> > > Gabrieli, Andrea: The Madrigal in Venice: Politics, Dialogues and Pastorales
Montag, 6. Dezember 2021

Gabrieli, Andrea - The Madrigal in Venice: Politics, Dialogues and Pastorales

Repräsentieren auf Venezianisch


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Venedig: beliebtes Urlaubsziel für Wasserratten und Liebhaber des Maskenballs. Die Stadt, die heute von Tauben und Touristen überschwemmt wird, hatte aber schon immer ihren Reiz und war gerade im 16. Jahrhundert von gesellschaftlicher Bedeutung. Vor allem für die Musik spielte Venedig eine wichtige Rolle. Sie war ein wichtiges Mittel, um der Republik ein Gesicht zu geben. Viele Komponisten, nicht nur an der berühmten Kapelle San Marco, fanden hier Lohn und Brot, einige auch schon zu Lebzeiten Ruhm. Zu ihnen gehört Andrea Gabrieli, der Onkel vom berühmteren Giovanni. Andrea Gabrieli ging beim Altmeister des Madrigals Adrian Willaert in die Schule und konnte so der damals wichtigsten weltlichen Gattung neue Impulse geben.

Das Gesangsensemble ‘I Fagiolini’ und das ‘English Cornett and Sackbut Ensemble’ haben eine Auswahl seiner weltlichen Vokalwerke getroffen, um Andrea Gabrielis Schaffen angemessen zu würdigen und zu einer Neubewertung seines Oeuvres beizutragen. Da die Aufnahme insgesamt gelungen ist, kann sie durchaus helfen, Andrea aus dem Schatten seines prominenteren Neffen heraustreten zu lassen. Wobei auch Werke von Giovanni dabei sind. Die Ausführenden verweisen auf die engen Beziehungen zwischen den beiden, die sich in gemeinsam veröffentlichten Sammlungen manifestiert, geben aber ehrlicherweise auch den wahren Grund an: dass es nämlich, ‘da wir einmal für Andrea Gabrielis ‘O passi sparsi’ ein vergrößertes Ensemble versammelt hatten, einem Verbrechen gleichgekommen wäre, die Möglichkeit nicht zu nutzen, auch in den Genuss von Giovannis ‘Sacri die Giove augei’ für die gleiche instrumentale Besetzung zu kommen.’ Das ist mehr als in Ordnung. Die Zusammenstellung und Dramaturgie der Werke lässt keine Wünsche offen.

Die ‘I Fagiolini’, alle sind Abgänger der Oxford University, sind kräftig, können aber auch ein zartes und glattes Piano hervorbringen, wie beim Trauergesang auf den Tod von Adrian Willaer oder den pastoralen Liebesgesängen von Petrarca. Besonders blüht das Ensemble jedoch bei den üppig besetzten Madrigalen auf, die zu repräsentativen Zwecken komponiert wurden. Dabei werden sie von Kornetten und Posaunen blaskräftig unterstützt. Überbordernde Melodiebögen, die virtuos von Stimme zu Stimme wandern, überraschende Echos und unvermittelt aus der Partitur heraustretende Einzelstimmen machen die Gebrauchsmusik zu kleinen Kunstwerken, die mit Liebe zum Detail eingesungen wurden. Dafür steht ‘Asia felice’ als Beispiel, aber auch als Höhepunkt der Gesamt-CD. Leider können die kernigen Einzelstimmen nicht durchgehend zu einem homogenen Ensembleklang verschmelzen.
Vier instrumentale Stücke lockern die Madrigalfolge auf. Hier zeigt sich das ‘Englisch Cornett und Sackbut Ensemble’ ebenso wie ihre Sängerkollegen außerordentlich musikalisch. Die Phrasen sind sauber zusammen abgeblasen und es ist erstaunlich, welch intonatorische Reinheit das Ensemble mit den alten Instrumenten zustande bringt. Dazu gesellt sich eine ausgesprochen lebendige Gestaltung der sowohl begleitenden als auch rein instrumentalen Texturen.

Das Booklet ist so dick, dass es kaum in die Plastikhülle passt. Aber englisch muss man können. Den lesenwerten Einführungstext gibt es zwar auch in einer deutschen Übersetzung. Die Gedichte, die den Madrigalen zugrunde liegen, sind allerdings nur auf italienisch und englisch abgedruckt. Bedauerlich, denn gerade in der Lyrik spiegeln sich Zeit- und ‘Ortgeist’ des venezianischen Madrigals wider. Die damals bekannten Kontinente Asien, Afrika und Europa standen für die ganze Welt, ‘Lang lebe der große Karl’ sang man anlässlich des Besuches von Erzherzog Karl von Graz im Jahre 1569 und dem Klagegesang zum Tode Willaerts durfte ein schrulliger Text von Antonio Molino zugrunde liegen. Letzte gesungene Worte sind Lobesverse auf die deutsche Mäzenatenfamilie der Fuggerer, die die Kunst seinerzeit finanzkräftig unterstützten. Der Kommentar der Ausführenden dazu: ‘Schade, dass es heute nicht mehr ihresgleichen gibt.’ Wie wahr, wie wahr.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Susanne Banhidai,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gabrieli, Andrea: The Madrigal in Venice: Politics, Dialogues and Pastorales

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Chandos
1
16.06.2003
77:23
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0095115069721
CHAN 0697


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Gabrieli, Andrea


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Dirigent(en):Hollingworth, Robert
Interpret(en):The English Cornett and Sackbut Ensemble,
I Fagiolini,


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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