> > > Bach, Johann Sebastian: Dialog-Kantaten
Sonntag, 9. Dezember 2018

Bach, Johann Sebastian - Dialog-Kantaten

Dialog


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein rundum schönes Porträt der Arbeit Dominik Wörners mit seinem Kirchheimer Konzertwinter. Es sind echte Könner versammelt, die das schöne Bach-Programm zu einer wirklich hochstehenden Kantaten-Produktion animiert hat.

Die Dialog-Kantaten zweier Vokalsolisten sind bei Johann Sebastian Bach – er selbst bezeichnet sie als ‚Concerto in Dialogo‘ – gewissermaßen eine Gattung in der Gattung: Theologisch sind sie ganz besonders durchwirkt und symbolisch aufgeladen mit dem Bass als Stimme Jesu und dem Sopran als gläubiger, fragender, jedenfalls innig liebender Seele. Diese Konstellation ist auch aus mancher Passions-Komposition der Zeitgenossen Bachs vertraut, in denen die Seele das Moment der Verinnerlichung, der Befragung, auch das der ausgesprochenen Verunsicherung spiegelt – dort freilich eingebettet in einen größeren, dramaturgisch aufgeladenen Kontext. In Bachs Dialog-Kantaten vollzieht sich das eher intim, ist eine Ebene stiller Reflexion angesprochen, eine Sphäre behutsamen geistlichen Argumentierens.

Es erklingen drei Kantaten, die dem weihnachtlichen Festkreis zugeordnet sind: 'Ach Gott, wie manches Herzeleid' BWV 58 für den Sonntag nach Neujahr, 'Liebster Jesu, mein Verlangen' BWV 32 für den ersten Sonntag nach Epiphanias und 'Selig ist der Mann' BWV 57 für den zweiten Weihnachtsfeiertag. Sämtlich sind sie typisch für Bachs subtile Kantatenkunst; mehrere wunderbare Beispiele für die enge, fruchtbare Verbindung von virtuoser Arie und vokalem Choral sind als ästhetische Spezialität dieser Werke hervorzuheben. Neben den mit Oboe gesetzten Kantate erklingt das Konzert für Oboe d‘amore und Orchester BWV 1055R – eine mit guten Gründen erstellte Variante des bekannten Konzerts für solistisches Cembalo und Streicher.

Hohe Kunst

Die personale Verbindung von Kantaten und Konzert ist der famose Oboist Alfredo Bernardini, der Anfang 2015 die musikalische Leitung dieser Einspielung hatte und zugleich solistisch glänzte. Entstanden ist die Aufnahme im Rahmen des vom Bassisten Dominik Wörner vor Jahrzehnten gegründeten Kirchheimer Konzertwinters. Und er brachte eine edle Besetzung zusammen: Hana Blažiková singt den Sopran-Part, Dominik Wörner selbst, Sieger des Bach-Wettbewerbs 2002, singt Bass. Wörner strahlt eine enorme stimmliche Autorität aus, in sehr schön ausgeglichenen Registern, die charakteristisch gefärbt sind. Wie stets besonders positiv ins Gewicht fällt Wörners hochpräzise, dabei vollkommen natürliche Diktion, die schlicht vorbildlich zu nennen ist. Und in der rasanten Arie 'Ja, ja, ich kann die Feinde schlagen' aus BWV 57 zeigt er eindrucksvoll sein virtuoses Potenzial.

In nichts nach steht ihm Hana Blažiková, die ein Gewinn für jede Bach-Platte ist: Sie singt – wie eigentlich immer, jedenfalls aber bei Bach – glanzvoll, auch in diesem für die Rolle der Seele expressiv durchaus abgezirkelten Repertoire. Ihre Stimme ist schlank, elegant und beweglich. Genau wie Dominik Wörner trägt sie zu subtiler Gestaltung der Rezitative bei. Die sind, so durchdacht und tief empfunden gestaltet, sehr viel mehr als nur der Satz zwischen zwei Arien – hier wird geistliches Geschehen auch musikalisch höchst ambitioniert beschleunigt.

Die Instrumente agieren in solistischer Besetzung agil und transparent, gleichzeitig spielfreudig und mit dem Klangbewusstsein des Solisten ebenso wie des Kammermusikers. Phrasiert wird delikat; der Basso continuo artikuliert angenehm knapp, wirkt behände und agil, mit schönem Kern. Die Oberstimmen bieten eine Fülle wunderbar gesanglicher Linien. Neben Alfredo Bernardinis Oboe ist die Violine von Yuki Yamaguchi prägendes Element mit stupendem solistischem Potenzial, mustergültig im Duett 'Nun verschwinden alle Plagen' aus BWV 32 nachzuhören. Schließlich gelingt den Instrumentalisten mit dem Konzert ein echtes Schmuckstück, das Bernardini mit seinem Ton nobilitiert. Das Klangbild ist konzentriert, in charmanter kammermusikalischer Dimension und bringt alle Anteile in ansprechender Balance zur Geltung.

Ein rundum schönes Porträt der Arbeit Dominik Wörners mit seinem Kirchheimer Konzertwinter. Es sind echte Könner versammelt, die das schöne Bach-Programm zu einer wirklich hochstehenden Kantaten-Produktion animiert hat: Sehr gern mehr davon.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bach, Johann Sebastian: Dialog-Kantaten

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203506828


Cover vergössern

Bach, Johann Sebastian


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Berliner Weihnacht: Das Ensemble sirventes berlin hat eine niveauvoll gesungene, programmatisch relevante Platte vorgelegt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Finale: Ein programmatisch ansprechendes Finale der Erwägungen Masaaki Suzukis zu den weltlichen Kantaten Bachs. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Sinfonisiert: Gerd Schaller und Bruckner – das ist eine Kombination, die immer wieder Funken schlägt. Schaller hat das Streichquintett sehr behutsam sinfonisiert. Der Bearbeitung wird die Darbietung des Prager Radio-Sinfonieorchesters überaus gerecht. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Eruptiv und verschattet: Bis heute immer noch die beste greifbare Gesamteinspielung von drei bedeutenden Werken des Oberpfälzers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Gefasst, aber auch durchdrungen?: Mit Eldar Nebolsin und dem internationalen Cello-Preisträger Wolfgang Emanuel Schmidt dürfen mindestens zwei Namen das Interesse an diesem Brahms schüren. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Brandenburgisches Kopenhagen: Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss: Concerto Copenhagen spielt die Brandenburgischen Konzerte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte) Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich