> > > Beethoven, Ludwig van: Sämtliche Streichquartette und Streichquintette
Samstag, 24. Juni 2017

Beethoven, Ludwig van - Sämtliche Streichquartette und Streichquintette

Fülle und Fokus


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Man staune.

Das Leipziger Streichquartett hat für MDG sämtliche Beethoven-Quartette eingespielt. Die Besetzung: Andreas Seidel, Tilman Büning (Geige), Ivo Bauer (Bratsche), Matthias Moosdorf (Cello). In den Streichquintetten op. 4 und op. 29 wurde Seidel durch Stefan Arzberger ersetzt, Barbara Buntrock (Bratsche) gesellt sich hinzu. Die Aufnahmen sind während 15 Jahren entstanden. 2011 wurde der Zyklus beendet.

Das Leipziger Streichquartett ist aus dem Gewandhausorchester hervorgegangen. Von dort rühren der Sinn für weite Legatozusammenhänge und das Unbehagen gegenüber rein ‚Technischem’ – das gleichwohl meisterlich beherrscht wird. Wie melodische Schwerpunkte platziert (und verschoben), wie horizontale und vertikale Bezüge ins Verhältnis gesetzt werden – das ist die hohe Kunst der Phrasierung.

Tempi und Taktmaß werden souverän durchgehalten, ohne Verkrampfung, dynamische Werte in wünschenswerter Deutlichkeit, ohne Extremismus, unterschieden. Saubere Intonation, kontrolliertes, freies Messa di voce und dichtes Zusammenspiel erfreuen nicht nur das Ohr. ‚Kammermusik’ ist keine bloße Phrase: Man hört aufeinander – und spricht. ‚Klangrede’ bleibt uns erspart.

Die Königsdisziplin wird gemeistert: Mikroskopische Unterscheidungsfreude und Übersicht für größere Zusammenhänge sind gleichermaßen gegeben. Man ist gegenwärtig – und greift, in Gedanken, voraus. Es ist und es wird.

Dass das Gewandhausorchester einen weichen Tonansatz bevorzugt, auf Fülle, nicht Fokus, abzielt, Sfumato statt mechanischer Brillanz, ist ebenso banal wie richtig. Allein das Leipziger Streichquartett produziert kernige Klänge. Ein Mangel an Substanz und tonlicher Wandelbarkeit ist nicht zu beklagen. Die artikulatorische Genauigkeit ist beachtlich. Übertreibungen hat sie nicht nötig. MDGs Mikrofone bilden die zahlreichen Abstufungen ab, ohne den Akteuren schamlos zu Leibe zu rücken. Das Maß der Resonanz ist realistisch. Es kommt dem Erleben in Konzertsälen nahe. Kritik, wenn sie statthaft erschiene, beträfe die Ortung des Klangs. Bisweilen scheint er zu wandern, von einer zur anderen Seite des Raums – eine künstliche Situation, leicht irritierend.

Informationen zu Aufnahmeorten und Toningenieuren sind der stolzen Box nicht zu entnehmen. Sie wurde mit Jubel-Zitaten diverser Rezensenten geschmückt, sogar an den Seiten. Auch der ‚Essay’ weihräuchert heftig. Traurig, dass Aufnahmen solchen Karats recht lieblos verhökert werden. MDG kann es besser.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sämtliche Streichquartette und Streichquintette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
10
28.10.2016
EAN:

760623198323


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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