> > > Telemann, Georg Philipp: Trompeten & Horn Konzerte
Freitag, 24. Februar 2017

Telemann, Georg Philipp - Trompeten & Horn Konzerte

Naturtöne


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sigiswald Kuijken ist seit langem als Interpret und Ensembleleiter explorativen Muts bekannt und auch dafür, fähige Mitstreiter davon zu überzeugen, auf seinen oft wagemutigen Wegen mitzugehen. Das gilt auch für die Brüder Jean-François und Pierre-Yves Madeuf, die hier als Solisten auf heiklem Terrain zu erleben sind.

Sigiswald Kuijken lässt mit seiner Petite Bande von sich hören, aktuell mit einer wirklich feinen Platte voller Telemann – Trompeten- und Hornkonzerte, genauer: Konzerte, dazu eine große Suite und eine eigenwillige Sonate. Auch wenn die Besetzungen mit Streichern, Basso continuo und jeweils einem Solo von Trompete oder Horn beziehungsweise zwei duettierenden Hörnern fast identisch sind und sämtliche Kompositionen sogar in derselben Tonart D-Dur stehen: Zu hören ist ein Programm größter Varianz – stilistisch und formal, von der französisch durchwehten Ouvertüre bis zum spritzigen italienischen Konzert. Das alles vollzieht sich in denkbar klar geformten Satzcharakteren, deren Grundideen Telemann höchst individuell und mit verschwenderisch großzügiger melodischer Invention, dazu mit ebenso effektvollem wie ökonomischem Einsatz der ja wirklich knappen Ressourcen formt.

Telemann also als Meister instrumentenspezifischer Vielfalt. Gerade der schlanke Klang der erklingenden Naturtoninstrumente verweist auf manches Konzert mit mehreren Soli, in dem Telemann die Trompete auch in denkbar unwahrscheinlich wirkenden Kombinationen, etwa mit einer Blockflöte besetzt: Der auf der vorliegenden Platte zu erlebende Klang macht auch das mehr als plausibel, was der Gegenwart wenig überzeugend scheint.

Gereifte Expertise

Sigiswald Kuijken ist seit langem als Interpret und Ensembleleiter explorativen Muts bekannt und auch dafür, fähige Mitstreiter davon zu überzeugen, auf seinen oft wagemutigen Wegen mitzugehen. Das gilt auch für die Brüder Jean-François und Pierre-Yves Madeuf, die hier als Solisten auf heiklem Terrain zu erleben sind und das schon mehrfach in der Vergangenheit gewagt haben – in einzelnen der Kantaten-Einspielungen ebenso wie bei orchestralem Bach haben die Madeufs die Naturtoninstrumente erprobt und es ist tatsächlich erstaunlich, welche Entwicklung ihr Spiel insgesamt genommen hat: Heute klingen sie erstaunlich elegant, behände und wendig, mit einer Geläufigkeit ohne Makel. Vor allem die Trompete von Jean-François ist sehr profiliert und präsent, freilich mit einem wirklich schlanken Ton von edlem Charakter. Die instrumententypische Brillanz ist in Nuancen zu hören; das aus dem 18. Jahrhundert stammende Instrument des Nürnbergers Johann Wilhelm Haas wirkt ausgesprochen charmant und agil. Das Horn von Pierre-Yves liefert einen gleichfalls vollgültigen Beitrag, bei dem vielleicht noch ein wenig mehr Transfer beim Hören nötig ist; duettierend klingen die Hörner – von Graham Nicholson 2013 realisierte Nachbauten eines Wiener Vorbilds vom Beginn des 18. Jahrhunderts – sehr überzeugend.

Natürlich hört man bei diesen Instrumenten ganz besonders auf die Intonation: Das Ergebnis ist sehr überzeugend, eine durchaus positive Überraschung. In dieser Hinsicht haben sich die Madeufs auf der Basis weiter ausgefeilter technischer Beherrschung – verglichen mit den früheren Bach-Aufnahmen – deutlich entwickelt und beeindruckende Fortschritte gemacht. Allenfalls in extremen Randlagen sind noch gewisse Einbußen in punkto Präzision zu machen.

Das Ensemble ist solistisch besetzt und fasst die Kompositionen konsequent als Kammermusik auf, mit einigem Ertrag: Gespielt wird höchst delikat, mit Konzentration auf transparente Strukturen durch sehr präsente Stimmen. Ein von Benjamin Alard erfreulich plastisch gespieltes Cembalo grundiert mit kräftiger Zeichnung, gelegentlich auch in vollgriffiger Freiheit manche Leerstelle füllend. Insgesamt ist ein sehniger Grundklang zu hören von schlanker Kraft. Natürlich: Wer ein Kammerorchester haben muss für sein Telemann-Glück, der wird vermutlich enttäuscht sein von den dynamischen Möglichkeiten des Ensembles. Alle anderen finden ein zwar fein, aber vollgültig gestuftes Tableau. Auch das Motorische etlicher repetitiver Figuren wird schlüssig präsentiert; manches Largo – vorzugsweise ohne geblasenes Solo – wird seelenvoll ausgesungen. Das Klangbild ist fein gestaffelt, licht und lebendig. Es vermeidet alles Karge und gesteht dem Violone in Verbindung mit dem Cembalo sogar eine gewisse Fülligkeit zu.

Sigiswald Kuijken ist auf seinen künstlerischen Wegen immer wieder auch als konsequenter Dickschädel aufgefallen, der nach fundierter Analyse zahlreicher Quellen zu unorthodoxen Lösungen gefunden hat. Und er hat im Kern immer Recht behalten, ohne mit seinen Erkenntnissen und Überzeugungen andere indoktrinieren zu wollen: Ob bei der vokalsolistischen Besetzung der Bach-Kantaten, beim Einsatz seines wohlklingenden Schulter-Cellos oder jetzt bei den Naturtonversionen von Trompete oder Horn. All das hat nach einer Zeit der Erprobung und der hörenden Gewöhnung wunderbar funktioniert. Das ist auch hier bei Telemann zu erleben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Trompeten & Horn Konzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
07.10.2016
EAN:

4015023243187


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Telemann, Georg Philipp


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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