> > > Hässler, Johann Wilhelm: Sonaten für Tasteninstrumente
Donnerstag, 21. September 2017

Hässler, Johann Wilhelm - Sonaten für Tasteninstrumente

Abwechslungsreiche Sonatensammlungen


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michele Benuzzi widmet sich drei Sonatensammlungen Johann Wilhelm Hässlers aus den Jahren 1776 bis 1780 und zeichnet damit die Entwicklung des Komponisten nach.

Mit seinen bei Brilliant Classics erschienenen Einspielungen von Musik der Komponisten Christoph Nichelmann, Josep Gallés und Johann Wilhelm Hässler hat sich der italienische Cembalist Michele Benuzzi mittlerweile einen Namen als Interpret einiger bislang diskografisch wenig erkundeter Raritäten gemacht. Nachdem er Hässlers Musiker 2012 zunächst in einem Querschnitt erkundete, in dem er vor allem Beispiele für die gegensätzlichen formalen Konzeptionen von Fantasie und Sonate aus dem Zeitraum von 1776 bis 1786 einander gegenüberstellte, widmet er sich nun auf insgesamt vier CDs – einige wenige Überschneidungen zur früheren Produktion enthaltend – drei vollständigen Sammlungen aus den Jahren 1776 bis 1780, nämlich den mit einer im Titel nicht genannten Fantasia anhebenden 'Sechs Sonaten fürs Clavier' (1776), den mit einem ausgedehnten Anhang von 'Liedern und Handstücken' ausgestatteten 'Sechs neuen Sonaten fürs Clavier oder Pianoforte' (1779) sowie den 'Sechs leichten Sonaten fürs Clavier' (1780). Dabei gelingt es dem Cembalisten ausgesprochen gut, die musikalische Vielfalt der jeweiligen Publikationen nachzuzeichnen.

Benuzzi nutzt für seine Wiedergabe insgesamt vier unterschiedliche Typen von Tasteninstrumenten, mit deren spezifischen Klangfarben er den Charakter der jeweiligen Werke unterstreicht. So setzt er bei seiner Interpretation der spieltechnisch anspruchsvollen Sammlungen von 1776 und 1779 einen 2014 von Detmar Hungerberg gefertigten Nachbau eines Cembalos von Michael Mietke vor allem dort ein, wo die kompositorischen Fakturen aufgrund kontrapunktischer Elemente in den raschen Sätzen oder generalbassartiger Strukturmomente in den langsamen Werkteilen auf musikalische Gestaltungsmomente aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückverweisen. Den 1996 von Andrea Restelli gefertigten Nachbau eines Klaviers von Gottfried Silbermann (1749) nutzt er hingegen, wenn das Komponierte sich eher am zeitgenössischen Tonfall orientiert. Die Abfolge der Werke erhält dadurch insbesondere in der Sammlung von 1776 einen über die bereits kompositorisch überraschend facettenreichen Anlage hinaus reichendes Maß an Abwechslung und wird zugleich klanglich zugespitzt: Affektreiche Sätze wie das 'Adagio' aus 'Sonata I' C-Dur etwa nähert Benuzzi durch seinen Cembalovortrag dem Prinzip des Deklamierens an, während er bei einem Werk wie der 'Sonata III' B-Dur die Möglichkeiten des Klaviers zur Gestaltung kantabler Zusammenhänge nutzt und auf eine ausbalancierte Gesamterscheinung der Einzelsätze gegeneinander setzt. Dieser Logik zufolge ist die Wahl des Cembalos für die vorangestellte 'Fantasia' c-Moll gleichfalls korrekt, auch wenn die ausnotierten Dynamikunterschiede – vor allem dort, wo Hässler auf abrupte Kontraste setzt – nur andeutungsweise zur Geltung kommen.

Musikalisch besonders vielseitig sind die eher an musikliebende Dilettanten adressierte 'Sechs leichten Sonaten' von 1780. Während er die Sammlungen von 1776 und 1779 allein unter Rückgriff auf die bereits genannten Instrumente gestaltet, nutzt Benuzzi nun zwei gänzlich andere Klangerzeuger, nämlich einen 2015 von Andrea Restelli gefertigten Nachbau eines Clavichords von Christian Gottfried Friederici (1765) und – zeitlich vielleicht nicht ganz korrekt, aber als Kontrast zum Clavichord dennoch sehr wirkungsvoll – ein restauriertes Broadwood-Tafelklavier aus dem Jahr 1798. Die Verwendung des Clavichords in den 'Sonaten I' G-Dur und II A-Dur ist abermals mit einer musikalischen Wertschätzung deklamatorischer Momente verbunden und zeichnet sich darüber hinaus durch eine – im Rahmen des geringen dynamischen Spektrums – ausgesprochen kontrastreiche Darstellung aus. Dass Benuzzi aber auch beim Klaviervortrag mitunter auf deklamatorische Prinzipien zurückgreift, lässt vor allem 'Sonata III' d-Moll zu einer spannenden Angelegenheit werden, weil die Deklamation hier einerseits auf lyrische Elemente, andererseits aber (wie im Presto-Finale) auf einen ausgesprochen dramatischen Tonfall trifft. In anderen Sätze wiederum – so im 'Poco adagio' der 'Sonata IV' B-Dur mit seinen kadenzartig schweifenden Passagen und im 'Adagio e sostenuto' der 'Sonata V' F-Dur – lässt sich der Interpret ganz von den kantablen Linienführungen leiten, die er unter Rückgriff auf agogische Feinheiten formt.

In ihrer Gesamtheit vermag die Produktion trotz des manchmal etwas störenden Hallanteils im Klangbild vollauf zu überzeugen, erscheinen die jeweils innerhalb einer Sammlung publizierten Werke Hässlers doch erstaunlich vielfältig. Für zusätzliche Abwechslung sorgen darüber hinaus auch die Lieder, die der Komponist nebst einigen kleineren Klavierstücken als Anhang zur Sonatensammlung von 1779 hinzugefügt hat. Die Sopranistin Francesca Cassinari passt sich mit klarer Diktion in den intimen klanglichen Kontext ein, was schließlich auch für den Geiger Matteo Zanatto gilbt, der in der zusätzlich mit aufgenommenen dreisätzigen 'Sonata con violino' G-Dur als Partner von Benuzzi fungiert. Schließlich machen die vier CDs auch deutlich, welche kompositorische Entwicklung Hässlers Sonatenschaffen während des hier dokumentierten Zeitraums nur fünf Jahren genommen hat. Für Freunde früher Klaviermusik dürfte hier doch einiges zu entdecken sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hässler, Johann Wilhelm: Sonaten für Tasteninstrumente

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
27.01.2017
EAN:

5028421952253


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