> > > Scheidemann, Heinrich: Orgelwerke
Freitag, 24. Februar 2017

Scheidemann, Heinrich - Orgelwerke

Finale


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Orgelmusik von Heinrich Scheidemann am Ende einer langen Reihe. Friedhelm Flamme hat sich einen beeindruckenden stilkundlichen Schatz erspielt. Glückwunsch an den Interpreten und das Label cpo: eine reife Leistung.

Nun steht das Finale der cpo-Reihe zum norddeutschen Orgelbarock an: Auf der 15. und letzten Folge sind Werke von Heinrich Scheidemann (ca. 1595-1663) zu hören, einer der prägenden Größen im musikalischen Hamburg des 17. Jahrhunderts. Scheidemann war – wie so viele seiner hochbegabten Zeitgenossen – in jungen Jahren Sweelinck-Schüler, war später selbst prägender Lehrer, mit Johann Adam Reincken als vermutlich berühmtestem Schüler; ein Lehrer-Schüler-Verhältnis zu Dietrich Buxtehude lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Reincken avancierte übrigens, darin ganz der Sitte jener Zeit und Region entsprechend, zum Schwiegersohn Scheidemanns, bevor er dessen Nachfolge an der Hamburger Katharinenkirche antreten konnte.

Friedhelm Flamme hat für diese Platte ein Programm aus freien Präludien, choralbasierten Werken und fantasievoller ausgreifenden Stücken zusammengestellt: Als Praeambulum oder Praeludium werden gedrängte, konzentrierte Sätze bezeichnet, die von Ernst und repräsentativer Strenge gekennzeichnet sind, klar dem Ziel verpflichtet, Instrument und Spieler in kurzer Zeit ideale Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten – was gelingt. Die choralbasierten Werke folgen dezidierten Gedanken, in klaren Gestalten; auch hier wirkt der Satz erstaunlich streng und nicht vordergründig explorativ, etwa im Vergleich zu manchen Zeitgenossen, die sich chorale Vorbilder mit überschießender Fantasie zu eigen machten. Schließlich die unter Fantasia oder Toccata firmierenden freien Sätze: Hier schreibt Scheidemann ausgedehnter, in gegliederter Anlage, in größerer Vielfalt von Techniken und Gedanken, mit schöner Invention.

Kundig

Friedhelm Flamme spielt dieses Programm auf der Fritzsche-Treutmann-Orgel der Schlosskirche St. Levin zu Harbke bei Helmstedt, einem Instrument, dessen klingende Basis bis in die 1620er Jahre zurückreicht, das 1727/28 von Christoph Treutmann neu errichtet und nach vielen Irrungen und Wirrungen 2007 von Dutschke und Wegscheider in einen Zustand versetzt wurde, der dem ursprünglichen nahekommt – eine an Problemen reiche Geschichte mit guten Ende, wie bei so vielen anderen Instrumenten, die in dieser Reihe erklungen sind. Der Klang der Orgel ist reich an Farben, an plastischen Einzelstimmen voller Charakter, die sich zu einem reich substantiierten Plenum fügen, das angesichts der überschaubaren Dimensionen des Instruments erstaunliche Wirkungen entfaltet. Letzteres sicher auch im Zusammenspiel mit der geglückten technischen Realisierung, die das vielfarbige Spektrum denkbar klar und plastisch abbildet.

Flamme zeigt sich auch auf dieser finalen Platte stupend in der Klarheit seines Spiels, ist ungemein beweglich, dem Instrument wie der Musik geradezu gestische Qualitäten entlockend. Zugleich erweist er sich wiederum als Registrator von hohen Graden und damit als kongenialer Partner des historischen Instruments: Auf dieser Ebene deutet Flamme ganz entschieden mit.

Es ist dies ein wunderbares Finale der 15teiligen Reihe – im Booklet übrigens wie stets mit den detaillierten Registrierungen, die einzelne Register sicher erfahrbar werden lassen und das Hören zu einer besonderen Freude machen. Einzig die in der Außenperspektive erratisch wirkende Veröffentlichungspolitik mutet seltsam an: Die Aufnahmen der vorliegenden Platte sind bereits 2009 entstanden, auch andere Platten wurden in größeren Abständen zu ihren Aufnahmedaten publiziert. Insgesamt aber ist eine vorbildliche Editionsarbeit zum norddeutschen Orgelbarock zu konstatieren, mit vielen selten zu hörenden Stimmen abseits der ersten Reihe. Friedhelm Flamme hat sich einen beeindruckenden stilkundlichen Schatz erspielt. Glückwunsch an den Interpreten und das Label cpo: eine reife Leistung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Scheidemann, Heinrich: Orgelwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
09.12.2016
EAN:

761203756223


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Scheidemann, Heinrich


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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