> > > Bach, Johann Sebastian: Dialog-Kantaten
Mittwoch, 13. Dezember 2017

Bach, Johann Sebastian - Dialog-Kantaten

Dialog


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein rundum schönes Porträt der Arbeit Dominik Wörners mit seinem Kirchheimer Konzertwinter. Es sind echte Könner versammelt, die das schöne Bach-Programm zu einer wirklich hochstehenden Kantaten-Produktion animiert hat.

Die Dialog-Kantaten zweier Vokalsolisten sind bei Johann Sebastian Bach – er selbst bezeichnet sie als ‚Concerto in Dialogo‘ – gewissermaßen eine Gattung in der Gattung: Theologisch sind sie ganz besonders durchwirkt und symbolisch aufgeladen mit dem Bass als Stimme Jesu und dem Sopran als gläubiger, fragender, jedenfalls innig liebender Seele. Diese Konstellation ist auch aus mancher Passions-Komposition der Zeitgenossen Bachs vertraut, in denen die Seele das Moment der Verinnerlichung, der Befragung, auch das der ausgesprochenen Verunsicherung spiegelt – dort freilich eingebettet in einen größeren, dramaturgisch aufgeladenen Kontext. In Bachs Dialog-Kantaten vollzieht sich das eher intim, ist eine Ebene stiller Reflexion angesprochen, eine Sphäre behutsamen geistlichen Argumentierens.

Es erklingen drei Kantaten, die dem weihnachtlichen Festkreis zugeordnet sind: 'Ach Gott, wie manches Herzeleid' BWV 58 für den Sonntag nach Neujahr, 'Liebster Jesu, mein Verlangen' BWV 32 für den ersten Sonntag nach Epiphanias und 'Selig ist der Mann' BWV 57 für den zweiten Weihnachtsfeiertag. Sämtlich sind sie typisch für Bachs subtile Kantatenkunst; mehrere wunderbare Beispiele für die enge, fruchtbare Verbindung von virtuoser Arie und vokalem Choral sind als ästhetische Spezialität dieser Werke hervorzuheben. Neben den mit Oboe gesetzten Kantate erklingt das Konzert für Oboe d‘amore und Orchester BWV 1055R – eine mit guten Gründen erstellte Variante des bekannten Konzerts für solistisches Cembalo und Streicher.

Hohe Kunst

Die personale Verbindung von Kantaten und Konzert ist der famose Oboist Alfredo Bernardini, der Anfang 2015 die musikalische Leitung dieser Einspielung hatte und zugleich solistisch glänzte. Entstanden ist die Aufnahme im Rahmen des vom Bassisten Dominik Wörner vor Jahrzehnten gegründeten Kirchheimer Konzertwinters. Und er brachte eine edle Besetzung zusammen: Hana Blažiková singt den Sopran-Part, Dominik Wörner selbst, Sieger des Bach-Wettbewerbs 2002, singt Bass. Wörner strahlt eine enorme stimmliche Autorität aus, in sehr schön ausgeglichenen Registern, die charakteristisch gefärbt sind. Wie stets besonders positiv ins Gewicht fällt Wörners hochpräzise, dabei vollkommen natürliche Diktion, die schlicht vorbildlich zu nennen ist. Und in der rasanten Arie 'Ja, ja, ich kann die Feinde schlagen' aus BWV 57 zeigt er eindrucksvoll sein virtuoses Potenzial.

In nichts nach steht ihm Hana Blažiková, die ein Gewinn für jede Bach-Platte ist: Sie singt – wie eigentlich immer, jedenfalls aber bei Bach – glanzvoll, auch in diesem für die Rolle der Seele expressiv durchaus abgezirkelten Repertoire. Ihre Stimme ist schlank, elegant und beweglich. Genau wie Dominik Wörner trägt sie zu subtiler Gestaltung der Rezitative bei. Die sind, so durchdacht und tief empfunden gestaltet, sehr viel mehr als nur der Satz zwischen zwei Arien – hier wird geistliches Geschehen auch musikalisch höchst ambitioniert beschleunigt.

Die Instrumente agieren in solistischer Besetzung agil und transparent, gleichzeitig spielfreudig und mit dem Klangbewusstsein des Solisten ebenso wie des Kammermusikers. Phrasiert wird delikat; der Basso continuo artikuliert angenehm knapp, wirkt behände und agil, mit schönem Kern. Die Oberstimmen bieten eine Fülle wunderbar gesanglicher Linien. Neben Alfredo Bernardinis Oboe ist die Violine von Yuki Yamaguchi prägendes Element mit stupendem solistischem Potenzial, mustergültig im Duett 'Nun verschwinden alle Plagen' aus BWV 32 nachzuhören. Schließlich gelingt den Instrumentalisten mit dem Konzert ein echtes Schmuckstück, das Bernardini mit seinem Ton nobilitiert. Das Klangbild ist konzentriert, in charmanter kammermusikalischer Dimension und bringt alle Anteile in ansprechender Balance zur Geltung.

Ein rundum schönes Porträt der Arbeit Dominik Wörners mit seinem Kirchheimer Konzertwinter. Es sind echte Könner versammelt, die das schöne Bach-Programm zu einer wirklich hochstehenden Kantaten-Produktion animiert hat: Sehr gern mehr davon.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Johann Sebastian: Dialog-Kantaten

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203506828


Cover vergössern

Bach, Johann Sebastian


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Jubel und Ruhe: Warum Hausegger ein so vielgestaltiger Komponist ist, dessen Wiederentdeckung sich durchaus lohnt, wird auch in dieser Einspielung wieder deutlich. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Vielleicht zu Recht vergessen: Als Raritätensammler ist man dankbar, diese vielleicht zu Recht vergessene Suppé-Oper einmal hören zu können. Im CD-Regal oder gar in kommenden Spielplänen braucht man den 'Heimkehrenden Matrosen' aber nicht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Das Chambre séparée bleibt heute leer: Diese Produktion von Heubergers 'Opernball' setzt leider keine Maßstäbe. Sie ist achtbar, wenn auch nicht von besonderem Esprit getragen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... De Rore im Porträt: Björn Schmelzer setzt seinen Weg mit Graindelavoix konsequent und unbeirrt fort. Vor allem immer reflektiert und gut begründet. Man weiß eben nicht, wie diese Musik wirklich gesungen wurde. Und Schmelzer kann zeigen, dass es auch so gewesen sein könnte. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Temminghs Vivaldi: Stefan Temmingh und das Capricornus Consort Basel bieten frische, aber nicht überdreht daherkommende Vivaldi-Konzerte, die auch Kontemplation und gewisse Freiheiten kennen. Eine eigenwillige Deutung mit manch besonderer Note. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Hörenswerte Mehrchörigkeit: Giovanni Croce steht in einer beeindruckend großartigen Reihe. Es ist entzückende – sicher nicht alles vor und nach ihr verschattende – Musik voller Lebendigkeit. Genauso so singen und spielen Voces Suaves und Concerto Scirocco das schöne Programm. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Kunst des Sich-Fügens?: Die ultimative, einzig wahre Aufführung eines rätselhaften Werkes? Mit diesem Anspruch kommt eine Neuaufnahme daher (mit mehr als zwanzig Jahren Vorlauf). Überzeugend? Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Der Unbekannte Wagner: Es gibt Werke von Richard Wagner, für die sich die Nachwelt in gewisser Weise zu schämen scheint. Seine frühen Ouvertüren lassen den späteren kompositionsgeschichtlichen Revolutionär kaum schon erahnen. Märkls geballte Sammlung hat aber Informationswert. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Jede Menge Bearbeitungen - und ein Original: Ilya Gringolts und Peter Laul überzeugen mit einer Wiedergabe von Igor Strawinskys Werken für Violine und Klavier. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Johann Peter Kellner: Ach, daß du den Himmel zerrissest (PK-70) - Nicht alleine der Marien

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Julian Prégardien im Portrait "Das ganze Projekt ist eine Reise durch die Musik"
Julian Prégardien macht die Aufführungsgeschichte großer Werke anschaulich - und setzt Impulse für die Zukunft

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich