> > > Cherubini & Plantade: Requiem-Kompositionen für Louis XVI. und Marie-Antoinette
Dienstag, 21. Januar 2020

Cherubini & Plantade - Requiem-Kompositionen für Louis XVI. und Marie-Antoinette

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Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hervé Niquet stellt dem Requiem von Cherubini ein ungleich seltener zu hörendes von Charles-Henri Plantade zur Seite. Das ist nicht nur historisch interessant, sondern auch musikalisch reizvoll.

Die französische Musik der Zeit der nachnapoleonischen Zeit und damit der Restauration unter Louis XVIII. und Charles X. ist bis heute kaum ins öffentliche Bewusstsein geraten. Denkt man an die Musik in Frankreich und besonders in Paris ab 1814, so tut sich zunächst eher ein tiefes Loch auf, das sich in einer doch beachtlichen Ignoranz der Musik von Cherubini, Pleyel, Onslow oder Reicha spiegelt (Meyerbeer, Rossini und andere Opernkomponisten gehören mehr oder minder schon zur Folgegeneration).

Charles-Henri Plantade (1764–1839) gehört ebenfalls zu den heute eher unbekannten Komponisten; Page am Hofe von Louis XV., noch im Ancien Régime Komponist mehrerer äußerst erfolgreicher Lieder, Lehrer im Kreise Napoléons, ab 1806 Hofmusiker für die Königin der Niederlande und in der Restauration wichtiger Musiker in Paris, der u.a. Musik zur Krönung Charles X. beisteuerte. Sein Requiem anlässlich des dreißigsten Jubiläums der Hinrichtung Marie Antoinettes 1823 – acht Jahre nach Cherubinis d-Moll-Requiem, das 1816 zu einer Zeremonie zu Ehren Louis XVI. gespielt wurde (und vier Jahre später anlässlich des Todes des Duc de Berry).

Beide Werke sind von der Grundkonzeption und auch in ihrem Verzicht auf Gesangssoli eng vergleichbar, doch obschon Cherubinis vielfach eingespielte Komposition (historisierend erstmals 1994 unter Christoph Spering) gleichermaßen Momente der Wiener Klassik und der Revolutionszeit (herausragende Bedeutung der Bläser) enthält und eine beachtliche Anzahl an dramatischen Ausbrüchen bietet (Haydn und Beethoven sollen das Werk wertgeschätzt haben), enthält es doch auch Elemente, die weit ins 19. Jahrhundert reichen und schon auf Schumanns geistliche Chorwerke der Jahrhundertmitte vorausweisen. Auf ganz andere Weise verbindet auch Plantades Komposition Tradition und Gegenwart, nämlich durch die Vokaltextur, die teilweise auf die Motettentradition Rameaus zurückweist; der wiederkehrende Gongschlag im Introitus gemahnt auf ganz eigene Art an den Anlass der Entstehung, und die ‚Osanna‘-Rufe sind alles andere als Rufe des Lobpreises, sondern vielmehr Widerspiegelungen der Gräuel der Revolution; auch das 'Pie Jesu' verstärkt die verstörende Wirkung der Komposition (mit laut wehklagenden Hornrufen). Gerade die Sequenz beweist die Bedeutung Plantades für Berlioz‘ Requiem des Jahres 1837, während andere Sätze eher traditioneller in der Ausarbeitung sind.

Hervé Niquet bietet mit seinem Concert Spirituel eine kraftvolle, vor knalligen Effekten nicht zurückschreckende Interpretation, der es aber auch nicht an introvertierten lyrischen Momenten mangelt. Gerade durch ihre Gegenüberstellung gewinnen beide Kompositionen (es wäre reizvoll, würde Niquet auch die Requiemvertonungen von Reicha und Pleyel, beide deutlich früher entstanden, ‚im Dialog‘ vorlegen). Chor wie Orchester sind von schöner Homogenität; die Hofkapelle Versailles scheint die Musiker zu beflügeln, so dass die Interpretationen sowohl geistige Weihe als auch verstörend-starke Affektationen transportieren. Vor allem Plantades Komposition erweist sich als von besonderer Qualität, interpretatorisch und aufnahmetechnisch vorbildblich wiedergegeben. Auch das mehrsprachige Booklet entspricht dem hohen Anspruch der gesamten Interpretation.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cherubini & Plantade: Requiem-Kompositionen für Louis XVI. und Marie-Antoinette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
07.10.2016
Medium:
EAN:

CD
3760014192517


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Cherubini, Luigi


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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