> > > The Welte Mignon Mystery Vol. 11: Werke von Chopin, Beethoven, Schumann, u.a.
Samstag, 18. August 2018

The Welte Mignon Mystery Vol. 11 - Werke von Chopin, Beethoven, Schumann, u.a.

Ein freier Geist


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dies ist kein 'Kammervirtuose'.

Alfred Grünfeld gehört dem Jahrgang 1852 an. Schumann lebte. Mendelssohn war kaum verstorben, Strauss und Mahler nicht geboren. Dass Tacet Grünfelds Klavierspiel zugänglich macht, ist auch aus diesem Grunde verdienstvoll. Tiefere Einblicke ins 19. Jahrhunderte sind nirgends zu gewinnen. Die klangliche Gestalt ist scharf umrissen – es handelt sich um Welte-Mignon-Rollen des Jahres 1905, am Steinway D nach hundert Jahren abgespielt und aufgezeichnet. Mag die Welte-Technik nicht alle dynamischen Nuancen wiedergeben – die Einbußen scheinen verkraftbar.

Grünfeld wurde als kaiserlicher ‚Kammervirtuose‘ und Meister des leichten Fachs verehrt und verspottet. Dass Johann Strauß ihn schätzte, tat ein Übriges: Der 'Frühlingsstimmen'-Walzer ist Grünfeld gewidmet. Allein diese Rollen widerlegen jedes Vorurteil, eine Tour d‘Horizon des klassisch-romantischen Repertoires: Chopin, Beethoven, Schubert und Schumann. Nichts ist frivol. Wer exzentrische Tempi oder Exzesse der Pedalisierung erhofft, wird glückhaft enttäuscht. (Schönster Beweis: Schumanns 'Träumerei' – straff ohne Krampf, zielbewusst schwebend.) Grünfeld ist freier als folgende Generationen, aber auch von Narzissmus. Das Relief wird kraftvoll, mit bildhauerischer Entschlossenheit nachgeformt, agogische Manipulationen sparsam und zweckmäßig eingesetzt.

Der artikulatorische Reichtum überrascht, die schlanke Pedalisierung nicht minder. Phrasierungen werden elastisch, doch unverspielt gehandhabt. Es waltet noble Lässigkeit. Grünfeld ist kein Kind des Maschinenzeitalters.

Unvermeidlich der 'Frühlingsstimmen'-Walzer, das Prunk- und Paradestück dieses Pianisten. Nach heutigem Maßstab wählt Grünfeld verblüffend breite Tempi, der Anschlag ist teilweise deftig. Das Tanzbodenhafte tritt deutlich hervor, bisweilen die Nähe zu Schubert und Lanner. Kokette Verzögerungen begegnen auch hier, doch seltener als gewohnt – und an anderer Stelle. Bei alledem hatte Grünfeld Strauß’ Segen. Haben uns Maazel und Boskovsky, Kleiber und Mehta verdorben? Die Wiener Neujahrskonzerte: Schwarze Messen des Unverstands?

Grünfelds Eigenkompositionen ('Valse mignonne', Walzer aus 'Der Lebemann') bewegen sich im stilistischen Umfeld Johann Strauß’. Teils lassen sie Lehárs dekadente Süße erahnen: als Grundnahrungsmittel wenig geeignet, als Dessert umso mehr.

Andreas Spreer besorgt die vorzügliche Aufnahmetechnik. Sie stellt auf Klarheit ab. Hans-W. Schmitz hat die Rollen vorbereitet. Agnes Böhm steuert einen außergewöhnlich sachlichen und informativen Booklettext bei – ein würdiger Rahmen. Er lenkt den Blick in die Tiefe.


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    The Welte Mignon Mystery Vol. 11: Werke von Chopin, Beethoven, Schumann, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
02.11.2016
EAN:

4009850022008


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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