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Donnerstag, 29. September 2022

Fagerlund & Aho - Fagottkonzerte

Packende Rhythmik und symphonische Größe


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bram van Sambeek darf sich mit der Interpretation dieser beiden zeitgenössischen finnischen Fagott-Konzerte zur internationalen Holzbläserelite zählen – eine beeindruckende Aufnahme.

Fagottkonzerte sind die Stiefkinder unter den Instrumentalkonzerten für Holzbläser. Während es Flöten- und Klarinettenkonzerte in großer Zahl gibt – Oboenkonzerte etwas weniger –, ist das Repertoire für Solo-Fagottisten sehr überschaubar. Die Gründe dafür liegen wohl einerseits in der eher geringen Durchsetzungsfähigkeit des Instrumentes: Wo eine Flöte oder Klarinette gleichsam über dem Orchester schweben können, droht das Fagott unterzugehen. Andererseits gab es zumindest in vergangenen Epochen nur wenige wirklich erfolgreiche Solisten, die Komponisten mit einem Konzert beauftragen konnten. Auch die (im Vergleich zu anderen Instrumenten) mangelnde Kenntnis so mancher Tondichter über die Möglichkeiten und Grenzen des Fagottes mag eine Rolle gespielt haben.

Heute ist das nicht mehr so – virtuose Fagottisten und Komponisten, die genau wissen, was ein Instrument kann und was nicht, sind unbestritten vorhanden. Dennoch sind auch das 20. und 21. Jahrhundert nicht wirklich reich an Fagottkonzerten, schon gar nicht an solchen, die sich im Repertoire behaupten können, also beispielsweise nach ihrer Uraufführung nochmals gespielt werden. Zu den wenigen Stücken, von denen man dies behaupten kann, gehört das 2004 entstandene Konzert des Finnen Kalevi Aho, das von Bence Bogányi uraufgeführt und nun von Bram van Sambeek auf dieser als hybride SACD produzierten Aufnahme eingespielt wurde. Neben dem Konzert spielt van Sambeek auch Ahos 'Solo V' aus dem Jahr 1999 und zwei Werke von Sebastian Fagerlund: Das in den Jahren 2013 und 2014 entstandene Fagottkonzert 'Mana' und das Solowerk 'Woodlands'. Das Symphonieorchester Lahti wird in Fagerlunds Konzert von Okko Kamu, in Ahos Konzert von Dima Slobodeniouk geleitet.

Von Beginn an wird dem Hörer in Fagerlunds 'Mana' klar, dass der Rhythmus das treibende Element ist. Solist und Orchester stürzen sich gleichsam in ein wildes Treiben hinein, das nur wenige lyrische Ruhepunkte kennt. Dirigent Kamu und Solist van Sambeek nehmen die Vortragsbezeichnung des ersten Abschnittes ('Energico, sonoramente') beim Wort; die Dynamik der ersten Minuten packt den Hörer und setzt sich auch im weiteren Verlauf des Werkes fort. Van Sambeek kann seine weitreichenden technischen und musikalischen Fähigkeiten bestens entfalten, ohne je vom Orchester zugedeckt zu werden – ein Verdienst von Fagerlunds hochpräziser Orchesterschreibweise, aber auch von Kamu, der die Musiker angemessen zurückhält.

Die Energie und Rasanz von 'Mana' mögen an Strawinsky erinnern, doch die musikalische Sprache ist ohne Zweifel diejenige Fagerlunds. Punktuelle Verbindungen des Solisten mit Schlagwerk und Holzbläsern und raffinierte Streicher-Effekte sind nur zwei Beispiele für Fagerlunds Individualität und sorgen für einen bleibenden Eindruck beim Hörer. Dass das herausragende Werk auch exzellent umgesetzt wird, ist wiederum ein Verdienst der Interpreten, allen voran des hochvirtuosen Bram van Sambeek. An diese Leistung kann er mit 'Woodlands' nahtlos anknüpfen – hier fehlt allerdings auf die relativ lange Dauer von elfeinhalb Minuten doch ein wenig die Abwechslung, die in 'Mana' reichlich vorhanden war.

Ist Fagerlunds Konzert ein Werk, das in ersten Linie der Entfaltung solistischer Fähigkeiten dient – auch wenn das Orchester ein gewichtiges Mitspracherecht hat – so tendiert Ahos Stück eher in Richtung einer Symphonie mit hervorgehobenem Fagott. Die traditionelle Viersätzigkeit wird gewahrt, orchestrale und solistische Virtuosität gehen von Anfang an Hand in Hand. Wie Aho selbst im Beiheft schreibt, gibt es immer wieder ‚massive orchestral interludes and climaxes that allow the soloist sufficient pause for breath‘. Die orchestralen Steigerungen und Zwischenspiele sollen also dem Solisten das Atmen ermöglichen – angesichts der hohen Anforderungen ist dies auch notwendig. Wie van Sambeek den Solopart scheinbar spielerisch bewältigt und dabei auch noch Zeit zur dynamischen Gestaltung findet, ist ohne Zweifel beeindruckend, doch fast noch gelungener ist in diesem Werk die Verbindung von Solist und Orchester zu einem (sehr gut eingefangenen) Gesamtklang. Die expressive symphonische Kraft Ahos entfaltet sich in allen vier Sätzen, sicherlich mit Anklängen an die Tradition (vor allem diejenige Mahlers und Schostakowitschs), aber doch als hochindividuelle Lösung einer kompositorischen Herausforderung. Das Fagottkonzert des Finnen kann sowohl als solistisch-orchestrales Virtuosenstück wie auch als gleichermaßen anspruchsvolle und zugängliche zeitgenössische Komposition beeindrucken.

Von Ahos 'Solo V' kann man dies zwar nicht behaupten, ähnlich wie Fagerlunds 'Woodlands' ist das Stück eher als Fagott-Etüde – wenn auch eine sehr beeindruckende Etüde – denn als Konzertstück geeignet, es fehlt auch hier schlicht an Abwechslung. Dennoch sind vor allem die beiden Fagott-Konzerte Grund genug, diese CD zu empfehlen: Freunde der virtuosen (Holzbläser-)Literatur werden hier ohnehin zugreifen, doch auch für ganz allgemein an maßvoll moderner zeitgenössischer Musik interessierte Hörer ist die Veröffentlichung ein Gewinn. Fagerlund und Aho stehen mit ihren Fagottkonzerten für eine finnische Musik, die jedem internationalen Vergleich standhalten kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fagerlund & Aho: Fagottkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
05.10.2016
Medium:
EAN:

SACD
7318599922065


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Aho, Kalevi


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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