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Mittwoch, 15. August 2018

Straight from the Heart - Liederbuch

Von Herzen möge es zu Herzen gehen


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Must-Have für ausnahmslos jede CD-Sammlung: Marc Lewons Ensemble Leones präsentiert Chansons aus dem Chansonnier Cordiforme. Diese Platte kommt nicht nur von Herzen, sondern geht auch zu Herzen.

Ein Versprechen liegt schon im Titel dieser wohlfeilen Platte aus dem Hause Naxos. ‚Straight from the Heart‘ liest man auf dessen Cover und direkt von Herzen ist auch der Gruß, der von Marc Lewon mit seinem sublimen Ensemble Leones an einen Freund übermittelt wird. Ja, auch die Hörerinnen und Hörer müssen die Freundinnen und Freunde eines Musikschaffenden sein, aber in diesem besonderen Fall würdigt Lewon seinen Freund und Mentor, so heißt es im Booklet, Reinhard Strohm.

Der Klassikmarkt ist heute schwierig geworden, das ist Tagespolitik. Vor allem aber wenn es um die sogenannte Alte Musik geht, wird die Luft sehr dünn. Viele Leserinnen und Leser werden das kennen: Versuchen Sie einmal, in egal welcher europäischen Großstadt, selbst beim CD-Händler des Vertrauens, bestimmte Einspielungen mal im Vorbeigehen zu erhaschen. Das ist ein Kunststück. Das müsse man bestellen, ist oft die Antwort. Naxos hat da in den letzten Jahren einen großen Schritt getan, indem das Label, unter nicht geringem Aufwand, auch in der Alten Musik vermehrt tätig wurde und gut Gemachtes auf den Markt bringt. Um bei der hier besprochenen CD zu bleiben: Guillaume Dufay, Gilles Binchois und Johannes Tinctoris brauchen als Namen nicht in kollektiver Vergessenheit neben - bei allem Respekt - Joseph Haydn, Wolfgang Amadé Mozart oder Ludwig van Beethoven stehen. Sie sind, allerdings bei Leibe unter eigenen Voraussetzungen und eingedenk der Tatsache, dass Namen sich vor historischem Hintergrund recht schnell abnutzen, von ihrer musikalischen Bedeutung den letzteren Dreien gleichzustellen.

Der Chansonnier Cordiforme, das macht auch David Fallows (Manchester) als Luxusbesetzung für ein Booklet deutlich, ist ein Kuriosum der Musikgeschichte. Ein Geistlicher (nota bene!) mit Namen Jean de Mantchenu hat sich da sicher um viel Geld eine wahre Schönheit schaffen lassen, die zugleich aber auch zum Schmunzeln anregt. Die Handschrift, die sich heute in Paris befindet, ist nämlich die wohl einzige in Herzform. Da will es fast nebensächlich erscheinen, dass in dem Konvolut auch noch wundervolle Musik zu finden ist. Der nachmalige Bischof von Agen hatte Geschmack.

Wo liegt der Mehrwert, den die Künstlerinnen und Künstler des Ensemble Leones auf ihrer Platte zur Verfügung stellen? Über Alte Musik streiten Fans und Gelehrte gleichermaßen, daraus macht auch Lewon in seinem Booklettext keinen Hehl. Über die Aufführungspraxis dieser Musik ist so gut wie nichts bekannt. Freilich, manches lässt sich nicht nur vermuten, sondern bei eingehendem Studium von Quellen rekonstruieren, wie ein Wiener Forschungsprojekt zeigte, von dem man vielleicht hier keine Hilfe vermuten könnte. Aber das braucht für die genießende Hörerin auch kein Problem zu sein. Wichtig ist doch eher, wie die Sache gemacht wird und mit welcher Haltung. Els Janssens-Vanmunster, Raitis Grigalis und Mathias Spoerry verfügen über die richtigen Stimmen für dieses Repertoire.

Natürlichkeit - bei aller Virtualität, die diesem Begriff innewohnt - ist das Stichwort. Kein aufgesetztes ‚wir machen mal auf alt‘, sondern herausragende Stimmkultur prägen die Ausführung. Die Instrumentalistenseite, vertreten durch Elisabeth Rumsey (Viola d’arco), Baptiste Romain (Vielle, Lira da braccio) und Marc Lewon (Viola d’arco, Gittern und Laute) stehen dem in Nichts nach. Das macht unter den vielen anonym überlieferten neunzehn Titeln der CD schon die Nummer eins 'L’autre jour, par ung matin' deutlich. Stimmkultur paart sich mit feinsinngem Spiel, ohne dabei aufdringlich zu wirken oder Alte-Musik-Allüren (man denke an seltsame, ja unnatürlich zu nennende Tempi oder ähnliches) zu pflegen, wie sie heute der Vergangenheit angehören müssen.

Diese CD gehört, wie oben schon gesagt, zu einem Muss, vor allem wenn man bedenkt, dass auch technisch das Gesamtpaket stimmt. Hier wird mehr als angemessen musiziert.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Straight from the Heart: Liederbuch

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
14.10.2016
EAN:

747313332571


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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Von Simon Haasis zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Zwischen Improvisation und Spekulation: Marc Lewon und sein Ensemble Leones widmet sich der Dichtung von Neidhart, einem "Sonderling" in der Minnesängerkunst. Fachliche Fundierung, Kenntnis und musikalische Feinarbeit kommen in dieser Aufnahme in günstiger Weise zusammen. Weiter...
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