> > > Knüpfer, Sebastian: Kantaten
Dienstag, 19. Juni 2018

Knüpfer, Sebastian - Kantaten

Größe


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wieder einmal setzt Manfred Cordes in interessantem Repertoire Achtungszeichen. Weser-Renaissance Bremen ist eins der unverzichtbaren Projekte für die Praxis Alter Musik. Und Manfred Cordes ist der unermüdliche Motor.

Sebastian Knüpfer (1633-1676), seit 1657 Thomaskantor in Leipzig, ist eine der eminenten Größen – mit Michael, Rosenmüller, Weckmann, Bernhard, Schelle, Kuhnau und anderen –, die man in der Vergangenheit auf dem Weg von Schütz, Schein und Scheidt hin zum vermeintlichen Zielpunkt barocker Musikentwicklung, Johann Sebastian Bach, entweder zu übergehen oder geflissentlich als randständige Phänomene geringer zu achten geneigt war. Vielen dieser Künstler widerfährt inzwischen größere Gerechtigkeit; nicht alle sind diskografisch schon wieder ganz in ihre Rechte eingesetzt.

Deshalb ist die aktuelle Veröffentlichung, die Manfred Cordes mit seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen vorgelegt hat, so erfreulich: Drei Kantaten, zwei Psalmkonzerte und eine Kyrie-Gloria-Messe von Knüpfer, sämtlich auf lateinische Texte. Wobei die formale Vielfalt eher eine scheinbare ist: Man sollte keine Kantaten spätbarocken Zuschnitts erwarten, alle Kompositionen einschließlich der Messe haben eine große Nähe zum Geistlichen Konzert jener Zeit, mit dem steten Wechsel von solistischen und Ensemblepassagen, von intimen Gesten und großen, mehrchörig gesetzten Abschnitten – vokal und instrumental gleichermaßen farbig ausgestattet. Knüpfer bewegt sich deutlich auf dem kompositorischen Niveau seiner herausragenden Zeitgenossen, setzt rhythmisch komplex, mit klarem Affektempfinden, dazu mit einem ausgeprägten Sinn für durchaus füllige, allerdings farbig reich schattierte Klangwirkungen.

Echte Könner

Diese kostbare Musik ist bei Manfred Cordes, seinen Vokalisten und Instrumentalisten in den besten Händen. Zu erleben sind großartige Stilisten, hochversiert und erfahren: Vokal sind es die Soprane Cecile Kempenaers, Julla von Landsberg, Marie Luise Werneburg und Karin Gyllenhammar, die beiden Altisten David Erler und Marnix de Cat, die Tenöre Charles Daniels, Hans Jörg Mammel und Mirko Ludwig, dazu die Bässe Kees Jan de Koning und Harry van der Kamp – also ein Großteil des famosen Gesualdo Consorts, ergänzt um weitere außergewöhnliche Könner. Diese Formation entfaltet ganz selbstverständlich einen eleganten Klang, in schmaler ebenso wie in größerer Formation. Vor allem nimmt die Plastizität der griffig registrierten Wechsel für die Präsentation ein: Im Plenum wird auch kernig zugelangt, dann quasi mit kammerchorischer Geste. Basis ist jedoch hochdifferenziertes dynamisches Tableau in den stillen Sphären. Intoniert wird im Zusammenwirken mit den Instrumenten mühelos, artikulatorisch wird alles ausgekostet, was Knüpfer an Möglichkeiten bietet: Feine, nie süßliche Lyrismen sind zu hören, dazu viel kleinteilige Bewegung in komplizierten Rhythmen und bemerkenswert eigenständigen, kaum je floskelhaften Stimmführungen.

Auch instrumental ist die Besetzung beeindruckend, vor allem reich an Farben, mit je drei Zinken und Posaunen, fünf Trompeten und Pauke, Streichern einschließlich dreier Gamben, dazu Dulzian, Chitarrone und Orgel. Das ermöglicht bemerkenswert variantenreiche Besetzungen voller charmanter Eigenarten. Veritable Leistungen von solistischem Potenzial versammelt Manfred Cordes zu einem flirrenden Ganzen, in der beschließenden Kantate 'Surgite populi' bis zur 26-Stimmigkeit geweitet. Das Klangbild ist angesichts dieser teils ausgreifenden Besetzungen erfreulich präzis und bemerkenswert strukturklar, in überzeugend organisierter Balance der eigenständigen Instrumentalklänge.

Wieder einmal setzt Manfred Cordes in interessantem Repertoire Achtungszeichen. Weser-Renaissance Bremen ist eins der unverzichtbaren Projekte für die Praxis Alter Musik. Und Manfred Cordes ist der unermüdliche Motor.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Knüpfer, Sebastian: Kantaten

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
71:02
EAN:
BestellNr.:

761203788422
777 884-2


Cover vergössern

Knüpfer, Sebastian
 - Veni Sancte Spiritus à 25 - Kantate für fünfstimmigen Favorit- und fünfstimmigen Kapellchor, 4 Trompeten, Pauke, 2 Zinken, 3 Posaunen, Streicherensemble, Fagott und Continuo
 - Super flumuna Babylonis à 19 - Psalmkonzert für vierstimmigen Favorit- und vierstimmigen Kapellchor, 2 Zinken, 3 Posaunen, Streicherensemble, Fagott und Continuo
 - Kyrie cum Gloria à 14 - Kurzmesse für 6 Vokalsolisten, achtstimmiges Streicherensemble und Contiuno
 - Quare fremerunt gentes à 19 - Psalmkonzert für sechstimmigen Favorit- und vierstimmigen Kapellchor, 2 Zinken, 3 Posaunen, Streicherensemble, Fagott und Continuo
 - O benignissime Jesu à 10 - Kantate für dreistimmigen Favorit- und vierstimmigen Kapellchor, 2 Violinen, Viola da gamba und Continuo
 - Surgite populi à 26 - Kantate für vierstimmigen Favorit- und vierstimmigen Kapellchor, 5 Trompeten, Pauke, 3 Zinken, 3 Posaunen, Streicherensemble, Fagott und Continuo


Cover vergössern

Dirigent(en):Cordes, Manfred


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Heikle Tiefen: Ein anregendes, hervorragend vokal aufgeführtes Holliger-Programm. Vom hohen Anspruch sollte man sich nicht abschrecken lassen – man wird reich belohnt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Spannungen: Biber und Piazzolla werden vielleicht kein Traumpaar für die Ewigkeit, doch für den wunderbaren Moment dieser Platte der hervorragenden Lautten Compagney sind sie es. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Altus-Freuden: Für den jungen Altus Benno Schachtner ist diese Händel-Platte nach dem formidablen Album ‚Clear or Cloudy‘ vom vergangenen Herbst ein neuerliches diskografisches Schmuckstück. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Archetypen: Frauentypen in Barockarien, hervorragend interpretiert von Mary-Ellen Nesi. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Das Pianistische überwinden: Mihai Ritivoiu stellt sich mit seinem klug ausgewählten Programm als interessanter Musiker vor, dem die Gefahren pianistischer Selbstgefälligkeit sehr wohl bewusst sind. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Gesang der Instrumente: Tomás Netopil und das Prague Symphony Orchestra überzeugen mit atmosphärischen Suiten aus Janáčeks Opern. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2018) herunterladen (2361 KByte) Class aktuell (2/2018) herunterladen (3463 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich