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Donnerstag, 22. Februar 2018

Prokofjew & Beethoven - Klaviersonaten

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Label/Verlag: Paladino
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit der achten Klaviersonate von Prokofjew und Beethovens Opus 111 offeriert Lisa Smirnova auf einem kleinen Label ein anspruchsvolles Programm - live from the Concertgebouw. Das verspricht einiges.

Das kleine Wiener Label Paladino macht sich um eine Reihe guter Pianisten verdient, die noch nicht oder nicht mehr ganz so im Fokus der Öffentlichkeit und großer Labels stehen. Zu diesen zählt auch Lisa Smirnova, deren Weg von Moskau (Geburtstadt 1972, Lehrer dort Lev Naumov) über Salzburg (Schülerin von Karl-Heinz-Kämmerling) führte. 2011 beeindruckte ihre Aufnahme der acht ‚großen‘ (publizierten) Cembalo-Suiten bei ECM. Der Kritiker Wolfgang Goertz verglich sie gar, vielleicht auch die Spielhaltung am Instrument vor Augen, mit Glenn Gould. Ein Jahrzehnt zuvor waren es vor allem ihre profunden Begleitungen des Salzburger Geiger Benjamin Schmid, die ihr Wertschätzung einbrachten. Das Debüt-Jahrzehnt der 1990er – sie gewann u.a. ganz jung 1993 den renommierten Brahms-Preis, von prominentesten Vorgängern und Nachfolgern umgeben – sah allerdings neben ersten Auftritten in wichtigen Konzertsälen auf dem Plattenmarkt nur spärliche Resultate: Ihre erste professionell vermarktete Aufnahme mit zwei Klavierkonzerten Beethovens (David Montgomery, Jenaer Philharmonie, Arte Nova 1996) ist durchaus bekannt und hörenswert, zog aber – bis auf eine kleine Walzer-Anthologie (Oehms Classics, 2003) – keine regelrechte Schallplattenkarriere nach sich. Nun erweitert sich ihre recht kleine Diskographie also um zwei absolut herausragende und anspruchsvolle ‚Schlachtrösser‘ der klassischen und moderneren Klavierliteratur.

Rundfunk-Mitschnitte aus dem Jahr 1994

Die Erwartung einer tatsächlich ‚neuen‘ Platte (die es übrigens laut Onlinehandel auch auf Vinyl gibt), eines Zeugnisses ihres aktuellen Stands, wird allerdings enttäuscht: Erst innen im Booklet findet sich der Hinweis auf und die Rechtfertigung der Pianistin für die Veröffentlichung eines Rundfunk-Mitschnitts aus dem Jahr 1994: Die Aufnahmen stammen aus dem Archiv vom niederländischen ‚concertzender‘, der Smirnovas Konzert im Amsterdamer Concertgebouw am 5. Juli 1994 mitgeschnitten hatte und nun zur Veröffentlichung anbot. Smirnova und Paladino Music haben allerdings zu recht zugegriffen, denn weitere Dokumente dieser wichtigen Karriere-Stufe Smirnovas sind – neben Beethoven aus Jena – ja bislang nicht greifbar (vielleicht schlummert in Rundfunkarchiven noch einiges Hörenswerte).

Die Aufnahmen dokumentieren allerdings eine Pianistin, die in ihren Zwanzigern – dem bevorzugten historischen und modernen Repertoire entsprechend – wahrlich keine ‚Romantikerin‘ war: In Prokofjews Achter Klaviersonate (B-Dur) aus dem Kriegsjahr 1944 beeindruckt von Beginn an eine klare, recht unsentimentale Diktion schon im Leisen, Vorsichtigen des 'Andante'-dolce-Beginns. Auch die walzerhafte Romeo-und-Julia-Romanze des zweiten Satzes hat keine wirkliche Schmerzlichkeit in der Tiefe wie bei Svjatoslav Richter oder Andrei Gavrilov. Das bei Smirnova keineswegs zu schnelle Final-'Vivace' hat genug dort passende Härte und Spritzigkeit, Großartigkeit im hervorgekehrten triumphalen Zwischengedanken, Insistenz im Toccatenhaften.

Alles ist in der holländischen Aufzeichnung und Wiener Paladino-Edition klanglich ganz ausgezeichnet und hautnah festgehalten: Man fühlt sich direkt neben das Klavier gesetzt, nicht wie im Zuschauerraum (Nebengeräusche fallen nirgends auf, Applaus fehlt). Der direkte Kontakt hat aber auch Nachteile, denn die Dynamik, die Spannweite der Lautstärken ist sehr groß. Deren Spitzenwerte gehen in den mit Lust und Risiko genommenen Passagen des ersten Satzes und dann vor allem der Beethoven-Sonate schon einmal an die Schmerzgrenze, Nebenwirkung eines irgendwie schon fast bedingungslosen Ausdruckskonzepts Smirnovas, das diese Werke keineswegs als gemütliche Horte des Schönklangs vermittelt. Aber ein wenig davon wäre an manchen Stellen doch nicht schlecht.

Beute des Brachialen

Denn was in beiden großen Kopfsätzen Prokofjews und Beethovens (nicht ohne mehrere auffälligere ‚Tippfehler‘) dann doch spürbar fehlt, sind deutliche Momente des emotionalen oder kalkulierten Ausdruckskontrasts als Elemente bewusster, souveräner architektonischer Orientierung. Trotz der doch recht vielen kleinen Live-Ausrutscher beeindruckt Beethovens 'Allegro con brio' als ‚Sturm‘-Episode im Narrativen, so dass Smirnova hier punktuell an andere große Live-Erzählungen (etwa wiederum Svjatoslav Richter oder Gabor Csalog, siehe Verweis unten) mitunter gar heranreicht; der anschließenden Beruhigung, Reflexion bis hin zu dem etwas dumpfen Satzausklang mangelt es aber offensichtlich an auch klanglich differenzierender und verdichtender Konzentration. Der Arietta nebst Variationen, vor allem deren ‚Boogie-Woogie‘-Steilwand, fehlt es dann aber doch an Stringenz und Fulminanz (die nicht allein auf Lautstärke beruht), die Tempo-Relationen überzeugen (mich) nicht durchweg. Da würde eine reife Studio-Aufnahme Smirnovas dann doch mehr interessieren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prokofjew & Beethoven: Klaviersonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Paladino
1
25.11.2016
EAN:

9120040730772


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Beethoven, Ludwig van
Prokofieff, Sergej


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Paladino

Das CD-Label paladino music wurde 2009 von dem Cellisten Martin Rummel gegründet und ist sozusagen die Keimzelle von paladino media, wozu mittlerweile neben paladino music auch Orlando Records, KAIROS und Austrian Gramophone gehören. Inzwischen bei einem Durchschnitt von 15 Veröffentlichungen pro Jahr angekommen, hat paladino music sich zu einem anerkannten Boutique-Independentlabel entwickelt. Die Veröffentlichungen sind zumeist auf einen Komponisten fokussiert, aber auch Rezitalprogramme und aufsehenerregende Debütaufnahmen sind neben Ersteinspielungen von Komponisten wie Franz Krommer, David Popper, Johann Joachim Quantz, Thomas Daniel Schlee, Robert Stark und Johann Wenzel Tomaschek entstanden. Herausragende Interpreten aller Generationen, von jungen Künstlern bis hin zu internationalen Stars wie Vladimir Ashkenazy garantieren, dass die künstlerische Qualität der Einspielungen außer Frage steht. Ursprünglich auf Kammermusik fokussiert, veröffentlicht paladino music in jüngster Zeit auch zunehmend Solokonzert- und andere Orchesteraufnahmen.

Zahlreiche Veröffentlichungen haben Auszeichnungen bekommen oder sind zumindest dafür nominiert worden, und Kritiker in internationalen Medien loben nicht nur die Aufnahmen und das Repertoire selbst, sondern auch die strikt durchgezogene Eleganz des Designs, dass aus dem Firmendesign von paladino media entwickelt ist. paladino music wird von Martin Rummel kuratiert, der von einem kleinen Team an Fachleuten in der Umsetzung, Fabrikation und Distribution unterstützt wird. Das Lager wird von Naxos Global Logistics verwaltet, und ein Netzwerk von über 50 internationalen Vertrieben garantieren, dass jede Aufnahme weltweit über den Fach- und Internethandel sowie über alle wesentlichen Streaming- und Downloadplattformen verfügbar ist.


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