> > > Ruzicka, Peter: Crossing The Border
Samstag, 24. Februar 2018

Ruzicka, Peter - Crossing The Border

Jenseits des Ersatzes


Label/Verlag: Neos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Teil der hier aufgenommenen Werke von Peter Ruzicka liegen bereits auf Tonträger vor. Dies aber ist eine wesentliche Ergänzung, deren Interpreten ihren Platz neben Größen wie Dietrich Fischer-Dieskau locker behaupten kann.

Das als ‚Stele für Paul Celan‘ bezeichnete Werk '... der die Gesänge zerschlug' (1985) wird der eine oder andere Musikkenner in seiner Ersteinspielung mit Dietrich Fischer-Dieskau kennen. Die 1987 erstmals erschienene Aufnahme erlebt hier weit mehr als nur eine Folgeeinspielung. Nicht nur hat Johannes Kalitzke mit dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik das Werk kongenial neu erkundet, auch Dietrich Henschel bringt seine gesamte Kunst mit ein. Immer noch ist seine Stimme frisch, warm, unverbraucht, klanglich vieler ‚Töne‘ fähig, und sein zwar intelligenter, aber nicht intellektualistischer Zugang tut der Musik gut.

Die große Klarheit und raumgreifende Klanghaftigkeit der Komposition, die nicht nur wegen des instrumentalen Anteils, sondern auch wegen der kongenialen Aufnahmetechnik fast mit Händen zu greifen ist, prägt auch die anderen Kompositionen auf der SACD, allesamt den Jahren 2004–2012 entstammend. 'Sturz' (Streichquartett Nr. 5) von 2004 zeigt Ruzicka als Meister der kleinen Form, die bei ihm natürlich alles andere als klein ist. Das OENM Streichquartett Ekkehard Windrich, Michaela Girardi, Jutas Javorka und Peter Sigl stehen dem Uraufführungsensemble, dem Arditti String Quartett (dessen Einspielung bei Thorofon vorliegt), und auch den anderen Quartetten, die das Werk heutzutage spielen, wohl in nichts nach: Wir haben hier eine kaum mehr kammermusikalisch klingende, vielmehr den gesamten Geist und Körper fordernde Tour de Force, die nicht nur für sich mehrfaches Hören erfordert, sondern dieses Mehrfachhören sozusagen zu einem Vielfachhörenwollen beim Hörer macht.

Bereits 2012/3 hat Ruzicka selbst sein Cellokonzert 'Über die Grenze' (2010) eingespielt (ebenfalls bei Thorofon), und beim WDR dürfte der Uraufführungsmitschnitt aus Bonn mit Daniel Müller-Schott liegen. Peter Sigl und das OENM sind aber keine minder kompetente Sachwalter; vielleicht gelingt ihnen – wie auch in der einzigen CD-Premiere, der ‚Homage‘ '... je weiter ich komme, um so mehr finde ich mich unfähig, die Idee wiederzugeben' aus dem Jahr 2012 – gerade deshalb eine besondere spannende Interpretation, weil es sich um Live-Mitschnitte (aus dem Brucknerhaus Linz 2015) handelt. So gelingt NEOS, trotz des rein faktentechnisch etwas dürftigen Booklets, eine kaum minder wichtige und attraktive nächste Folge in ihrer Ruzicka-Edition in den vorherigen Fällen. Weiter so.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ruzicka, Peter: Crossing The Border

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Neos
1
14.10.2016
EAN:

4260063115219


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Ruzicka, Peter


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Neos

NEOS ­ das neue Label für Zeitgenössische Musik, das seit Mitte Mai 2007 auf dem deutschen, seit Oktober 2007 auch auf dem internationalen Markt präsent ist. Im Zentrum der Neuveröffentlichungen stehen Kompositionen des  20. und 21. Jahrhunderts - die Betonung liegt dabei auf Welt-Ersteinspielungen.

Insofern setzt Wulf Weinmann den bei seinem früheren Label col legno eingeschlagenen Weg konsequent fort. Langjährige frühere Partner wie  das Internationale Musikinstitut Darmstadt (IMD), die Donaueschinger Musiktage des SWR, die musica viva des Bayerischen Rundfunks oder die Salzburger Festspiele haben die Zusammenarbeit mit Weinmann auch für die Zukunft vereinbart.

Inzwischen weitet sich NEOS programmatisch aus: Vier Produktlinen entwickeln sich im Kontext Neuer Musik in Zusammenarbeit mit Komponisten und Interpreten, die über ein weit gespanntes Repertoire verfügen: Aufnahmen, die Tradition und Moderne verbinden, Werke früherer Meister in bisher nie oder selten gehörten Interpretationen meist originaler Bearbeitungen sowie eine Jazzlinie mit Musikern, die man eher aus der zeitgenössischen Musikszene kennt, wie Olga Neuwirth oder Mike Svoboda.

NEOS veröffentlicht pro Jahr ca. 40 CDs, SACDs und DVDs, die weltweit (z.B. in Deutschland über helikon harmonia mundi) vertrieben werden. Hohe technische Qualität der Aufnahmen ist selbstverständlich. Auch Design und ansprechende Verpackung sind zentrales Anliegen: Alle Produktionenerscheinen in Digipacks mit ausführlichen Textinformationen und Illustrationen.


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