> > > Beethoven, Ludwig van: Resound Beethoven Vol. 4
Samstag, 7. Dezember 2019

Beethoven, Ludwig van - Resound Beethoven Vol. 4

Erdig


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Martin Haselböcks Aufnahme von Beethovens 'Eroica' im Eroica-Saal bringt vor allem die tiefen Stimmen gut zur Geltung. Die Akustik des Raums macht jedoch offenbar ein zurückhaltendes Tempo notwendig.

Es ist über dreißig Jahre her, da entstand die erste Einspielung von Beethovens ‚Eroica‘ auf historischen Instrumenten. Die Academy of Ancient Music unter Christopher Hogwood verfolgte damals eine Erkundung der historischen Klanggestalt – während andere Aspekte dessen, was heute historisch informierte Aufführungspraxis heißt, teilweise sträflich vernachlässigt wurden, in jener ersten Einspielung ganz besonders die Tempofrage. Seither hat sich die Geschichte der musikalischen Aufführungspraxis immens weiterentwickelt, und heute eine Interpretation zu bieten, die tatsächlich immer noch mit etwas Neuem aufwarten kann, ist mit Blick auf die überreiche Diskografie fast unmöglich.

Martin Haselböcks ‚Resound Beethoven‘-Reihe versucht auf ihre Weise durchaus etwas Eigenes beizusteuern – allen voran den historischen Aufführungsort. Das Wiener Palais Lobkowitz, das Ende des 17. Jahrhunderts erbaut wurde, hat die Zeiten fast unbeschadet überstanden, und es war längst überfällig, eine historisch informierte Aufführung der ‚Eroica‘ im berühmten ‚Eroica-Saal‘ einzuspielen, in dem (damals noch Festsaal genannt) die Uraufführung am 9. Juni 1804 stattfand. Von der Tempowahl her ist Haselböck ein Interpret, der eher dem Gros der ‚gemäßigten Historisten‘ zurechnen ist denn den ‚Extremisten‘ Norrington und Gardiner, die kurz nach Hogwood bereits bewiesen, dass die angeblich unmöglichen Metronomangaben, die durch Carl Czerny überliefert sind, durchaus musikalisch Sinn ergeben (mancher Dirigent der 1950er- und 1960er-Jahre hatte ihnen dies schon vorgemacht).

In einer Besetzung von nur 28 Musikern wird die Komposition vergleichsweise klar und leicht – aber musikalisch nicht ganz so klar und leicht, wie dies Norrington 1987 mit den London Classical Players vorgemacht hat. War bei Norrington oder Gardiner der Aufnahmeraum sozusagen neutral konnotiert, steuert der Eroica-Saal seine eigene Aura bei, die die Interpretation selbst in der Tat in die zweite Reihe verweist. Der Nachhall des Saales erfordert nämlich offenkundig eine gewisse Tempozurücknahme, um den Raum ‚atmen‘ zu lassen. Man fragt sich unwillkürlich, warum die Aufnahme ‚nur‘ als CD, nicht als SACD, DVD oder Bluray vorgelegt wurde. Natürlich sind alle Klangnuancen fein ausgearbeitet, doch selbst Hogwoods Interpretation wirkt insgesamt durchpulster als Haselböcks – abermals bedingt offenbar durch die Erfordernisse des Aufnahmeraumes. Haselböck und sein Orchester Wiener Akademie bieten eine ‚erdige‘ Interpretation, in der die tieferen Frequenzen besonders klar zum Vorschein treten, während etwa die Violinen, aber auch die Hörner weniger prominent erklingen. Aus dieser Perspektive des ‚natürlichen‘ Klangs wirkt die neue Wiener Einspielung klanglich nicht so fein austariert wie Norrington, dramatisch nicht so feinnervig wie Gardiner, sind die einzelnen Instrumente nicht ganz zu scharf voneinander trennbar wie im Tonstudio, aber dramaturgisch ehrlich und musikalisch sorgfältig ausgearbeitet. Besondere Höhepunkte der Interpretation sind der langsame Satz, der in seinem Farbenreichtum von ganz eigenem Reiz ist, aber auch das Scherzo, das besonders im Piano eine ganz eigene Aura ausstrahlt (die Pizzicati kommen ganz besonders gut zur Geltung).

Als musikgeografisch nicht ganz nachvollziehbar muss die Beigabe zu der knapp 50-minütigen ersten CD bezeichnet werden. Beethovens Septett Es-Dur op. 20 für Violine, Viola, Cello, Kontrabass, Klarinette, Horn und Fagott steht zwar in derselben Tonart wie Beethovens Dritte, doch scheint dem Verfasser diese Verbindung zu wenig schlagend. Das Werk, das Beethoven Kaiserin Maria Theresia widmete, erlebte seine erste bekannte Aufführung am 2. April 1800 im Wiener Burgtheater, das in seiner damaligen Gestalt schon 1838 nicht mehr existierte und 1888 komplett abgerissen wurde. Wann das Septett erstmals im Palais Lobkowitz zu hören war, berichtet das Booklet leider nicht, das auch sonst immer wieder allzu sehr an der Oberfläche bleibt. Man würde gern mehr über die Dimensionen des 120 Quadratmeter großen Saals erfahren, die Raumhöhe, ggf. die Praxis der Nutzung von Teppichen oder Vorhängen und Podien bei Musikaufführungen – essenziellen Informationen, wenn man den Raumeindruck als genuin wichtig für die Einspielung mitberücksichtigen will.

Wie in der Sinfonie spielen die Musiker ohne Netz und doppelten Boden, schönen nichts, so dass auch hier die Ursprünglichkeit der Interpretation des sechssätzigen Werkes besonders auffällt. Dass die Musiker bestens aufeinander abgestimmt sind, bedarf kaum einer Erwähnung, dennoch mag Monica Huggett in der Einspielung des Ensembles Hausmusik denn doch die Palme nach Hause tragen. Dem musikalischen Eindruck nach muss es ein ganz besonderes Erlebnis für das Orchester Wiener Akademie gewesen sein, an so geschichtsträchtigem Ort zu musizieren, doch wäre gerade dann, wie schon bei der Sinfonie angemerkt, eine opulentere Präsentation (DVD, Bluray) für noch nachhaltigeren Genuss wünschenswert gewesen. Allerdings muss auch betont werden, dass die Akustik des Eroica-Saals für das Septett besonders geeignet scheint, die Klarheit des musikalischen Eindrucks  nicht optimierbar erscheint.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Resound Beethoven Vol. 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
2
07.10.2016
Medium:
EAN:

CD
3760014194740


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Beethoven, Ludwig van


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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