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Montag, 29. Mai 2017

Reger, Max - Violinkonzert

Expressiver Reger in Kolisch-Gewand


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Oehms Classics hat die 2003 vom ORF produzierte Aufnahme von Regers Violinkonzert op. 101 in der Kammerensemble-Fassung von Rudolf Kolisch mit der bravourösen Geigerin Elena Denisova übernommen. Eine wichtige Wiederveröffentlichung.

Folgt man den ausführlichen Quellenzitaten des Reger-Forschers Jürgen Schaarwächter im Booklet-Text dieser Produktion, ist dieses Violinkonzert vom Komponisten selbst schon vor der Uraufführung in die erlesene Violinkonzert-Reihe Beethoven - Brahms - … eingeordnet worden (‚Es mag ja rasend arrogant sein …‘). In einem werkreflektierenden Textentwurf wohl aus dem Zusammenhang mit Kolischs Arrangement für den Wiener ‚Verein für musikalische Privataufführungen‘ – seine erste Aufführung erfolgte im März 1922 nach Einstellung der öffentlichen Aktivitäten – prognostizierte auch Arnold Schönberg Regers Opus 101 ‚nach meiner Überzeugung bald seinen Platz neben den drei großen Violinkonzerten‘. Nicht Max Reger, sondern Max Bruch (oder gar Tschaikowsky?) dürfte heute – und Schönberg um 1922 – als Nummer 3 gelten. Dennoch gibt es mehr als ein halbes Dutzend Einspielungen des Reger-Konzerts in der Fassung mit großem Orchester – u.a. Manfred Scherzer, Ulf Wallin – und seit Anfang 2016 auch eine Aufnahme der Kolisch-Fassung mit Winfried Rademacher und dem Linos Ensemble (Label: Capriccio), welche die Bearbeitung und ihren Vereinskontext werbewirksam auf dem Cover sichtbar macht (im Gegensatz zu Oehms Clasics, wo der Hinweis allerdings auf dem Backcover zu finden ist).

Mit der Übernahme einer ORF-Produktion vom April 2003 aus dem Kärntner Landeskonservatorium, die ab 2007 schon eher kurzzeitig auch auf CD erhältlich war (über Preiser Records), darf sich Oehms Classics allerdings einer diskographischen Großtat rühmen: Die vom russischstämmigen Ehepaar Elena Denisova als Solistin und dem Pianisten Alexei Kornienko als Ensembleleiter hervorragend gestaltete Aufnahme reißt in ihren rasanten knapp 47 Minuten – Rademacher benötigt zehn mehr! – von Beginn an mit (auch wenn die wohl trotz Studio-Bedingungen etwas zu hallige, im vermischten Ensembleklang nicht immer gut durchhörbare ORF-Aufzeichnung der Deutschlandfunk-Produktion bei Capriccio technisch klar unterlegen sein dürfte). Die Dokumentation der unglaublichen Spiel- und Ausdrucksvielfalt, die Denisova dem in der Brahms- und Tschaikowsky-Konkurrenz durchaus auf Glanz und Virtuosität ausgelegten Solopart angedeihen lässt, ist aller Ehren wert.

Eine fulminante Idealvorstellung des anspruchsvollen Soloparts

Die Neu-Edition von Oehms hat – neben einem in der Nutzung höchst anfälligen Papp-Digipack – leider editorisch doch kleinere Schwächen. Der Bookletautor liefert durch Zitate und eigene Beschreibungen formaler Aspekte eine wirklich gute Einführung in das ‚große‘ Konzert, sagt jedoch nicht viel zu Spezifika der Bearbeitung von Rudolf Kolisch. So vermisst man im Booklet besonders auch eine Angabe der genauen Ensemble-Besetzung – die mit Streicherquintett (inkl. Kontrabass), Klavier, Harmonium und (nur) den drei Bläsern Flöte, Klarinette und Horn mehr oder minder dem kammermusikalischen Usus des Schönberg-Vereins entspricht (das Harmonium tritt als Orchestersatz-Kleister übrigens klanglich kaum hervor). Interessant wären auch die zugehörigen Namen der Musiker des Gustav Mahler Ensembles, das übrigens in der Erstveröffentlichung weniger griffig Collegium Musicum Carinthia hieß und deren dortige Namensliste nun bei Oehms leider unterschlagen wurde: Ich wollte vor allem wissen, wie das überragend spielende Horn – im ersten Satz zweiter herausragender Solist der Aufnahme – heißt: nämlich Roland Lukovicky; und ob Kornienko auch Klavier spielt: nein, Tamara Atschba steuert die von Kolisch geschickt und idiomatisch eingebauten Klangsignaturen dieses Instruments bei, etwa im nicht zu melancholisch-salonhaft genommenen zweiten Satz. Solche Informationen benötigen leider eigene Recherchen, somit ist neben dem generellen Lob auch etwas Label-Kritik angebracht. Grafisch sind die Bilder der Geigerin – im Booklet-Innern übrigens mit Mann, Geige und Hund beim edlen Optiker – viel einnehmender als verbal der Prototyp einer überzogen schwärmerischen Künstlerbiographie, den wohl die Künstleragentur hier ihrer ‚immer authentischen, bei all ihrer Ausstrahlung symphatischen und bescheidenen Künstlerin‘ hat angedeihen lassen.

Wobei ja manche Attribute angesichts der Aufnahme dann durchaus stimmen: Die Kagan-Schülerin Elena Denisova vermag es tatsächlich, die ihr ganz unbescheiden vorab bescheinigte ‚höchste musikalische Reife, absolut individuelle Interpretation und überlegene Virtuosität‘ als ‚Botschafterin der Klangsinnlichkeit‘ (!) für Max Reger einzusetzen, in den rahmenden Instrumentalfarben und Momenten des emotionalen Ausdrucks ganz hervorragend begleitet vom wie auch immer genannten Ensemble, dessen Gestaltung des ungewohnt kammermusikalisch lichten Orchesterparts das oft übermäßig Symphonisch-Wuchtige der ‚Originalfassung‘ nirgendwo vermissen lässt. Zweifellos sind weitere Aufnahmen dieser Geigerin in solchem Repertoire auch mit großem Orchester wünschenswert – über die sporadisch erschienenen bisherigen Arte-Nova- und Oehms-Aufnahmen (sowie zwei Alben bei Gramola) hinaus. Dieses Reger-Kammer-Konzert ist jedenfalls eine brauchbare, ja mustergültige Visitenkarte für die Solistin, den Bearbeiter und eine Komposition, die es so vielleicht doch einmal – seien wir noch einmal vorsichtig mit Reger ‚arrogant‘ – unter die Top Ten der meistgespielten Violinkonzerte schaffen könnte …

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reger, Max: Violinkonzert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
25.11.2016
EAN:

4260330918628


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Reger, Max


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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