> > > Romberg, Sigmund: The Student Prince
Montag, 29. Mai 2017

Romberg, Sigmund - The Student Prince

Das Herz in Heidelberg verloren


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


John Mauceri und sein Ensemble bescheren Sigmund Rombergs Broadway-Operette 'The Student Prince' ein überzeugendes Revival.

Sigmund Rombergs Broadway-Operette 'The Student Prince' von 1924 ist – wenn überhaupt – hierzulande gerademal für das Walzerduett 'Deep in my heart' oder die 'Serenade' noch im Gedächtnis eines Publikums, das mit amerikanischer Unterhaltungsmusik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und mit zahlreichen Operettenmelodien im Radio aufgewachsen ist. Noch in den 1970er-Jahren schmetterten Anna Moffo und Rudolf Schock Rombergs Walzerduett, und nicht nur in den USA war Mario Lanza ein umjubelter Tenor für die 'Serenade'. Mittlerweile ist es still um Sigmund Romberg und um seine amerikanischen Operetten, selbst in Übersee, wo gerade der 'Student Prince' nach seiner Uraufführung am Broadway doch alle anderen Shows für viele Jahre in den Schatten stellte, selbst sämtliche Gershwin-Musicals und Jerome Kerns 'Show Boat'.

Freilich, die Geschichte vom Prinzen Karl-Franz, der sich als Student in Heidelberg in das Bürgermädchen Kathi verliebt und am Ende zugunsten der Politik seines Vaterlandes auf sein Glück verzichten muss, ist randvoll mit Kitsch und Sentimentalität. Das sind aber die späten Operetten Franz Lehárs ebenfalls – inklusive Verzicht-Schluss –, und das hat ihre Popularität nicht ausgebremst, im Gegenteil. Wie Lehár und auch Emmerich Kálmán kommt Sigmund Romberg aus der österreichisch-ungarischen Operettentradition. Bereits 1909 ging er nach Amerika und konnte dort seine Bühnenwerke dem amerikanischen Publikumsgeschmack anpassen. So klingen zwar eindeutig europäische Walzer und Märsche im 'Student Prince', aber das Werk atmet eben auch die Showluft des Broadways, wo die Operette schließlich auch zum Triumph wurde. Es wird also neben gefühlvollen Duetten und Liedern auch enorm viel getanzt im 'Student Prince', die Orchestervorspiele sind von großer Wichtigkeit, schnelle Szenenwechsel werden durch Reminiszenzen aufgewertet und schmissige Ensemblenummern versprechen glänzende Unterhaltung, die mit choreographierten Massenaufläufen den Zuschauer effektvoll in ihren Bann zieht.

Der WDR hat im Juni 2012 eine Gesamtaufnahme von Rombergs 'Student Prince' produziert, die nun mit einiger Verspätung auf zwei CDs beim Label cpo erschienen ist. Es ist nicht die erste Gesamteinspielung der Operette, aber nach über zwanzig Jahren eine willkommene Alternative zur etwas opernlastigen Aufnahme von 1989 mit Norman Bailey, David Rendall und Diana Montague. Wie auch diese Produktion, so verzichtet die WDR-Aufnahme auf die gesprochenen Textpassagen, lässt also eine Musiknummer nahtlos auf die nächste folgen. Das erschwert das Verfolgen der Handlung spürbar, ist aber durch das umfangreiche und hochinteressante Beiheft letztlich zu verschmerzen. Ob die Dialoge der Qualität von Rombergs Musik standhalten, bleibt somit ein Geheimnis. Vielleicht liegt hier auch einer der Gründe, weshalb 'The Student Prince' in Deutschland nie fest ins Repertoire gefunden hat: die anscheinend sehr spezielle Mischung aus einem großen Textteil und vergleichsweise wenigen Gesangsnummern.

So bleiben auch in der vorliegenden WDR-Aufnahme ungewöhnlich viele Orchesterpassagen im Gedächtnis, die all die schmachtenden Melodien in immer neuen Zusammenhängen revuepassieren lassen. Dass dieser Umstand hier nicht langatmig wird, dafür sorgt der Besetzungscoup dieser Neueinspielung: der Dirigent John Mauceri. Mit Mauceri steht dem WDR Funkhausorchester Köln ein wirklicher Kenner amerikanischer Unterhaltungsmusik vor. Er trifft genau den richtigen Ton zwischen operettigem Sentiment und zündender Broadwayshow. Den wirbelnden Märschen, die in ihrer Dauerwiederholung auch gefährlich hohldrehen könnten, nimmt Mauceri mit geschmackvollem Zugriff und hörbarer Leidenschaft die Banalität. Und wenn die Baiser-Masse auf den Liebesliedern zu dick zu werden droht, bläst Mauceri Luft unter die Oberfläche und lässt die Musik schweben. Auch wenn es um Herzschmerz-Geschichten in Alt-Heidelberg geht, klingt der 'Student Prince' dank Mauceris wissendem Zugriff nach einer wirklichen amerikanischen Operette und keinem europäischen Versuch, Rombergs Operette in Deutschland wiedereinzubürgern.

Das Ensemble zieht mit großer Lust und beachtlichem Stilgefühl mit dem musikalischen Leiter an einem Strang. Dominik Wortig hängt sich als Karl-Franz mächtig ins Zeug, tenoralen Schmelz und royale Pracht zu verströmen – mit Erfolg. Als Kathi beeindruckt Anja Petersen mit leichter Höhe und freischwebender Stimme, die attraktiv zwischen Opernsopran und klassischem Musical changiert. Bei aller Tonschönheit und technischer Versiertheit bleibt die vokale Seite der Aufnahme allerdings ein wenig blass, um nicht zu sagen brav. Da haben Dorothy Kirsten und Robert Rounseville in der Gesamtaufnahme von 1952 und auch Roberta Peters und Jan Peerce 1962 mehr vokale Direktheit und Energie auf Tonträger hinterlassen. Petersen und Wortig überzeugen dennoch, haben aber diesen etwas steifen europäischen Touch, den Rombergs Operette und auch Mauceris Dirigat eigentlich so meisterhaft umgehen.

Der Dr. Engel von Frank Blees macht auch stimmlich deutlich, dass seine Jugend einige Jahre zurückliegt, während der Tenor Vincent Schirrmacher in den Ensembles aufhorchen lässt, weil seine Stimmfrische und Agilität frappierend an den jungen Jerry Hadley erinnern. In den vielen kleinen Partien kommen Christian Sturm und Theresa Nelles als Prinzessin Margaret und Captain Tarnitz sowie Arantza Ezenarro als quirliges und glockenklares Gretchen, Wieland Satter als Lucas und Joan Ribalta als Von Asterberg zum Einsatz. Bestens aufgelegt präsentiert sich zudem der WDR Rundfunkchor Köln.

Redaktionelles Unverständnis kommt allerdings auf, wenn die Besetzungsliste einer solchen Neuproduktion unvollständig ist. Im Prolog singen vier Lakaien, definitiv solistisch, und in der Trackliste ist mehr als einmal die Rolle des Wirtes Ruder erwähnt, den man auch deutlich singen hört. Wer sich hinter diesen Stimmen allerdings verbirgt, bleibt in der cpo-Ausgabe unklar. Schade – denn ansonsten bereitet dieser 'Student Prince' fraglos 90 Minuten lang Hörfreude und könnte als Anregung für künftige Spielpläne dienen.

Interpretation:
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    Romberg, Sigmund: The Student Prince

Label:
Anzahl Medien:
cpo
2
EAN:

761203505821


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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