> > > Telemann, Georg Philipp: Suiten für Blockflöte und Chalumeaux
Freitag, 28. April 2017

Telemann, Georg Philipp - Suiten für Blockflöte und Chalumeaux

Flötentöne


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Giovanni Antonini meldet sich hörenswert als großartiger Flötist zu Wort. Das kammermusikalische Zusammenspiel mit seinem Ensemble Il Giardino Armonio ist zu schöner Blüte geführt.

Georg Philipp Telemann bietet als bekannt variantenreicher und fantasievoller Komponist genug lohnendes Repertoire für fein funkelnde Platten. Giovanni Antonini, hochinspirierter Ensembleleiter seines Giardino Armonico, meldet sich hier als solierender Blockflötist zu Wort. Und er schafft mit einem kleinen Prélude des Franzosen Jacques-Martin Hotteterre, das als stimmungsvolles Entrée fungiert und das stilistische Feld für die nachfolgende große Suite in a-Moll TWV 55:A2 bereitet, eine der bekanntesten Kompositionen Telemanns: Hier duftet es entgegen der sonstigen Gepflogenheiten des vermischten Stils durchaus sehr französisch, mit sanft-präziser Rhythmisierung, nobel entfalteter Kraft und charaktervoll geformten Tanz-Stilisierungen. Die beiden Konzerte – in C-Dur TWV 51:C1 und g-Moll TWV 43:G3 – wirken etwas lichter im Satz, mit mehr unbändigem Temperament versehen, in etwas altmodischer Viersätzigkeit, freilich ästhetisch in allerbester italienischer Manier. Ein besonderes Schmankerl ist die Sonate F-Dur TWV 43:F2 für zwei solistische Chalumeaux, die Vorläufer der Klarinette. Hier spiegelt sich Telemanns lebenslange Neugier auf das Unbekannte, seine Leidenschaft für die Vielfalt in jeder Hinsicht, für Experimentierfreude und Wagemut. Vermutlich hat er in dieser Sonate – die rein formal sehr viel mehr Ähnlichkeiten mit einem feinen Doppel-Konzert als mit einer landläufigen Sonate hat – keine eigenständige Idiomatik für dieses Instrument gefunden. Doch führt er die Stimmen effektvoll und terzselig: Telemanns Zeitgenossen dürften das goutiert haben.

Echte Könner

All das bietet Giovanni Antonini und seinem Ensemble Il Giardino Armonico reichlich Gelegenheit, sich zu entfalten: Antoninis Flötenton ist außerordentlich elegant, reich an Farben und Nuancen. Die Finger- und Zungenfertigkeit wirkt beinahe beiläufig, wie eine nicht hinterfragbare Grundlage, und ist doch beeindruckend zu nennen. Antonini verziert ebenso geschmackssicher wie maßvoll. Die solistische Flöte interagiert famos mit dem gleichfalls einfach besetzten Ensemble. Das entfaltet in dieser schmalen Kontur einen erstaunlich modulationsfähigen Klang von Gehalt und vibrierender Kernigkeit. Wesentlich trägt dazu ein sonorer Basso continuo bei, neben einem präzisen Violoncello und einem gebändigt-voluminösen Violone aus Theorbe und Cembalo bestehend, die Struktur geben und dem Geschehen plastische Qualitäten verleihen. Die beiden Chalumeaux – zweiter Solist ist Tindaro Capuano – wirken erstaunlich gerundet im Ton, in der Grundcharakteristik schon sehr nah an der Klarinette siedelnd. Giovanni Antonini lässt in entschieden gewählten Tempi musizieren, die die Sätze treffend charakterisieren und sich zu einer überzeugenden zyklischen Anlage fügen. Die verschiedenen Ästhetiken werden mit viel stilistischem Feingefühl gedeutet – in der Suite vielleicht mit etwas mehr italienischer Konzertbrillanz als tatsächlich geboten, gleichwohl zutreffend und geglückt. Die Konzerte selbst werden dann entschieden akzentuiert, mit großer Energie. Die beiden Chalumeaux werden erfreulich aktiv artikuliert, die langsamen Sätze selig ausgesungen. Klanglich bleiben in Sachen Präzision und Plastizität keine Wünsche offen, überzeugen auch die ansprechende Tiefenstaffelung wie die feine räumliche Korona: Der Raum ist in barocker Musikästhetik eine notwendigerweise mitklingende Größe; hier ist dieses Grundprinzip erfahrbar. Im dreisprachigen, fein gestalteten Booklet ist der Text zwar informativ, aber doch etwas zu knapp.

Giovanni Antonini meldet sich hörenswert als großartiger Flötist zu Wort. Das kammermusikalische Zusammenspiel mit seinem Ensemble Il Giardino Armonio ist zu schöner Blüte geführt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Suiten für Blockflöte und Chalumeaux

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
04.11.2016
EAN:

3760014192456


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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