> > > Oberon Celebrates Shakespeare: Werke von Mendelssohn, Bray und Beethoven
Freitag, 18. August 2017

Oberon Celebrates Shakespeare - Werke von Mendelssohn, Bray und Beethoven

Gut gebrüllt, Löwe!


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieses Zitat aus William Shakespeares 'Sommernachtstraum' könnte treffender nicht sein: Das Oberon Trio feiert Geburtstag und macht zu diesem Anlass sich selbst und seinem Publikum ein Geschenk.

Fast scheint es mehr als ein bloßer Zufall zu sein, dass im Jahr 2016 zwei miteinander verknüpfte Jubiläen aufeinandertrafen: Als die Welt des 400. Todestages von William Shakespeare gedachte, feierte das Oberon Trio seinen zehnten Geburtstag. Grund genug für die drei Musiker, ihre zweite CD dem großen Poeten zu widmen, der von Anfang an auch als Inspirationsquelle für das Ensemble diente, wie der Name (ein Verweis auf den gleichnamigen Elfenkönigs aus 'Ein Sommernachtstraum') beweist. Das daraus entstandene Geburtstagsprogramm ist nicht nur eine Hommage an den Dichter. Es soll gleichzeitig zeigen, wie vielfältig das Repertoire des Ensembles aufgestellt ist, legt das Ensemble doch viel Wert darauf, Werke der älteren Musikgeschichte neben zeitgenössische Kompositionen zu stellen. Die bei CAvi-music erschienene CD ‚Oberon celebrates Shakespear‘ ist ebenso eine Rückbesinnung auf die musikalischen Wurzeln des Trios wie auch ein Ausblick auf sein zukünftiges Schaffen. 

Shakespears weltberühmte Komödie 'Ein Sommernachtstraum' bildet den inhaltlichen Dreh- und Angelpunkt der Aufnahme. Als sich Henja Semmler (Violine), Antoaneta Emanuilova (Cello) und Jonathan Aner (Klavier) 2006 als Trio zusammenfanden, geschah dies in erster Linie, um Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) zu spielen. Folgerichtig umrahmen zwei Werke Mendelssohns diese Veröffentlichung, zwischen denen sich die vielbeschworene Sommernacht erst so richtig entfalten kann. Sich selbst beschenkt das Oberon Trio in Zusammenarbeit mit Mansoor Hosseini mit einem Arrangement von Mendelssohns 'Sommernachtstraum'-Scherzo aus der gleichnamigen Schauspielmusik für Klaviertrio. Dieses Werk führt das Ensemble stolz als eine Art musikalische Visitenkarte und es hat auch allen Grund dazu. Neugierig, innig und tief in die Musik versunken bringen die Musiker das bekannte Scherzo in einem ganz neuen Gewand zum Strahlen.

Mendelssohn schrieb sein Klaviertrio Nr. 2 in c-Moll op. 66 im Sommer 1845, nicht lange nachdem seine Musik zum 'Sommernachtstraum' fertiggestellt hatte. Vielleicht sind sich das Scherzo des Klaviertrios und das 'Sommernachtstraum'-Scherzo musikalisch deshalb so ähnlich; jedenfalls sind viele Parallelen hörbar, die das Oberon Trio wunderbar herausarbeitet. In einem wilden Ritt legt das Klavier ein beeindruckendes Tempo vor, bei dem die Streicher durchaus mithalten können. Das Ensemble setzt in seiner Interpretation genau die richtigen Akzente, um den Satz zu strukturieren und lässt den Spannungsbogen trotz aller Aufgeregtheit nicht fallen. Auch im 'Allegro' glänzen sie mit einer gekonnten Phrasierung der Themen, hinzu kommt noch eine wunderschöne und wohl durchdachte Dynamik, die den Zauber der Musik hörbar werden lässt. In einem Moment klingen Violine und Cello beinahe bis zum Verstummen aus, nur um sich dann langsam aber sicher wieder in den Mittelpunkt des Geschehens zu spielen. Hier ist das flüssige Zusammenspiel und der ständige Führungswechsel zwischen den Instrumenten von besonderer Bedeutung. Trotz der kräftigen Bogenführung ist auch das Klavier immer präsent und muss sich nie unnötig behaupten. Schön ist vor allem, dass die Themen trotz aller Wiederholungen nie zum Selbstläufer werden, sondern jedes Mal mit neuer Energie und frischem Ansatz angegangen werden.

Ludwig van Beethovens Klaviertrio Nr. 5 D-Dur op. 70 hat dank einem seiner Schüler den Beinamen ‚Geistertrio‘ bekommen, denn besagtem Schüler erschien im langsamen Satz der Geist aus Hamlet vor seinem inneren Auge – womit wir wieder bei Shakespeare wären. Markant ist jedoch schon der Einstieg des Trios im ersten Satz 'Allegro vivace'. Die drei Musiker wählen eine durchschlagende Eröffnung und zeigen ein äußerst kontrastreiches Spiel. Hier zeichnet sich auch schon einer der wenigen schwachen Momente dieses Albums ab: So einfühlsam und facettenreich das Ensemble Mendelssohn wiedergibt, so wuchtig interpretieren sie stellenweise die Musik Beethovens. Nichts spricht gerade in diesem Werk gegen ein energetisches Spiel, doch gerade die Streicher tragen in den Steigerungen zu dick auf und üben einen forschen Bogendruck, der nicht so recht zum Rest passen will. Trotz allem weicht das Klavier, der heimliche Star des Werkes, nicht von seiner weichen, fließenden Linie ab. Daher sind im ersten Satz vor allem die Momente einnehmend, in denen sich alle drei Instrumente im innigen Legato finden. Im berühmten zweiten Satz, dem 'Largo assai ed espressivo' sorgen die wabernden Trillereffekte des Klaviers für die berüchtigte geisterhafte Atmosphäre. Diese düster dräuende Stimmung wird vom Ensemble perfekt eingefangen, vor allem da die Kontraste in Dynamik und Tempo nicht so übertrieben herausgestellt werden wie noch im ersten Satz.

Zuletzt beeindruckt das Oberon Trio auf seinem neuen Album mit einem Auftragswerk, das sein Engagement für zeitgenössische Musik herausstellt. Die britische Komponistin Charlotte Bray (*1982) orientierte sich in ihrer Fantasie 'That crazed smile' an der traumhaften Welt von Oberons Reich. In einem freitonalen impressionistischen Raum beschwört die Musik eine Mondnacht herauf, in der sich die Feen versammeln um Liebende mit Träumen zu beschenken. Unbeschwert und mit viel Fingerspitzengefühl erkunden die Musiker das musikalische Gebilde, wobei besonders der Kontrast zwischen tänzerischen Momenten und expressiv gesteigerten Tönen in Erinnerung bleibt.

Mit ‚Oberon celebrates Shakespeare‘ beweist das Oberon Trio, dass es seinen Namen zu recht trägt: Freude am Spiel, Kreativität, aber auch Wandelbarkeit werden immer wieder hörbar. Zu seinen herausragenden Leistungen gehören durchdachte Interpretationen, in denen die Musiker jede Betonung und dynamische Verschiebung dosiert einsetzen. In Beethovens Klaviertrio Nr. 5 täten die Streicher gut daran, sich mehr am Klavier zu orientieren, denn sie sind besonders in den beiden Ecksätzen etwas zu bemüht. Doch das ist auch die einzige Schwäche dieses sonst zauberhaften Albums. ‚Der Rest ist Schweigen.‘ (William Shakespeare)

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Oberon Celebrates Shakespeare: Werke von Mendelssohn, Bray und Beethoven

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
1
25.11.2016
EAN:

4260085533671


Cover vergössern

Beethoven, Ludwig van
Mendelssohn Bartholdy, Felix


Cover vergössern

CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag CAvi-music:

  • Zur Kritik... Spannende Erzählung: Was macht eigentlich die Faszination der Fuge aus? Dieser Frage geht das Armida Quartett auf seiner neuesten Einspielung 'Fuga Magna' nach und skizziert dabei einen spannenden Querschnitt über drei Jahrhunderte Fugengeschichte. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Spannungsvolle Virtuosität: Mit zwei klanggewaltigen und ausdrucksvoll präsentierten Bläserquintetten von Nielsen und Prokofjew kombiniert der Live-Mitschnitt des Heimbacher Kammermusikfestivals 2016 Virtuosität, Leidenschaft und Spielfreude auf musikalisch hohem Niveau. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Schein und Wahrheit: Diese Aufnahme macht mit frühen Werken von Mátyás Seiber bekannt, die noch in Ungarn entstanden sind. Sie sind von inspiriertem Geist erfüllt, kurzweilig und dicht. Nur leider hört das Vergnügen schon viel zu bald wieder auf. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von CAvi-music...

Weitere CD-Besprechungen von Maxi Einenkel:

  • Zur Kritik... Zuverlässige Exzellenz: Erneut überzeugt das Ensemble Le Nuove Musiche mit seiner Monteverdi-Deutung auf ganzer Linie. Diesmal geht es zurück zu den Anfängen mit den Madrigalbüchern I und II. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
  • Zur Kritik... Des Meisters (fast) würdig: Das Tonkünstler Orchester stellte erstmals in seiner Geschichte eine ganze Spielzeit unter ein Motto, den 'Kosmos Bernstein'. Auf seiner Tribute-CD fasst das Orchester vier große Werke von Leonard Bernstein zusammen - mit frischem Ansatz. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
  • Zur Kritik... Große Kunst bei gedämpfter Feierlaune: Auf ihrer dritten gemeinsamen CD zeigen sich Bettina Smith und Einar Rottingen als Meister des französischen Kunstliedes. Das Ergebnis ist bei aller Schönheit allerdings etwas einfarbig. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
blättern

Alle Kritiken von Maxi Einenkel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Rauschhaft und vielfarbig: Eine wunderbare Hommage an Skrjabin gelingt Maria Lettberg mit ihrer neuen CD, in der sie mit Fokus auf das musikalische Davor und Danach Skrjabin impressionistische Meisterwerk "Poéme de l´extase" umso wirkungsvoller in Szene setzt Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Italienisches Mittelalter aus dem Schwarzwald: Dieser Mitschnitt von Rossinis selten zu hörender 'Adelaide di Borgogna' zeigt eine weitgehend untadelige Umsetzung, ohne aber ein flammendes Plädoyer für diese Ritteroper zu bieten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Land der 1000 Klänge: 100 Jahre Finnland, 100 Jahre Musik: Diese Kompilation bietet einen klugen Einstieg in weite nordische Klangwälder. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (2/2017) herunterladen (0 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (7/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Max Reger: Sieben Orgelstücke op. 145 - Trauerorde 'Dem Gedenken der im Kriege 1915/16 Gefallenen'

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich