> > > LUXUS : Werke von Frick, Kampe, Rohloff, u.a.
Freitag, 20. April 2018

LUXUS - Werke von Frick, Kampe, Rohloff, u.a.

Mit viel Herzblut


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble LUX:NM überrascht mit einer facettenreichen klingenden Visitenkarte, die fünf Ersteinspielungen zeitgenössischer Werke enthält.

‚Luxus‘: Der Titel der CD mag leichte Irritationen auslösen, die sich allerdings auflösen, wenn man das Booklet aufschlägt. Man erlaube sich, so das Ensemble LUX:NM in der Vorrede, einen gewissen – und man kann dem hinzufügen: für viele Musiker heute nicht mehr selbstverständlichen – Luxus, indem man einer bestimmten ‚Form von intensiver Beschäftigung mit zeitgenössischer Kammermusik‘ nachgeht und dies gemeinsam mit Komponistinnen und Komponisten tut, die man schätzt. Seit seiner Gründung im Jahr 2010 hat das Ensemble kontinuierlich mit Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet und dabei neue Werke initiiert, woraus ‚nicht nur gute Kompositionen, sondern auch wunderbare Freundschaften hervorgegangen‘ seien. Demnach steckt in dieser bei Genuin erschienenen CD nicht nur viel Herzblut, sondern sie ist auch ein Dokument fruchtbarer künstlerischer Freundschaften, das nicht diktiert ist von dem, was der ohnehin nur schmale Markt für zeitgenössisches Musikschaffen erwartet, sondern von dem, was man selbst für hörenswert erachtet. Eine Entscheidung also, die Respekt verlangt.

Nach einzelnen Aufnahmen auf diversen Kompilationen und einer als Beilage zur Zeitschrift ‚Seiltanz‘ (Ausgabe 7, Oktober 2013) erschienenen Promotion-CD gibt LUX:NM mit diesem ausschließlich Ersteinspielungen enthaltenen Selbstporträt, unterstützt durch eine exzellente klangliche Realisierung, einen fulminanten Einstand und erweist sich damit als treffsicher und spannungsreich agierendes Kollektiv, das mit seiner Frische so manches der in die Jahre gekommenen und inzwischen im Hinblick auf die Musikauswahl viel zu vorsichtig gewordenen Neue-Musik-Ensembles alt aussehen lässt. Dies hängt auch mit dem spezifischen Klang des ohne Dirigenten arbeitenden Ensembles zusammen, dessen Stammbesetzung sich deutlich von derjenigen anderer Formationen unterscheidet und den Instrumenten Akkordeon (Silke Lange), Saxophon (Ruth Velten), Posaune (Florian Juncker), Klavier (Małgorzata Walentynowicz) sowie zwei Violoncelli (Beate Altenburg und Wolfgang Zamastil) besteht und je nach Notwendigkeit um die instrumentalen Facetten weiterer Gastmusikerinnen und -musiker ergänzt wird.

Die außergewöhnliche Klangwucht dieser Sextettbesetzung wird gleich zu Beginn des Tonträgers erfahrbar: Paul Fricks (*1979) Komposition 'Metal Zone' (2006/2014), als einziges der hier versammelten Werke keine Originalkomposition, sondern speziell für LUX:NM eingerichtet, entfaltet sich in einem energetisch aufgeladenen Zusammenspiel, aus dem immer wieder einzelne Musiker mit punktuell gesetzten Gegenklängen heraustreten. Resultat ist eine pulsierende Musik, die nicht nur aufgrund ihrer vertrackten Unisono-Rhythmik packt, sondern die immer wieder auch mit unerwarteten Wendungen zu überraschen vermag. Ganz anderen Klangideen folgt Gordon Kampe (*1976) in einer gewitzten Hommage an eine Episode aus Akira Kurosawas Episodenfilm ‚Yume‘ in der Komposition 'Füchse/Messer' (2014): Mit Bezug auf die elektronisch verarbeitete Tonspur des Films entwirft Kampe ein fantasiereiches Panorama, in dem sich zarte Klangbänder mit lyrischen Einsprengseln vermischen – eine Textur, die das Ensemble mit besonderer Raffinesse umsetzt –, das aber auch mit einer Phase gestisch gesetzter Forte-Ausbrüchen aufwartet, in der sich das Geschehen förmlich überschlägt, bevor es in großem Bogen wieder zu den initialen Texturen zurückkehrt. Am differenziertesten lotet Steingrimur Rohloff (*1971) die unterschiedlichen klanglichen Möglichkeiten der Ensemblebesetzung aus: Grundlage seiner Komposition 'Close Relatives' (2015) ist das Aufzeigen von Verwandtschaftsbeziehung von Klängen und harmonischen Bildungen, die er zu Beginn des ersten Teils aus leisen Mehrklängen des Saxophons ableitet und dann in die übrigen Instrumente fortsetzt, um sie im zweiten Teil zu einem Liniengeflecht aus komplex verzahnten melodischen Mustern zu formen.

Kontrastierend hierzu schafft Maximilian Marcoll (*1981) in 'Drill&Sander' (2015) ein musikalisches Abbild nervender akustischer Alltagserfahrungen, das sich – angeregt durch Schleifgeräusche von Bodenarbeiten und Bohrgeräuschen bei einer Weisheitszahn-OP – der Transkription realer akustischer Alltagserfahrungen bedient, um sie als gegeneinander verschobene Rauschtexturen miteinander zu vermitteln  Dieser Ausgangspunkt ermöglicht es dem Ensemble, die Feinheiten geräuschhafter Klangproduktion vorzuführen und und sorgt aufgrund seiner unverblümten illustrativen ‚musikalischen Malerei‘ auch für eine gewisse – vom Komponisten vielleicht gar nicht intendierte – Heiterkeit. Von Alltagserfahrungen ist schließlich auch Sarah Nemtsovs (*1980) Komposition 'JOURNAL' (2015) geprägt: Die Komponistin verarbeitet Material aus Tageszeitungen, Nachrichtensendungen und Tagebüchern zu vokalen Schnipseln, die sie über Sampler einspielen lässt und mit Instrumentalklängen konfrontiert, die durch Einsatz von Verstärkung und Klangverfremdung manipuliert sind. Ergebnis ist eine in Bezug auf ihre Dichte permanent fluktuierende Klangwelt voller Rauigkeiten, Überlagerungen, Klangballungen, Sprachfragmenten und Rauschwerten, die durch ihre skulpturartige Präsenz für sich einnimmt.

‚Luxus‘ ist, so darf man getrost sagen, eine künstlerische Visitenkarte, die es in sich hat, und vielleicht die beste Produktion aus dem Bereich der zeitgenössische Musik, die mir in diesem Jahr untergekommen ist. LUX:NM empfiehlt sich hier als junges, in vielfacher Hinsicht ungewöhnliches Ensemble, das die jeweiligen kompositorischen Vorgaben nicht nur mit einem außergewöhnlichen Ausdrucks- und Klangreichtum umsetzt, sondern dabei auch erkennbar Spaß am Musizieren und am Umsetzen der teils sehr virtuosen musikalischen Aufgabenstellungen hat. Darüber hinaus ist die CD aber auch eine Herausforderung für den Hörer: eine Herausforderung, hinter der die Einladung steht, sich doch einmal mit Musik und ästhetischen Positionen aus dem Schaffen der heute 30- bis 40-jährigen Komponistinnen und Komponisten auseinanderzusetzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    LUXUS : Werke von Frick, Kampe, Rohloff, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
04.11.2016
EAN:

4260036254433


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Kampe, Gordon


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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