> > > Jauchze du Tochter Zion: Weihnachtskantaten von Homilius, Stölzel und Rolle
Donnerstag, 23. November 2017

Jauchze du Tochter Zion - Weihnachtskantaten von Homilius, Stölzel und Rolle

Erfrischend


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein wirklich schönes Weihnachtspäckchen hat Michael Alexander Willens da geschnürt: Frische Impulse für das Repertoire durch hochwertige Kompositionen. Gesungen und gespielt wird auf nämlichem Niveau.

Erfrischend ist er immer, der Blick, den Michael Alexander Willens mit seiner Kölner Akademie in die Weiten barocken oder schon galant werdenden Repertoires für die Weihnachtszeit richtet. Das war er schon in der Vergangenheit, mit Platten zu Johann Friedrich Agricola, Johann Mattheson, Francesco Durante oder dem Malteser Girolamo Abos. Die aktuelle der regelmäßig produzierten Weihnachtsplatten bietet ein gleichfalls hochinteressantes Programm mit qualitätvoller Musik, diesmal aus Mitteldeutschland, beginnend im späten Barock mit einer klaren Tendenz zur eleganten Frühklassik hin. Es sind insgesamt fünf Kantaten zu hören, von Johann Heinrich Stölzel (1690-1749), Christoph Förster (1693-1745), dann von Gottfried Homilius (1714-1785), schließlich von Johann Heinrich Rolle (1716-1785). Stölzel bietet nach einem kontrapunktisch durchwirkten Eingangschor schlichte ariose Sätze und gesammelte Choräle – und schon nach gut sechs Minuten hat man ein gediegenes kleines Stück mitteldeutscher Barockmusik in Gänze gehört. Försters Kantate ist doppelt so lang und sie bietet prächtige Barockweihnacht par excellence, mit Pauken und Trompeten. Kompositorischer Höhepunkt ist eine große Sopran-Arie mit wunderbarem Traversflöten-Part. Gleichfalls auffällig sind mehrere sehr schön durchgearbeitete Accompagnato-Rezitative.

Eröffnet wird das Programm der Platte mit einem ästhetisch deutlich moderneren Stück, mit der Kantate 'Erhöhet die Tore der Welt' vom Kreuzkantor Homilius. Wie immer bei diesem Komponisten nehmen die Frische der Erfindung, eine empfindungsreiche Melodik, ein effektvoller Begleitsatz und schön instrumentierte Farben für das Werk ein – eine erstklassige, nach vorn gerichtete Komposition. Ästhetische Ambition unterstreicht auch Rolle: Schon der Einstieg in die Kantate 'Siehe, Finsternis bedecket das Erdenreich' gerät mit Düsternis und chromatischer Schwere fast exzentrisch für ein weihnachtliches Werk. Doch lassen Affektwechsel auf engstem Raum nicht auf sich warten, bricht sich das Licht beizeiten Bahn. Rolle schreibt Musik von einiger Größe und Repräsentativität; die Rezitative haben musikdramatische Qualitäten und lassen aufhorchen. Insgesamt ist sein Stil ein großer Schritt heraus aus dem barocken Kosmos, hin zur Sphäre klassischer Empfindung. Sein Satz wirkt elegant, zugänglich, affektsicher.

Kundige Stilisten

Ein wirklich schönes Programm also, das da erstmals vorgestellt wird. Und Michael Alexander Willens erweist sich als der erwartet kundige Interpret – ist doch seine Beschäftigung mit eher randständigem Repertoire aus dem Barock und dessen Übergangsphasen eine seit Jahren intensiv gepflegte Domäne des Dirigenten. Seine Kölner Akademie spielt das in kammerorchestraler, gelegentlich reduzierter Besetzung, mit behutsamer Sonorität und leichter Eleganz. Schöne Streicherregister harmonieren mit gezielt profilierten Bläsern, geschmackvoll entfaltete Pracht inklusive – ja, man lässt es gelegentlich krachen, aber immer kulturvoll.

Vokal geht es auch ansprechend zu. Solistisch sind die Sopranistin Hanna Herfurtner, die Altistin Carola Günther, der Tenor Georg Poplutz und der Bass Raimonds Spogis zu hören. Herfurtner nimmt mit einer klar profilierten, charaktervollen, durchaus kraftbegabten Stimme für sich ein, agiert technisch beeindruckend, mit stupender Geläufigkeit; die Phrasierung ist auf großem Atem ausgreifend. Bei Homilius wirkt ihre Diktion gelegentlich nachlässig, bei Förster dagegen ausgesprochen stark. Im Höhenfinish wirkt die Stimme gelegentlich eng und forciert. Carola Günther nimmt mit ihrer ausgeglichenen, harmonisch balancierten Stimme für sich ein, wirkt präsent und technisch überzeugend. Georg Poplutz reüssiert im expressiv erweiterten Idiom mit großer Selbstverständlichkeit, in lyrischer Eleganz ebenso wie mit edler Kraft. Vorbildlich dabei sein natürlicher Erzählton, die Lebendigkeit seiner Sprache. Raimonds Spogis schließlich ist nur selten und dann ausschließlich rezitativisch gefordert, erweist sich in diesen Beiträgen als souverän und sprachklar, behutsam den schönen Stimmkern präsentierend. Die chorischen Partien werden von den um vier Ripienisten erweiterten Solisten leicht und behände, in einem feinen Grundklang gesungen. Die Diktion ist hervorragend, sämtliche Texte sind nachvollziehbar. Technisch ist das Klangbild konzentriert, mit einem schön substantiierten Volumen in edler Anmutung realisiert.

Ein wirklich schönes Weihnachtspäckchen hat Michael Alexander Willens da geschnürt: Frische Impulse für das Repertoire durch hochwertige Kompositionen. Gesungen und gespielt wird auf nämlichem Niveau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Jauchze du Tochter Zion: Weihnachtskantaten von Homilius, Stölzel und Rolle

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203505227


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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