> > > Gubaidulina, Sofia: Sonnengesang
Donnerstag, 23. November 2017

Gubaidulina, Sofia - Sonnengesang

Wiederaufnahme einer Tradition


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der NDR Chor setzt seine Tradition, zeitgenössische Chormusik zu fördern, mit dieser großartigen Einspielung auf eindrucksvolle Weise fort.

Spätestens seit ihrer Johannespassion für das Stuttgarter Bachfest 2000 ist Sofia Gubaidulina ein etablierter Name im internationalen Musikleben. Ihre anspruchsvollen Chorkompositionen sind zwar nicht allzu häufig zu hören, aber immer beeindruckende Ereignisse. 'Jauchzt vor Gott' für Chor und Orgel aus dem Jahr 1989 ist eine Vertonung einiger Zeilen aus dem 66. Psalm. Nachdem technisches Versagen der Lockenhäuser Orgel die Uraufführung auf Gidon Kremers gleichnamigem Festival abgesagt werden musste, fand die Uraufführung im Folgejahr in Köln statt. 2012 erfolgte die hier vorliegende Einspielung in der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai. Mit ihr führt der NDR Chor unter seinem Leiter Philipp Ahmann die große Tradition der Einspielung bedeutender neuer Chormusik in höchster Qualität fort – eine Tradition, die etwas ins Hintertreffen geraten war, weswegen die neue BIS-SACD (in beeindruckend großflächigem und doch klar strukturiertem Klang) umso mehr willkommen zu heißen ist. Christian Schmitt ist in diesem Fall ein kongenialer Partner, dem sein Orgelpart hörbar ‚in den Fingern’ liegt. Gleiches gilt für 'Hell und dunkel' für Orgel, eine Komposition aus dem Jahr 1976, die Schmitt 2011 in der Kulturkirche Altona (zuvor St. Johannis) einspielte – eine Komposition voller Kontraste zwischen Vertikaler und Horizontaler, zwischen einzelner Linie und Klangballung.

Der Höhepunkt der SACD ist aber 'Sonnengesang' für Cello, Kammerchor und Schlagzeug aus den Jahren 1997/8. Anders als viele andere Deutungen von Franziskus‘ ‚Cantico del sole’ war Gubaidulina eine expressive Textausdeutung wichtig – ihr großer religiöser Ernst verbietet ihr leeren freudigen Lobpreis. Und schon in den ersten Takten sind wir in einem zutiefst sakral empfundenen Werk durchaus ganz eigenen Charakters. Die anspruchsvolle Komposition, die nach der Frankfurter Uraufführung im Februar 1998 noch weiter verfeinert wurde, wird hier durch den NDR Chor, die Elbtonal Percussion (Andrej Kauffmann, Stephan Krause und Sönke Schreiber), Werner Hans Hagen (Celesta) und Ivan Monighetti (Cello) dargeboten. Die Gesangssoli werden (wie auch in 'Jauchzt vor Gott') von Chorsolisten gesungen, was dem Chorklang an sich zwar starke Homogenität verleiht, an einigen wenigen Stellen aber den ansonsten perfekten Interpretationseindruck etwas beeinträchtigt. Gubaidulinas Kompositionen sind nichts fürs einmalige Hören, sie gewinnen mit jeder neuen Befassung. Natürlich braucht es dafür Zeit. Das SACD-Booklet sollte man als Hörer zuvor studieren und dann beiseite legen, um sich ganz auf die Musik und ihre Interpretation zu konzentrieren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Gubaidulina, Sofia: Sonnengesang

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
05.10.2016
EAN:

7318599922768


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Ohne Pathos: Mit Frische, Leichtigkeit und Feuer interpretiert Christian Poltéra die Cellokonzerte von Dvorák und Martinu. Auch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin beeindruckt durch seine bemerkenswerte Leistung in solistischer und begleitender Funktion. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Ode an die Melancholie: Poetischer und ausdrucksvoller kann man sich Melancholie kaum vorstellen, als sie hier vom Chelys Consort of Viols präsentiert wird. Die zu Unrecht kaum bekannten Werke von John Dowland erreichen auf diese Weise endlich ihre verdiente Aufmerksamkeit. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Ein Weg zu Satie: Auch die Fortsetzung ihrer Einspielung der Klaviermusik Erik Saties weist Noriko Ogawa als hervorragende, sensible Pianistin aus, die ein feines Gespür für die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Stücke entwickelt, ohne sich selbst in Szene zu setzen. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Das Chambre séparée bleibt heute leer: Diese Produktion von Heubergers 'Opernball' setzt leider keine Maßstäbe. Sie ist achtbar, wenn auch nicht von besonderem Esprit getragen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Reiche Frische: Michael Alexander Willens und die Kölner Akademie beleben Carl Friedrich Abels Sinfonien mit Frische, Vehemenz und beachtlicher Detailgenauigkeit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Kosmopolit: Das Philharmonische Staatsorchester Mainz zeigt unter Hermann Bäumer, wie eigenständig Friedrich Gernsheims sinfonische Beiträge für sich stehen können, wenn man ihnen nur mit Sorgsamkeit und Liebe zum Detail begegnet. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Das Chambre séparée bleibt heute leer: Diese Produktion von Heubergers 'Opernball' setzt leider keine Maßstäbe. Sie ist achtbar, wenn auch nicht von besonderem Esprit getragen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Rascher Aufstieg: Das Arcis Saxophon Quartett erkundet Bearbeitungen und Originalwerke und zeigt sich von inspirierender Frische. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Klarinetten-Facetten: Carolin Renner spürt mit dieser Zusammenstellung den vielfältigen Ausdruckswelten der Klarinette im frühen 20. Jahrhundert nach. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz von Suppé: Il Ritorno del Marinaio - Forsti! Ehi dite?

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Julian Prégardien im Portrait "Das ganze Projekt ist eine Reise durch die Musik"
Julian Prégardien macht die Aufführungsgeschichte großer Werke anschaulich - und setzt Impulse für die Zukunft

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich