> > > Schreker, Franz: Orchesterwerke aus den Opern
Montag, 20. Mai 2019

Schreker, Franz - Orchesterwerke aus den Opern

Orchesterkunst vom Opernmeister


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Große Orchesterkunst von Franz Schreker: Die sinnlich-emotionalen Momente seiner Musik kommen in dieser Zusammenstellung ebenso zur Geltung wie die höchst raffinierte Harmonik.

Franz Schrekers Werke wurden vor 1933 hymnisch gefeiert, dann von den Nationalsozialisten gebrandmarkt und auch nach 1945 zunächst oftmals links liegen gelassen. Erst in den vergangenen Jahrzehnten, etwa seit den 1970er Jahren, standen seine Opern allmählich wieder höher im Kurs, heute gehören sie auf vielen Bühnen zum Kernrepertoire. Ein erstaunliches Auf und Ab in der Rezeption, das kaum rein musikalische Gründe haben kann – die technische Meisterschaft und durchgängig hohe Inspiration des Tondichters stehen außer Frage. Doch dass es Schrekers Kompositionen nach dem Zweiten Weltkrieg viel schwerer hatten als z.B. diejenigen von Richard Strauss, ist kaum verständlich.

Womöglich lag es an den überraschend zahlreichen bruchlos von der Weimarer Republik über den NS-Staat in die BRD fortgesetzten Musikkritiker-Karrieren – wer Schrekers Opern vor 1933 nicht leiden konnte, musste seinen Grundton nach 1945 nur bedingt ändern und allenfalls jene antisemitischen Propagandavokabeln austauschen, mit der die Nazis dem Komponisten kurz vor seinem Tod 1934 schwer zusetzten. Ähnliche Kontinuitäten kann man auch in der Kritik an der Musik des (schon 1911 verstorbenen) Gustav Mahler beobachten. Doch Strauss hin, Mahler her, Schreker ist heute jedenfalls fester Bestandteil des Repertoires. Da liegt es nahe, Orchesterpartien aus seinen Opern (teilweise von Schreker selbst arrangiert) zu einer reinen Orchester-CD zusammenzustellen, hat der Tondichter selbst doch kaum für ‚reines‘ Orchester geschrieben, abgesehen von der überragenden Kammersymphonie aus dem Jahr 1916. Der Dirigent Lawrence Renes hat sich drei Vorspiele, ein ausdrücklich so benanntes 'Symphonisches Zwischenspiel' (aus den 'Schatzgräbern') und das Nachtstück aus dem 'Fernen Klang' für diese bei BIS veröffentlichte Silberscheibe herausgesucht.

Orthodoxe Opernfreunde sehen solche Orchester-Ausschnitte häufig kritisch und argwöhnen, man müsse die Musik doch im Gesamtzusammenhang des Musiktheaters hören. Doch schon die Tatsache, dass die Stücke von Schreker selbst arrangiert bzw. bearbeitet wurden, entkräftet dieses Argument – in jedem Fall handelt es sich bei allen Stücken um Originalmusik. Und warum sollte die Wirkung beim ‚nur‘ orchestralen Vortrag geringer sein? Renes lässt sich die Chance, Schrekers durchgehend erstklassige Musik bestens zur Geltung zu bringen, von Anfang an nicht entgehen: Schon das Zwischenspiel aus den 'Schatzgräbern' präsentiert er als farbige und hochexpressive Tondichtung, die jederzeit auch ohne Bühnenhandlung bestehen kann. Die einleitenden Paukenschläge können den Hörer regelrecht vom Sitz reißen, und auch im weiteren Verlauf reißt der Spannungsfaden niemals ab. Die musikalische Ausdruckskraft dieses Zwischenspiels greift der Dirigent im Vorspiel aus den 'Gezeichneten' auf, doch die fast schon impressionistisch wirkenden Klangschwelgereien in diesem Stück können dennoch nicht ganz so überzeugen. Schreker, der unbestritten ein großartiger Melodiker war, verliert sich hier beinahe ein wenig im Klangrausch; die Farbtupfer der Holzbläser, die kantigen Einwürfe der Blechbläser gelingen den schwedischen Orchestermusikern allerdings hervorragend. Einen ähnlich positiven Eindruck hinterlässt das knappe Vorspiel zum 'Spielwerk', in dem Schrekers hochartifizielle Instrumental-Kombinationen exzellent wiedergegeben werden – fast bedauert man als Hörer, das die Komposition mit nur knapp sieben Minuten deutlich kürzer als die anderen Stücke ausgefallen ist.

Das einzige im Niveau etwas abfallende Werk ist das 'Vorspiel zu einer großen Oper', diese Oper wäre der unvollendete 'Memnon' gewesen. Obwohl Renes auch hier mit einer facettenreichen Dynamik und straffen Tempi das Optimum aus dem Orchester herausholt, wirkt das Stück nicht so zwingend wie die anderen vier Kompositionen – womöglich ist es Schreker doch eine Spur zu lange geraten. Die durchgehend hohe Klangqualität, bei der alle Orchestergruppen angemessen zur Entfaltung kommen können, macht dieses kleine Defizit aber spielend wett. Zumal mit dem Nachstück aus dem 'Fernen Klang' ein wahrer orchestraler Edelstein die Zusammenstellung beschließt – jeder aufgeschlossene Hörer wird sich für die klangliche Fantasie und orchestrale Ausdruckskraft dieses Werkes begeistern können. Renes lässt sein Orchester hier in allen nur denkbaren Farben erstrahlen und profitiert dabei vom sehr guten Klangbild der Stockholmer Berwaldhalle.

Es gibt also viel zu loben an dieser Veröffentlichung, die Schrekers meisterhafte Musik in einer musikalisch und klanglich hochklassigen Darbietung wiedergibt – auch der Beihefttext von Horst A. Scholz hält dieses insgesamt hohe Niveau. Natürlich liegt es nahe, eine Schreker-Oper komplett zu hören, um den musikdramatischen Eindruck voll zu erfassen. Dass seine Musik aber auch ohne die Bühne wirken kann, zeigt diese Veröffentlichung aufs Schönste.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schreker, Franz: Orchesterwerke aus den Opern

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
07.09.2016
EAN:

7318599922126


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Schreker, Franz


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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