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Donnerstag, 21. September 2017

Alban Berg - Wozzeck

Überzeugender 'Wozzeck'


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Roman Trekel ist ein hervorragender Wozzeck. Das allein ist schon Grund genug, sich diesen Mitschnitt aus Houston zuzulegen.

Roman Trekel ist ein hervorragender Wozzeck. Das allein ist schon Grund genug, den ‚neuen‘ bei Naxos erschienenen 'Wozzeck' in die Riege wichtiger Einspielungen der ersten Berg-Oper aufzunehmen. 'Wozzeck' hat es auf Tonträgern ohnehin nicht leicht, denn wie auch im Falle von Alban Bergs 'Lulu' braucht die Musik die lebendige Szene und umgekehrt. Dieses Bedürfnis stillt der vorliegende Mitschnitt konzertanter Vorstellungen im März 2013 in Houston in hohem Maß, denn alle Solisten agieren mit einer ungeheuren Textverständlichkeit und einer regelrecht hörbaren Bühnenspannung, die wie Theater für die Ohren wirkt.

Roman Trekel gelingt in der Titelpartie das Kunststück, die Seelenmusik in Alban Bergs seriell konstruierter Partitur an die Oberfläche zu bringen. Genau so muss es sich der Komponist vorgestellt haben. Es klingt aus Trekels Mund wie die größte Selbstverständlichkeit – kein notgedrungenes Espressivo oder ein rettender Übergang zum Sprechgesang. Der Bariton entwickelt Ausdruck und Emotion aus der weitgesponnenen Kantilene, aus dem textlichen wie musikalischen Gehalt der Sprache. Da trumpft fraglos der erfahrene Liedsänger Trekel auf, der ein erschütterndes Figurenporträt der geschundenen und innerlich zerbrechenden Kreatur formt. Beim Hören vergisst man schnell – und das im besten Sinne –, dass hier gesungen wird. Dieser Wozzeck rührt an, erschreckt durch seine menschliche Wärme und weckt tiefes Verständnis.

Nicht weniger beeindruckend gestaltet Anne Schwanewilms die Marie. Zunächst irritiert die dunkle Grundierung ihres Soprans, bei 'Tschin Bum, Tschin Bum!' erkennt man sie kaum. Die warme, volle Mittellage ist aber genau das Fundament, aus dem heraus Schwanewilms all ihren Klangzauber bezieht. Die herrlich flutenden Höhenpiani sind fest in der Stimme verankert und machen gerade deshalb ungeheuren Effekt. Man mag die Marie schon existenzieller gehört haben, aber schönstimmiger und gewinnender eher selten. Da muss man schon bis Eileen Farrell in der alten Mitropoulos-Aufnahme zurückgehen oder sich einige Stellen mit Christa Ludwig in dieser Rolle ins Gedächtnis rufen. Die unverblümte Direktheit von 'Mädel was fangst du jetzt an?' ist schlicht entwaffnend und der zarte Tonansatz im Gebet hat etwas Magisches.

Am Pult der Houston Symphony steht der Österreicher Hans Graf. Die Musiker sind bestens präpariert und spielen Bergs Musik mit großer Souveränität und Eleganz. Im richtigen Moment gleicht der Orchesterklang einer wahren Eruption, während Graf bei den Vokalszenen auf Durchsichtigkeit und ein gewisses Maß an Zurückhaltung setzt. Hans Graf nimmt Bergs Anweisungen sehr genau und spürt dem menschlichen Drama nach. Lust- und äußerst geschmackvoll bedient er das gleißend Ordinäre der Wirtshausszene ebenso wie die düstere Fatalität des vorletzten Bildes. Verstörend eigenwillig oder extrem kantig kommt Grafs 'Wozzeck' nicht daher, eher spätromantisch mit einer klaren persönlichen Haltung. Im Rahmen dieser konzertanten Aufführung stützt Grafs Zugang klar das erzählende Element, das den puren Hörgenuss dieses 'Wozzeck' deutlich verstärkt und jede mögliche Hemmschwelle abbaut.

Nathan Berg ist ein stimmgewaltiger und sprachlich prägnanter Doktor mit Tendenzen zum Abgründigen, ohne künstlich nachdunkeln zu müssen. Als Tambourmajor präsentiert sich Gordon Gietz in Topform und auch Robert McPherson singt einen tadellosen, jugendlich frischen Andres. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist dagegen der Hauptmann von Marc Molomot, dem jede Schärfe dieser Figur abgeht und der mit verhangenem Tonfall eher vokale Lyrik andeutet, als treffgenau zu formulieren. Molomots artikuliert allerdings hervorragend und singt die Partie wirklich notengetreu aus – das muss man ihm zugute halten. Aber die Sehnsucht nach einem Gerhard Stolze, Heinz Zednik oder Wolfgang Ablinger-Sperrhacke ist beim Hören groß. Katherine Ciesinski als Margret, Calvin Griffin und Samuel Schultz als Handwerksburschen und Brenton Ryan als Narr komplettieren das homogene Ensemble.

Das ist ein 'Wozzeck', den man sich bei dem gewohnt niedrigen Preis unbedingt anschaffen sollte, um ihn zu genießen und dann selbstbewusst neben Abbados, Boulez' und Böhms Einspielungen und die legendäre Mitropoulos-Aufnahme zu stellen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Alban Berg: Wozzeck

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
2
13.01.2017
EAN:

730099039079


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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