „große katholische Messe“, seine einzige Messkomposition, in der er das vollständige Ordinarium des lateinischen Messetextes vertont hat, war sein letztes großes Vokalwerk. Nachdem er 1733 bereits eine „Missa“ aus Kyrie und Gloria geschrieben hatte, stellte er die übrigen Sätze kurz vor dem Ende seines Lebens aus Bearbeitungen früher komponierter Sätze – überwiegend aus seinen Kantaten – und aus neu geschaffenen Abschnitten zusammen. Diese 1748/49 vollendete Messe ist ein musikalisches Meisterwerk; selbst Bachs originale Partiturhandschrift ist ein eigenes Kunstwerk und wird durch das Weltdokumentenerbe der UNESCO geschützt. Steht auch die barocke musikalische Pracht immer im Vordergrund, so sind doch besinnliche Momente und die innigen Choräle ebenso ganz wesentliche Bestandteile dieser feierlichen, festlichen „Missa solemnis“, die sich aus achtzehn Chorsätzen und neun Arien zusammensetzt. Das lateinische Ordinarium bildet den Seidenfaden, an dem alle diese musikalischen Perlen aufgereiht sind… Die Musik von Bachs Messe h-Moll ist auch nach annähernd dreihundert Jahren immer noch lebendig, frisch und ein wahrer barocker Hochgenuss – mag man sie nun im Konzert oder von der Schallplatte erleben. Was den hier veröffentlichten Live-Mitschnitt der konzertanten Aufführung vom Juni 2016 besonders macht, sind die unverbrauchten Stimmen der ebenso jungen wie hervorragenden Vokalsolisten, der immer wieder in höchsten Tönen gelobte „glasklare Klang“ und die „ungeheure Plastizität“ des Chors des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Dijkstra und natürlich das renommierte Originalklang-Ensemble Concerto Köln. Und es ist zusätzlich die lebendige Live-Atmosphäre eines Konzertereignisses, das das Publikum begeisterte und den Münchner Rezensenten sogar das Adjektiv „zauberhaft“ zu entlocken vermochte – ein seltenes, in diesem Falle aber hochverdientes Lob! Bachs Messe h-Moll wird nun auch auf DVD veröffentlicht: als Mitschnitt eines Konzerts anlässlich der „ION – Internationale Orgelwoche Nürnberg“ in der Nürnberger St. Lorenzkirche. Christina Landshamer, Sopran Anke Vondung, Mezzosopran Maximilian Schmitt, Tenor Andreas Wolf, Bassbariton Chor des Bayerischen Rundfunks Concerto Köln Leitung: Peter Dijkstra "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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