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Dienstag, 12. Dezember 2017

Telemann, Georg Philipp - Collection

Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wer diese Kollektion kammermusikalischer und konzertanter Werke Telemanns in Händen hält, darf sich auf eine umfassende Sammlung diverser Gattungen und Besetzungen freuen, die dem Status Unterhaltungsmusik wieder zu Ruhm und Ehre verhelfen.

Während Georg Philipp Telemann zu Lebzeiten als berühmter Komponist auf internationaler Ebene gefeiert wurde, steht er heute im Schatten seines Zeitgenossen Johann Sebastian Bach. Aufgrund seines gewaltigen Werkverzeichnisses, das u.a. etwa 400 Ouvertüren, 1000 Orchestersuiten, 46 Passionen und 1750 Kirchenkantaten umfasst, wurde er gelegentlich etwas verächtlich als Vielschreiber bezeichnet. Dieser nicht sehr schmeichelhafte Begriff impliziert, dass die Werke eines Komponisten, der derartig viel schreibt, kaum von hoher Qualität sein können. Glücklicherweise hat sich der Ruf Telemanns im Laufe der Zeit erneut gewandelt, so dass sich die vorliegende Zusammenstellung von Tafelmusiken, Ouvertüren, Solokonzerten und Quartetten in bester Gesellschaft anderer Telemann-Aufnahmen befindet. Seltener kommt es jedoch vor, dass der Zuhörer sich auf eine Kollektion von nicht weniger als 10 CDs freuen darf, in der ihm jede einzelne ein Tor zu einer neuen Welt öffnet, die von Telemann musikalisch ausgelotet wurde.

Die Reise durch Telemanns Schaffen beginnt mit verschiedenen Tafelmusiken, die der Komponist zu höfischen Banketten oder ähnlichen Anlässen komponierte, um die Veranstaltung zu begleiten und ihr gleichzeitig einen besonders festlichen Charakter zu verleihen. Weiter geht es mit Solokonzerten für diverse Instrumente wie beispielsweise Blockflöte, Oboe, Fagott oder Viola da gamba. Besonders die Blockflötenkonzerte offenbaren sich als wahrer Ohrenschmaus, zumal die Solisten, so z.B. der Leiter des Ensemble Cordevento, Erik Bosgraaf, spieltechnisch sämtliche Register ziehen und in einer derart atemberaubenden Virtuosität mit den Tönen jonglieren, dass dem Zuhörer bei einer Live-Aufführung Hören und Sehen vergehen würde. Ein weiteres Charakteristikum ist die Energie und Lebensfreude, die von den Konzerten ausgeht und sich unweigerlich auf die Stimmung des Zuhörers überträgt. Manche Sätze sind so mitreißend präsentiert, dass man beim Zuhören dazu neigt, sich zu der Musik zu bewegen, so zum Beispiel im e-Moll-Konzert für Blockflöte und Querflöte oder im F-Dur-Konzert für Blockflöte und Fagott - eine Kombination, die nicht nur klangfarblich eine besondere Wirkung hinterlässt.

Programmatische Musik mit bildreicher Sprache

Zu den besonderen Highlights der Kollektion gehören die programmatischen Ouvertüren, z.B. jene, die sich mit den Abenteuern Don Quijotes beschäftigt, sowie die 'Völker-Ouvertüre', in der verschiedene Länder musikalisch charakterisiert werden, oder die 'Alster-Ouvertüre', in der in einem Satz sogar die Frösche und Krähen konzertierend zu Wort kommen. Der Humor steht in diesen Ouvertüren an oberster Stelle, die Musik scheint vor Witz nur so zu sprühen und die Spielfreude strömt den Instrumentalisten - besonders in der 'Don Quijote'-Ouvertüre - sprichwörtlich aus allen Poren. Das Collegium Instrumentale Brugense unter der Leitung von Patrick Peire zeigt mit ungetrübter Leichtigkeit und erfrischender musikalischer Ausdrucksvielfalt, was aus diesen Stücken herausgeholt werden kann.

Ernsthaftigkeit ohne Schwermut

Den Abschluss der bei Brilliant Classics erschienenen Telemann-Kollektion bildet das 1722 komponierte Passionsoratorium 'Seliges Erwägen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi'. Mit diesem Werk stellt Telemann unter Beweis, dass er trotz des Schwerpunkts auf der Unterhaltungsmusik nicht nur leichte, unbeschwerte Musik komponiert, sondern auch auf dem Gebiet der Passionsmusik tätig gewesen ist. Eine Besonderheit liegt darin, dass bei Telemann neben den in der Leidensgeschichte Jesu beteiligten Personen auch zwei allegorische Figuren auftauchen, der Glaube und die Andacht, die in neun Betrachtungen über das Geschehen und seine Bedeutung sinnieren. Dem Freiburger Vokalensemble und dem Kammerorchester L’Arpa Festante München gelingt unter der Leitung von Wolfgang Schäfer eine überzeugende Darbietung. Bemerkenswert ist sowohl der hochemotionale, mitreißende Gesangsstil der Solisten (Barbara Locher, Zeger Vandersteene, Stefan Dörr, Berthold Possemeyer und Johan-René Schmidt) als auch das stets klare, transparente Spiel der Instrumentalisten, die verschiedenste Stimmungen der beteiligten Personen gekonnt einfangen. Rein kompositorisch fällt darüber hinaus auf, dass Telemanns Musik trotz des ernsten Themas nie ins Schwermütige abdriftet, sondern auch bei dunkleren Klangfarben ihre charakteristische Leichtigkeit behält, die den Zuhörer gelegentlich sogar vergessen lässt, dass von Leiden und Sterben die Rede ist. In dieser Hinsicht komponierte Telemann das Werk zwar unter völlig anderen Voraussetzungen als beispielsweise Johann Sebastian Bach, leistete aber gerade deswegen einen wichtigen und hörenswerten Beitrag zur Entwicklung der Gattung der Passion.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Collection

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
10
27.01.2017
EAN:

5028421954400


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