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Mittwoch, 15. Juli 2020

Song of the Nativity - The Sixteen

Stimmungsvoll


Label/Verlag: Coro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Natürlich nicht in einem flachen, vordergründigen Sinn, sondern in tiefer künstlerischer Reflexion des weihnachtlichen Gedankens durch exzellentes englisches Repertoire, das eine wunderbare Alternative zum hierzulande Üblichen bietet. Selbstverständlich wird hervorragend gesungen. The Sixteen eben.

Weihnachtsplatten etablierter englischer Vokalensembles versprechen verlässlich interessante Programme in niveauvoller Interpretation. Auch das von Harry Christophers gegründete, unerhört produktive Ensemble The Sixteen hat in seiner Diskografie schon einige seit Jahren höchst erfolgreiche Alben mit Weihnachtlichem. Jetzt liegt eine neue Platte vor, wiederum erlesen programmiert und durchdacht konzipiert. Unter dem Titel ‚Song of the Nativity‘ hat Christophers drei Schichten kunstvoll miteinander verblendet, auch in tatsächliche Beziehung zueinander gebracht. Grundlage sind etliche schlichte Carols aus dem 1928 erschienenen ‚Oxford Book of Carols‘, die das idealtypisch einlösen, was Christophers mit Blick auf die weihnachtliche Musikproduktion der jüngeren Vergangenheit beklagt: Auch schlichte Melodien seien in ihren unmittelbaren Wirkungen allzu sehr von ambitionierten Sätzen verstellt gewesen, beinahe bis zum vollständigen Zurücktreten hinter die Kunst der Arrangeure. Im Programm der vorliegenden Platte werden die Carols konsequent als Ruheinseln eingefügt, in all ihrer Geradlinigkeit schlank und schön entfaltet.

Es muss sich aber niemand vor leichter Süßlichkeit fürchten: Die zweite klingende Ebene bilden Kompositionen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von Peter Warlock, John Ireland, John Gardner und Boris Ord, zuzeiten spätromantisch durchweht, aber auch in klar geformten Gesten sprechend. Den dritten und bei weitem größten Teil machen die Werke von Komponisten der Gegenwart aus, künstlerisch ebenso prominent wie nominell: Morten Lauridsen, Howard Skempton, Gabriel Jackson, Will Todd, Cecilia McDowall, Alec Roth, Bob Chilcott, John Rutter, Alan Bullard und James MacMillan lassen manches hören, das sich in das traditionelle Idiom der Carols einfühlt, ganz selbstverständlich Anschluss findet, setzen mit klanglicher Würze und kantigen Sätzen aber auch manch dezidierten Akzent – eine bemerkenswert stimmige und an Abwechslung reiche Satzfolge.

Engagiert

Harry Christophers und The Sixteen gelingt es, dieses Programm zu einem dringlichen interpretatorischen Anliegen zu machen, höchst seriös sämtliche Qualitäten des Ensembles mit Überzeugung in die Waagschale zu werfen. Also sind auch hier hervorragend konturierte Register zu erleben, die alles vermögen und doch vor allem mit extremer Konzentration und beteiligter Sammlung punkten können. Unter den dieses Mal 18 Vokalisten sind renommierte Consort-Sänger und veritable Solisten wie Julie Cooper, Sally Dunkley, Jeremy Budd, Mark Dobell, Ben Davies oder Robert Macdonald. Gemeinsam singen sie in wie immer erstaunlicher dynamischer Bandbreite, kosten ihre Möglichkeiten lustvoll aus, brillieren hier aber mehr als sonst im geduldigen Nuancieren, das diesem Programm so gut zu Gesicht steht. Intoniert wird hervorragend und selbstverständlich, erweist sich die Formation als optimal aufeinander abgestimmtes Ensemble, das auch in kraftvoller Geste nichts von dieser Makellosigkeit einbüßt. Und es ist großartige Phrasierungskunst zu erleben, natürlich mit üppigen Lyrismen, aber auch mit impulsreicher Agilität, wo immer möglich. Gerade die neueren Sätze bieten in dieser Hinsicht viel reizvolles Material – eine Vorlage, die The Sixteen dankbar annehmen. Klanglich ist das Geschehen in großem Raumklang klar realisiert, nobel in der Wirkung, bei aller Präzision nicht kühl, eher angemessen stimmungsvoll.

Und so ist auch die ganze Platte zu nennen: stimmungsvoll. Natürlich nicht in einem flachen, vordergründigen Sinn, sondern in tiefer künstlerischer Reflexion des weihnachtlichen Gedankens durch exzellentes englisches Repertoire, das eine wunderbare Alternative zum hierzulande Üblichen bietet. Selbstverständlich wird hervorragend gesungen. The Sixteen eben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Song of the Nativity: The Sixteen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coro
1
07.10.2016
Medium:
EAN:

CD
828021614620


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Coro

CORO is the lively and successful record label of Harry Christophers and The Sixteen. Formed in 2001 Coro has re-mastered, re-packaged and re-issued recordings of The Sixteen that were for a short time available on Collins Classics and now releases most of the ensemble?s new recordings. The label also features artists such as The Hilliard Ensemble, Elin Manahan Thomas and Sarah Connolly as well as a ?Live? series and young artists focus. It has recently launched the Acoustic World series of discs which epitomize CORO?s values of excellence of performance, authentic instruments, brilliance of sound and world class musicians.

Celebrated releases include Allegri?s Mierere, Tallis?s Spem in Alium and the complete Eton Choirbook Collection. More recently CORO has released brand new recordings by The Sixteen of Handel?s Coronation Anthems and Fauré?s Requiem with the Academy of St Martin in the Fields. The ensemble?s recording of Handel?s celebrated oratorio, Messiah, with an all-star soloist line-up: Carolyn Sampson, Catherine Wyn-Rogers, Mark Padmore and Christopher Purves, was awarded the prestigious MIDEM Classical Award 2009.

The Sixteen is recognised as one of the world?s greatest ensembles. Comprising both choir and period instrument orchestra, The Sixteen's total commitment to the music it performs is its greatest distinction. A special reputation for performing early English polyphony, masterpieces of the Renaissance, bringing fresh insights into Baroque and early Classical music and a diversity of twentieth-century music, is drawn from the passions of conductor and founder, Harry Christophers.

At home in the UK, The Sixteen are "The Voices of Classic FM", TV Media Partner with Sky Arts, and Associate Artists of Southbank Centre, London. The group promotes an annual series at the Queen Elizabeth Hall as well as The Choral Pilgrimage, a tour of our finest cathedrals bringing music back to the buildings for which it was written. The Sixteen has recently featured in the highly successful BBC Four television series, Sacred Music, presented by actor Simon Russell Beale.

The Sixteen tours throughout Europe, Japan, Australia and the Americas and has given regular performances at major concert halls and festivals worldwide, including the Barbican Centre - London, Bridgewater Hall - Manchester, Concertgebouw - Amsterdam, Sydney Opera House, Tokyo Opera City and Vienna Musikverein and also at the BBC Proms, the festivals of Granada, Lucerne, Istanbul, Prague and Salzburg.

Bringing together live concerts and recording plans has allowed The Sixteen to develop a glittering catalogue of releases, containing music from the Renaissance and Baroque through to great works of our time.


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