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Freitag, 22. September 2017

Pasquale Pericoli - Cellosonaten

Galante Entdeckungen


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es nimmt kein Ende mit den Entdeckungen in den Notenarchiven Italiens des 18. Jahrhunderts. Hier wird wieder ein bislang Unbekannter ans Licht gehoben: Pasquale Pericoli

Dass Pasquale Pericoli nur fünf Jahre gelebt haben soll, wie es das Plattencover weismachen will (1752-1757), stimmt gottseidank nicht. Wann er aber genau gelebt hat und wo, ist nicht so recht bekannt. Er scheint aus der Gegend um Neapel zu stammen, lebte in der Mitte des 18. Jahrhunderts und taucht vor allem auf im Zusammenhang mit einer Gruppe von italienischen Künstlern, die von 1752 bis 1757 am schwedischen Hof engagiert war – mit dabei übrigens eine Sängerin namens Rosa Scarlatti, eine Nichte des berühmten Alessandro Scarlatti. Pericoli muss also um 1730 geboren sein.

Ansonsten kennt man von Pericoli nur die hier aufgenommenen sechs Cellosonaten. Sie erschienen 1769 in Bologna. Eine der beiden Ausgaben enthält die Widmung an Graf Dietrichstein, ein deutscher Adliger am Habsburger Hof, der für denselben von 1757 bis 1763 als Diplomat in Kopenhagen lebte. Vielleicht stammt die Bekanntschaft der beiden Männer aus dieser Zeit. Ob sich Pericoli 1769 eine Anstellung bei Dietrichstein erhoffte und deshalb die Sonaten dem Grafen widmete, ist reine Spekulation.

Wenden wir uns den Sonaten selbst zu. Sie sind dreisätzig, haben also die barocke Suitenform verlassen. Auch gehören sie eher zum galanten Stil. Das bedeutet, dass in der Cellostimme der melodische Stil vorherrscht, kontrapunktische Momente finden nur vereinzelt statt. Trotzdem sind die Sätze in sich barock zweigeteilt mit der Dominante jeweils am Ende des ersten Teils.

Die Bewertung dieser Aufnahme fällt schwer. Es ist durchaus verdienstvoll, die Archive zu durchforsten und das gefundene aus dem Schatten der Musikgeschichte zu holen. Dabei lassen sich immer noch wahre Schätze finden. Die Sonaten von Pericoli gehören aber nicht unbedingt dazu. Sie sind sehr konventionell gehalten. Und wenn dann noch ein Cellist wie Federico Bracalente – immerhin ein Schüler des wunderbaren Giovanni Sollima – sehr ‚höfisch‘ spielt – will sagen, er versucht nicht unbedingt, die reizvollen Seiten der Musik herauszukitzeln –, dann wird das Ganze auf die Dauer eintönig. Dazu kommt, dass Bracalentes Cello einen engen, wenig variablen Ton hat. Da kann der hervorragende Cembalist Nicola Procaccini noch so engagiert spielen, es will der Funke einfach nicht überspringen. Es bleibt, die Sonaten den Musikhistorikern zu übergeben. Vielleicht finden sie ja noch mehr über Pasquale Pericoli heraus.

Interpretation:
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pasquale Pericoli: Cellosonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
17.02.2017
EAN:

5028421953588


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