> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Sonaten für Violine und Klavier Vol.2
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Mozart, Wolfgang Amadeus - Sonaten für Violine und Klavier Vol.2

Aufgewirbelt


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch mit der zweiten Folge ihrer Gesamteinspielung von Mozarts Violinsonaten schicken Alina Ibragimova und Cédric Tiberghien den Hörer wieder auf Entdeckungsreise.

Wolfgang Amadeus Mozarts kammermusikalisches Schaffen ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Nicht nur, weil er eine Vielzahl an großartigen Werken hinterlassen hat, sondern auch, weil er sich während seiner gesamten kompositorischen Schaffenszeit immer wieder mit den unterschiedlichen kammermusikalischen Besetzungen auseinandersetzte. So veranschaulichen auch seine Violinsonaten die Entwicklung dieser Gattung auf einzigartige Weise: Während die frühen Werke noch den Charakter einer durch die Violine begleiteten Klaviersonate haben, zeigen die späteren, klassischen Sonaten Violine und Klavier als gleichberechtige Partner.

Die Geigerin Alina Ibragimova und der Pianist Cédric Tiberghien haben sich vorgenommen, diese Entwicklung in aller Deutlichkeit aufzuzeigen und stellen die einzelnen Violinsonaten aus Mozarts unterschiedlichen Schaffensperioden einander gegenüber. Dem Hörer eröffnen sich durch den direkten Vergleich von frühen, mittleren und späten Sonaten im besten Fall neue Erkenntnisse. Soweit das theoretische Konzept – in der Praxis hat dies auf der ersten Folge ihrer Gesamteinspielung bereits gut funktioniert.

Auch auf Vol. 2 des von Hyperion herausgebrachten Sonatenzyklus haben die beiden Mozarts Violinsonaten wieder gut durchgeschüttelt und kräftig (auf-)gemischt. Die Sonaten F-Dur KV 376, B-Dur KV 15, A-Dur KV 402, und C-Dur KV 6 sowie D-Dur KV 29, G-Dur KV 9, D-Dur KV 7 und A-Dur KV 305 sind auf der Doppel-CD versammelt. Ein kultivierter, leichter Klang und der von Ibragimova durchdachte Einsatz des Vibratos zeichnen diese Einspielung aus, ebenso ein ausbalanciertes Zusammenspiel und lupenreine Intonation. Vor allem Ibragimovas Tongebung zeigt sich wandelbar und flexibel. Der Wechsel zwischen Führung und Begleitung gelingt ihr mühelos und überzeugend. Tiberghien hingegen bleibt stellenweise dezent im Hintergrund, wie im 'Rondeaux' der Sonate KV 376, wo etwas mehr Zugkraft seitens des Klaviers der Interpretation gut getan hätte, um einige Facetten deutlicher herauszuarbeiten. Ausgezeichnet hingegen gelingt den beiden die Sonate KV 305. Ein Glanzpunkt dieser Einspielung ist das 'Allegro di molto', in dem mit Verve, Spielfreunde und Fingerspitzengefühl für Tempo und Spannungsbögen musiziert wird.

Insgesamt ist bei dieser Folge auffällig, dass über die Hälfte der hier zusammengefassten Sonaten aus der frühen Schaffensperiode stammt. Dadurch wird (nebenbei oder beabsichtigt) ein Schwerpunkt auf Mozarts frühe Sonaten gelegt. Begrüßenswert ist jedoch, dass den beiden Interpreten auf dieser Folge ein besserer Zugang zu den Werken gelingt. So wird beispielsweise Mozarts allererstes Werk der Gattung (er war gerade einmal sieben Jahre alt), die Sonate KV 6 herrlich frisch musiziert. Darauf folgt das facettenreiche Menuett der Sonate KV 9, in dem Ibragimova und Tiberghien vom zupackenden Gestus mühelos ins Liebliche wechseln. Ebenso schattierungsreich gelingt das 'Allegro molto' aus KV 7. Ibragimova gestaltet die Linie und die Phrasen des nicht eben virtuosen Violinparts durchdacht, um das Klavier gezielt zu unterstützen. So tritt die begleitende Funktion der Violine in ganzer Deutlichkeit zu Tage. Die sich anschließende Sonate KV 305 veranschaulicht dann die Weiterentwicklung der Gattung: Gleich zu Beginn des 'Allegro di molto' stellen Violine und Klavier unisono das markante Thema vor, das im Verlauf von der Violine weitergeführt wird – ein Charakteristikum, das insbesondere in einer solchen Gegenüberstellung an Gewicht gewinnt und umso deutlicher hervortritt.

Genau umgekehrt verhält es sich bei der Sonate KV 402 und der sich anschließenden Sonate KV 6. Hier wird man als Hörer ganz plötzlich aufs Startfeld zurückgesetzt. Am allerdeutlichsten ist dieser (Rück-)Schritt im 'Andante' wahrnehmbar, in dem sich Ibragimova fast bis ins Pianissimo zurück zieht. Hier wird nicht nur die Entwicklung der Gattung Violinsonate betont, sondern auch Mozarts eigenes kompositorisches Voranschreiten und die Entwicklung seines Stiles deutlich wahrnehmbar gemacht.

Man darf gespannt sein, wann sich die beiden nun an die ‚großen‘ späten Sonaten wagen. Ihr Konzept geht jedenfalls immer noch auf und macht die zweite Folge abwechslungsreich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Mozart, Wolfgang Amadeus: Sonaten für Violine und Klavier Vol.2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
2
07.10.2016
EAN:

034571280929


Cover vergössern

Mozart, Wolfgang Amadeus


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... Konservativ, aber raffiniert: Von den vier hier zu hörenden Werken aus der Feder von William Walton können vor allem das Violinkonzert und die Partita für Orchester überzeugen. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Traditionell: Diese Sheppard-Platte bietet einen lebendigen, interpretatorisch hochstehenden Beleg für die Qualitäten der englischen Chortradition abseits der hochspezialisierten Solistenensembles, die das Bild heute so nachdrücklich prägen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Kein Akademist: Sam Haywoods Annäherung an diese Klavierwerke von Charles Villiers Stanford ist feinfühlig, aber legt ihren ganz besonderen Reiz doch nicht ganz frei. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Yvonne Rohling:

  • Zur Kritik... Intensives Farbenspiel: Bratschist Nils Mönkemeyer spielt Werke von William Walton, Max Bruch und Arvo Pärt und bringt sein Instrument wahrhaft meisterlich zum Klingen. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Familienbande: Antonín Dvorák und Josef Suk im direkten Dialog: Das tschechische Josef Suk Piano Quartet wartet mit einer facettenreichen Einspielung zweier Werke von bekannten Landsleuten auf. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Formidable!: Die neueste Einspielung des Feininger Trios steht ganz im Zeichen der französischen Kammermusik und fasziniert wieder einmal mit einem enorm großen Spektrum von Klangfarben und Nuancen. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
blättern

Alle Kritiken von Yvonne Rohling...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Bach privat: Andreas Staier hat mit seinen ganz offenkundig begeisterten, jedenfalls begeisternden Mitstreitern einen stimmigen Versuch gewagt: Das mag Bach und seine Familie, seine Freunde und Schüler musikalisch beschäftigt und delektiert haben. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Beethoven für Millennium Snowflakes: Nun also Lars Vogt im New Millennium Look, zusammen mit der Royal Northern Sinfonia aus Sage, Großbritannien. Das Orchester dirigiert er gleich selbst. Irgendwie selbstverständlich in unseren DIY-Zeiten. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Ein Weihnachtsoratorium: Das Engagement der Ensembles und des Dirigenten für dieses noch immer selten gespielte Weihnachtsoratorium von Graun ist hocherfreulich und verdienstvoll. Vermutlich wird nichts Kanonisches ersetzt. Eine lohnende Alternative ist es dennoch. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (10/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich