> > > Schoenberg, Arnold: Kammersinfonien (Fassungen für zwei Klaviere bzw. Klavier vierhändig)
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Schoenberg, Arnold - Kammersinfonien (Fassungen für zwei Klaviere bzw. Klavier vierhändig)

Transkription abseits des Üblichen


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die beiden Pianisten Matteo Fossi und Marco Gaggini zeigen Berg, Schönberg und Webern als meisterhafte Bearbeiter. Die Transkriptionen sind nicht Selbstzweck, sondern kluge und vollgültige Varianten des Originals.

Klaviertranskriptionen bzw. Bearbeitungen für Klavier erfreuen sich großer Beliebtheit. Zumeist sind es Orchesterwerke der Romantik, denen sich die Bearbeiter zuwenden. Ballette scheinen dem Klavier besonders entgegenzukommen: Tschaikowskys Ballette (Kodama-Duo), Debussys 'Jeux' und Strawinskys 'Sacre du Printemps' (Jean-Efflam Bavouzet, François-Frédéric Guy) wurden bereits (mehrfach) eingespielt, von virtuosen Show-Piecen gar nicht zu reden ('Hummelflug', 'Erlkönig' etc.).

Die Pianisten Matteo Fossi und Marco Gaggini bewegen sich mit ihren Einspielungen abseits des üblichen Transkriptionsrepertoires. Bisher hatten sie sich auf Brahms konzentriert und alle vier Symphonien eingespielt. Für Brillant Classics haben sie nun wieder ein ungewöhnliches Repertoire ausgewählt: die beiden Kammersymphonien Schönbergs sowie seine 'Fünf Stücke' für Orchester op. 16, sämtliche in Originalbearbeitungen von Berg, Schönberg und Webern. Sie beweisen, dass die Klavierversionen dieser Werke nicht bloß ein Notbehelf sind, sondern eigenständigen Wert besitzen und eine vollwertige künstlerische Darbietung ermöglichen. Freilich, wer die farbenreiche Instrumentierung Schönbergs im Ohr hat, wird sich zunächst einhören müssen. Besondere Klangeffekte wie die gedämpfte Bass-Posaune im ersten der fünf Stücke 'Vorgefühle' gehen verloren. Im Gegenzug stellt sich eine neue Transparenz des musikalischen Satzes ein, die der Eigenart des Klaviers geschuldet ist, das nur sehr begrenzt in der Lage ist, ‚unklare‘, weiche, gleichsam konturlose Klänge zu erzeugen. Das dritte Stück 'Farben' wird vom Klavierklang völlig transformiert. Es wirkt auf dem Klavier monotoner und hypnotischer durch die stärkere rhythmische Präsenz der einzelnen Anschläge. Bei den langen Haltetönen der Bläser behelfen sich Fossi und Gaggini mit dezentem Wiederanschlagen der Töne.

Besonders kritisch sind orchestrale Klanghöhepunkte, da sie in der Klaviertranskription aufgrund des monochromen Klanges schnell ermüdend wirken. In diesen Werken resultieren derartige Höhepunkt meist aus der Verdichtung der polyphonen Struktur, die von den Klavierversionen erstaunlich gut wiedergegeben werden, sodass sie auch am Klavier ihre Wirkung entfalten. Überhaupt klingen die Bearbeitungen stellenweise erstaunlich pianistisch.

Empfindliche Hörer werden sich womöglich an gelegentlichen Dämpfergeräuschen stören. Man meint, mit dem Kopf unmittelbar über den Saiten zu schweben, so genau sind die Nebengeräusche jedes einzelnen Pedalwechsels zu hören. Dass diese eigentlich unauffälligen Dämpfergeräusche jedoch so deutlich wahrgenommen werden (können), zeugt davon, dass die beiden Pianisten den Hörer in ihren Bann zu ziehen vermögen; ernsthaft beeinträchtigt wird die Wiedergabe dadurch nicht.

Marco Gaggini zeichnet für den aufschlussreichen Booklet-Text verantwortlich, der nicht nur auf die jeweiligen Werke, sondern auch detailliert auf die Bearbeitungen eingeht. Leider ist er nur auf Englisch und Italienisch abgedruckt. Zum Wiederentdecken, Studieren und Kennenlernen der enthaltenen Werke ist die CD unbedingt zu empfehlen. Eine besondere Vorliebe für den Klavierklang ist unabdingbar, wenn man sich dieser Aufnahme nähert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schoenberg, Arnold: Kammersinfonien (Fassungen für zwei Klaviere bzw. Klavier vierhändig)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
17.02.2017
EAN:

5028421949574


Cover vergössern

Schönberg, Arnold


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Von Sebastian Rose zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Tschaikowsky für Klavierduo: Die Schwestern Mari und Momo Kodama haben Auszüge aus den drei Balletten Tschaikowskys aufgenommen, für Klavierduo bearbeitet von Rachmaninow, Arensky und Debussy. Der Funke will dabei nicht recht überspringen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, 28.12.2016)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Unter der Sonne Italiens: Die Kammermusik Mario Pilatis ist von melodischer Unbefangenheit und steht in vollem Saft. Dass sie so lebendig wirkt, ist das Verdienst der drei Italinier, die für eine temperamentvolle Wiedergabe sorgen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Grand Tour andersherum: Anna Clemente und Susanna Piolanti wechseln den Blickwinkel, den Burney normalerweise einnimmt und nehmen sich seiner Musik an. Die Duowerke, gespielt auf einem Tafelklavier, sind allerdings nicht das Spannendste, was die Musik der Zeit zu bieten hat. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Händel in Italien: Italienisches von Händel: Da kann unter anderem das Ensemble Contrasto Armonico glänzen, die Gesangssolisten allerdings lassen auch manche Wünsche offen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Sebastian Rose:

  • Zur Kritik... Pergolesi auf dem Klavier: Es gibt Stimmen, die behaupten, man könne Musik jeglicher Besetzung auf dem Klavier wiedergeben. Es fragt sich jedoch, ob man das auch aufnehmen muss. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Ein französisches Kleinod: Die CD hat mehr zu bieten als impressionistisch angehauchte Klavierstücke à la Debussy, die das Cover assoziieren lässt. Joel Hastings stellt einen vielseitigen und originellen Komponisten vor. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Auf mystischen Pfaden: Hinter dem poetischen Cover verbirgt sich eine klug durchdachte und überzeugende Zusammenstellung, deren metaphysische Implikationen man jedoch getrost beiseite lassen kann. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
blättern

Alle Kritiken von Sebastian Rose...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Bach privat: Andreas Staier hat mit seinen ganz offenkundig begeisterten, jedenfalls begeisternden Mitstreitern einen stimmigen Versuch gewagt: Das mag Bach und seine Familie, seine Freunde und Schüler musikalisch beschäftigt und delektiert haben. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Beethoven für Millennium Snowflakes: Nun also Lars Vogt im New Millennium Look, zusammen mit der Royal Northern Sinfonia aus Sage, Großbritannien. Das Orchester dirigiert er gleich selbst. Irgendwie selbstverständlich in unseren DIY-Zeiten. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Ein Weihnachtsoratorium: Das Engagement der Ensembles und des Dirigenten für dieses noch immer selten gespielte Weihnachtsoratorium von Graun ist hocherfreulich und verdienstvoll. Vermutlich wird nichts Kanonisches ersetzt. Eine lohnende Alternative ist es dennoch. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (10/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Edvard Grieg: op. 48, Sechs Lieder - Zur Rosenzeit

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Ensemble Armoniosa im Portrait "Unser Ensemble ist geprägt von wirklicher Harmonie"
Das Ensemble Armoniosa über seine neue CD, Historische Aufführungspraxis, gemeinsame Essen, selbstgebaute Instrumente und Musik im Internet.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich