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Montag, 15. Oktober 2018

Zender, Hans - Adonde? Wohin?

Im abgeschiedenen Reich der Metaphysik


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hans Zenders musikalische Suche nach Bedeutung in hervorragenden Interpretationen.

Die Musik des mittlerweile verflossenen 20. Jahrhunderts kennt viele Restaurationsprozesse bzw. Versuche, darunter auch den, den Verlust der musikalischen Räume aufzuheben. Die sich schon bei Richard Wagner anbahnende neue Idee, Musik als Klang im Raum, die den Theoretikern erst heute langsam bewusst wird, hat jedoch bis in die allernächste Gegenwart nichts an Faszination verloren. Genau hier scheint der Ansatzpunkt des Komponisten Hans Zender zu liegen, wobei er sich immer mehr Bernd Alois Zimmermanns Idee des musikalischen Pluralismus nähert. Musikgeschichte erscheint Zender nicht als Steinbruch für Zitate, sondern auch als diskussionswürdiges Material. Man denke nur an seine Ausseinandersetzung mit der Musik Schuberts oder Haydns. '¿Adónde? / wohin?' (2009) wurde von der Dichtung 'Cantico espiritual' von Juan de la Cruz inspiriert. Es ist eine filigrane Komposition für Sopran, Violine und Orchester im typischen intellektuellen Stil von Hans Zender und ist Arnold Schönberg gewidmet. 'Oh cristalina ...' (2014/16) für 3 Gruppen von Sängern und Instrumenten wurde ebenfalls von 'Cantico espiritual' inspiriert. Zender verwendet hier ausgehend von der Dur-Moll-Tonalität die gesamte Bandbreite des musikalischen Materials.

Dirigenten wie Sylvain Cambreling, Susanna Mälki, Emilio Pomàricio gelingt es, die ungeheuer subtile Differenzierung der Formvorstellungen Zenders in Klang umzusetzen. Das Klangforum Wien, der Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks, das SWR Vokalensemble Stuttgart sowie das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sind präzise agierende Klangkörper. Gleiches gilt auch für die Solisten Angelika Luz (Sopran) und Ernst Kovacic (Violine). Nur vor dem Hintergrund einer solchen hervorragenden und kompetenten Interpretation kann Zenders hochartifizielle Musik gelingen.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Zender, Hans: Adonde? Wohin?

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
04.11.2016
EAN:
4010228733624

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Zender, Hans


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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