> > > Veracini, Antonio: Violinsonaten Opp. 1 -3
Mittwoch, 17. August 2022

Veracini, Antonio - Violinsonaten Opp. 1 -3

Entdeckerfreude


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das spanische Barockensemble El Arte Mvsico widmet sich einer Auswahl von Sonaten des Italieners Antonio Veracini und überzeugt durch einen detailreichen Zugang.

Als Geiger wird der Italiener Francesco Maria Veracini (1690–1768) heute mit neuen Maßstäben in Bezug auf Klangfülle und Schönheit violinistischer Tongebung sowie mit einer Differenzierung der Bogentechnik in Verbindung gebracht, während er als Komponist für die Erfindung inniger, kantabler Themen und für eine kontrapunktische Durchdringung des vom Basso continuo gestützten Violinsatzes steht. Beides – Violinspiel und die Grundzüge der Kompositionslehre – erlernte Francesco bei seinem Onkel Antonio Veracini (1659–1745), der bislang im Schatten des weitaus bekannteren Neffen steht.

Mit einer Auswahl von zehn Beispielen aus Antonios Sonatenschaffen – es erstreckt sich auf die jeweils zehnteiligen Sammlungen der 'Suonate a tre per due violini, violone o archileuto col suo basso per l’organo' op. 1 (1692), der 'Sonate a violino solo' op. 2 (1694) und der 'Suonate da camera a due, violino e violone o archileuto col basso per il cimbalo' op. 3 (1696) – belegt die vorliegende, bei Brilliant Classics erschienene Edition jedoch, dass es diesbezüglich einiges zu entdecken gibt, dass die Werke gar einige der Kennzeichen von Francescos Musik vorwegnehmen. Das 2003 in Madrid gegründete Ensemble El Arte Mvsico (Angel Sampedro und Teresa Casanova, Violine; Isabel Gómez-Serranillos, Violoncello; Diego Fernández, Cembalo) überzeugt zunächst einmal durch eine geschickte, die Typen der Kammer- und Kirchensonate ebenso wie die Gattungen der Solo- und Triosonate vermischende Anordnung der ausgewählten Werke, was schon vorweg bei einer fast 70-minütigen Spielzeit für genügend Abwechslung sorgt.

Der eigentliche Knackpunkt ist jedoch der überzeugende und voller Details steckende interpretatorische Zugriff, durch den die Qualität der Werke nochmals akzentuiert wird: So formt beispielsweise Casanova das eröffnende 'Grave' der Sonata a-Moll op. 2 Nr. 1 zu einem weit ausgreifenden Rezitativ, das – über das nachfolgende 'Vivace' hinweg – wie eine Vorbereitung auf die ornamentierten Kantilenen des an dritter Stelle stehenden 'Largo affettuoso' wirkt, bevor die artikulatorisch spannend gearbeitete 'Vivace'-Fuge für einen tänzerischen Ausklang sorgt. Ihr Kollege Sampedro steht ihr im Hinblick auf die Wiedergabe von Solosonaten um nichts nach und liefert – unterstützt durch überraschende Registrierungen und den Einsatz quasi-improvisatorischer Arpeggi im Cembalo – eine schlüssige, von rhetorischem Zugang geprägte Einspielung der Sonata c-Moll op. 2 Nr. 8.

Bei den eingespielten Triosonaten wiederum überzeugt der generell auf Klangverschmelzung bedachte Zugang beider Geiger, der sich in Werken wie der Sonata d-Moll op. 1 Nr. 1 trotz einiger bewusst eingesetzten Schärfen der Tongebung in weich ausgespielten Parallelführung der kantablen Oberstimmendialogen und im subtilem Einsatz von Verzierungen äußert, von den Musikern aber auch beim Vortrag der fugierten Sätze in den Mittelpunkt gerückt wird. Sieht man einmal von dem Mako ab, dass Brilliant Classic es unterlassen hat, in der Trackliste des englischsprachigen Booklets die Tonarten der einzelnen Werke anzugeben, bietet diese Einspielung eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich mit dem Schaffen des unbekannteren Veracini vertraut zu machen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Veracini, Antonio: Violinsonaten Opp. 1 -3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
27.01.2017
Medium:
EAN:

CD
5028421954233


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Seltene Kammermusik eines Vokal-Komponisten: Anna Augustynowicz spielt mit ihrer Barockgeige eine selten aufgeführte, jedoch hörenswerte Musik, ausgezeichnent unterstützt vom Ensemble Giardino di Delizie. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Alma Mahlers Kompositionen: Die Fassade der unnahbar großen Dame an der Seite Künstlerpersönlichkeiten brachte ihr den Ruf einer Femme fatale ein. Dahinter steht eine gründlich gebildete Frau. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Betont lyrisch: Ekaterina Levental und Frank Peters mit der dritten Folge ihrer Gesamtaufnahme der Lieder Nikolai Medtners. Weiter...
    (Dr. Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Stefan Drees:

  • Zur Kritik... John Bull und andere: Im sechsten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' kombiniert der Cembalist Pieter-Jan Belder Stücke von John Bull mit einzelnen Kompositionen unbekannterer Tonsetzer. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Arbeit an klanglichen Feinheiten: Die zweite DVD der Reihe 'Lachenmann Perspektiven' widmet sich der Komposition 'Air'. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Blick in die Interpretationswerkstatt: Eine neue DVD-Reihe vermittelt unschätzbare Einblicke in die musikalischen und technischen Problemstellungen von Helmut Lachenmanns Musik. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Stefan Drees...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mendelssohns Feuerwerkmusik aus Paris: Lars Vogt verpasst den beiden Mendelssohn-Klavierkonzerten eine dramatische Wucht, die den Werken eine überraschend düstere Aura geben. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Aufgetürmter Neubau: Telemanns Michaelis-Oratorium 1762 zeigt den Hamburger Komponisten auch in seinem letzten Lebensjahrzehnt auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwei Komponisten des Hochbarocks begegnen einander: Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat lebten etwa zur selben Zeit und könnten sich in Salzburg begegnet sein. Dora Szilágyi und Flóra Fábri spüren Verwandtes und Unterschiede in der Kammermusik beider Komponisten auf. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7-8/2022) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich