> > > Richard Strauss und Ludwig Thuille: Sonaten für Violoncello und Klavier
Dienstag, 27. Juni 2017

Richard Strauss und Ludwig Thuille - Sonaten für Violoncello und Klavier

Spätromantik à l'Italianitá


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Cellosonaten der beiden Freunde Strauss und Thuille auf einer CD vereinigt: Vergleiche lassen sich nicht anstellen, und ein Sieger ist erst recht nicht auszumachen.

Die jungen Cellisten haben es nicht leicht – die Konkurrenz ist groß, auch bei den sehr guten. Der Vorteil für den Musikliebhaber: Die Musiker graben in den Archiven, wobei sie so manchen Schatz zutage fördern, der dort schon viel zu lange geschlummert hat. Einer dieser Schatzgräber hat nun die Cellosonate von Ludwig Thuille eingespielt.

Ludwig Thuille ,1861 in Bozen geboren, kam mit 18 Jahren nach München, wo er sesshaft wurde. Er studierte am königlichen Konservatorium bei Rheinberger, übernahm später dessen Professur, war Lehrer von Hermann Abendroth, Walter Braunfels und Ernst Bloch. Er schrieb eine vielbeachtete Harmonielehre, das einzige, was nach seinem frühen Tod (mit 45 Jahren) im Gedächtnis blieb. Seine enge Freundschaft mit Richard Strauss lässt sich in zahlreichen Briefen belegen. So liegt es für das italienische Cello-Klavier-Duo Favalessa/Semeraro nahe, die Sonate von Thuille zusammen mit derjenigen des Thuille-Freundes Richard Strauss zu präsentieren, zumal das – vermarktungstechnisch gesehen – sicher die Veröffentlichung erleichtert hat.

Strauss – drei Jahre jünger als Thuille – schrieb seine Cellosonate als 17-Jähriger 1881/82. Sie verrät bereits die große kompositorische Begabung, auch wenn das Werk sich noch in Stil, Duktus und Form an der Frühromantik, etwa den Sonaten von Mendelssohn, orientiert. Aber es lugt auch schon der Cellopart des 'Don Quichotte' hervor. In Gedanken an selbigen spielt das Duo die Sonate leicht, luftig, witzig, ohne übertriebene Geste. Selbst das ‚molto espressivo‘ im langsamen Satz gerät nicht schwülstig, sondern edel. Andrea Favalessa geht sparsam mit dem Vibrato um, und so geraten selbst die aufschwingenden Sexten eher nostalgisch verhalten. Von Hochromantik also auch in der Spielweise keine Spur.

Die Sonate von Thuille entstand 1902, ganze 20 Jahre später als die seines Freundes Strauss, der inzwischen Karriere gemacht hatte. Der Stil ist ein ganz anderer – in der Musikwelt hatte sich zwischenzeitlich so einiges getan. Thuille blickt nicht nach vorn in die neue Zeit, sondern ist typischer Protagonist der Spätromantik. Einen Epigonen kann man ihn aber nicht nennen, denn er geht virtuos mit der Harmonik um, lässt improvisierende Momente zu und führt souverän durch die immer noch klassisch orientierte Form mit zwei gegensätzlichen Themen im ersten Satz und deren Durchführung, mit einem hochromantischen 'Adagio' und einem Finale im Sechsachtel-Takt mit punktierter Bewegung wie sie auch schon bei Strauss vorkommt. Das Tänzerische in diesem 'Scherzo' ist aber eher nicht im Thema selbst zu suchen, sondern darin, wie Thuille hier die beiden Instrumente miteinander umgehen lässt. Es ist ein Spiel, in dem sich Klavier und Cello die Motive zuwerfen, sie vom anderen aufnehmen, imitieren, ergänzen und weiterführen – das hat kompositorische Klasse.

Und interpretatorische Klasse hat auch, wie Andrea Favalessa und Maria Semeraro damit umgehen. Man hört, dass sie schon lange miteinander Musik machen, ja im Booklet werden sie gar nicht einzeln mit ihrem jeweiligen Werdegang vorgestellt, sondern nur als Duo. Wie sehr sie aufeinander achten, macht sich auch noch an einem anderen wesentlichen Punkt bemerkbar: Thuille schreibt den Cellopart überwiegend in der Bariton- und nicht in der Tenorlage. Das führt normalerweise dazu, dass das Klavier die tiefe Lage klanglich überdeckt. Das ist hier nie der Fall, denn trotz romantischer Klangfülle im Klavier spielt die Pianistin klar und durchsichtig, beinahe ohne Pedal. So kommt der energische, volle Ton des tiefen Cellos gut zur Geltung und Andrea Favalessa kann ihn unbeschwert gestalten, wie er will, ohne forcieren zu müssen.

Sicher hat die Aufnahmetechnik ihren Teil ebenfalls dazu beigetragen (die Aussteuerung der Aufnahme ist perfekt!), aber daran allein liegt es nicht, dass man sich beim Hören ganz allein auf die Entdeckung eines Schatzes mit all seinen Qualitäten konzentrieren kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Richard Strauss und Ludwig Thuille: Sonaten für Violoncello und Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
17.02.2017
EAN:

5028421952383


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Chopin im Kraftraum: Gianluca Imperato hat Glieres Klavier-Hauptwerk, die 25 Preludes op. 30 (1907), eindrucksvoll für Brilliant Classics eingespielt, garniert mit zehn zwischen 1904 und 1955 komponierten Stücken aus anderen Zyklen. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Viel Leichtigkeit: Das Klaviertrio Amsterdam legt eine solide, vor allem auf einen straffen Zugriff hin angelegte Deutung der beiden Klaviertrios von Franz Schubert vor. Bei aller Noblesse und Leichtfüßigkeit kommt das dramatische Element etwas zu kurz. Weiter...
    (Oksana Danych, )
  • Zur Kritik... Melancholie und Versenkung: Die beiden Violoncellosonaten des Symphonikers Nikolai Miaskowsky erfahren durch Luca Magariello und Cecilia Novarino eine gelungene Interpretation. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Elisabeth Deckers:

  • Zur Kritik... Galante Entdeckungen: Es nimmt kein Ende mit den Entdeckungen in den Notenarchiven Italiens des 18. Jahrhunderts. Hier wird wieder ein bislang Unbekannter ans Licht gehoben: Pasquale Pericoli Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Debüt eines Ambitionierten: Leichtfüßig ist Mischa Meyers Spielweise, aber keineswegs oberflächlich. Das Alte (Bach) und das Neue (Zimmermann) reicht sich so über die Jahrhunderte hinweg die Hand. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Der belgische Paganini und das Violoncello: Wie aus zwei Virtuosenkonzerten des 19. Jahrhunderts spannende Musik auf höchstem Niveau wird, das zeigt hier der Cellist Wen-Sinn Yang zusammen mit einem jungen Orchester aus Taiwan. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle Kritiken von Elisabeth Deckers...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Würdigung eines wichtigen Komponisten: Pünktlich zum zehnten Todestag von Günther Becker veröffentlicht das Label Cybele eine Anthologie mit drei SACDs, die sich in Klang und Ton dem 2007 verstorbenen Komponisten und seiner Klaviermusik widmet. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Frisch und gediegen: Johannes Moesus und das Süddeutsche Kammerorchester Pforzheim bereichern die Rosetti-Reihe bei cpo mit einer frischen und musikalisch-dramatischen Umsetzung der Werke. Insgesamt wirkt der Zugang jedoch ein wenig zu gediegen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Die Kraft des Gebets: In dieser Einspielung vereint das Warsaw Philharmonic Orchestra zwei Vertonungen religiöser Texte verschiedener Religionen, die musikalisch völlig unterschiedliche Sprachen sprechen, doch jeweils von einer unglaublichen Ausdrucksintensität geprägt sind. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Winfried Rademacher im Portrait "In jedem Ton schwingt der Mensch mit, der ihn produziert"
Winfried Rademacher sucht als Geiger auch gerne Kostbares auf Nebenwegen

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich