> > > Vasks, Peteris: Flötenkonzert & Sinfonie Nr.3
Donnerstag, 30. März 2017

Vasks, Peteris - Flötenkonzert & Sinfonie Nr.3

Traditionalist mit expressiver Kraft


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Von den beiden hier zu hörenden Werken aus der Feder des lettischen Komponisten Pēteris Vasks kann vor allem das Flötenkonzert überzeugen.

Pēteris Vasks (Jahrgang 1946) gilt heute weithin als der renommierteste Komponist Lettlands. Die Liste der Interpreten, die sich für seine Werke einsetzen, kann sich sehen lassen: David Geringas, Sol Gabetta, Renaud Capucon und John Storgårds sind nur vier der zahlreichen Musiker, die dem Œuvre des Tondichters zu internationaler Bekanntheit verholfen haben. Was hartgesottene Avantgardisten empfindlich stört – Vasks Festhalten an der Tonsprache des mittleren und späten 19. Jahrhunderts –, kommt bei den Interpreten (und beim Publikum) offenbar sehr gut an. Dabei ist der kompositionsästhetische Anspruch dem Letten aber mindestens ebenso wichtig wie die relativ hohe Zugänglichkeit zu seiner Musik. Es wäre verfehlt, Vasks‘ Werke als simpel oder trivial zu bezeichnen, nur weil sie in einem eher traditionellen Stil gearbeitet sind. Die Herausforderungen für Musiker und Hörer sind deshalb keineswegs gering – man kann dies sehr gut anhand der beiden auf dieser CD versammelten Werke nachvollziehen. Mit dem in den Jahren 2007 und 2008 entstandenen, 2011 noch einmal überarbeiteten Flötenkonzert knüpft Vasks an seine erfolgreichen Konzerte für Violine und Violoncello an. Dita Krenberga ist in dieser Aufnahme die Solistin. Die Dritte Symphonie schrieb der Lette 2004/05, die Uraufführung unter Storgårds war ein triumphaler Erfolg. In beiden Kompositionen leitet Atvars Lakstīgala das Symphonieorchester Liepāja, laut Beiheft das einzige Profi-Ensemble außerhalb der Hauptstadt Riga.

Aufgrund seiner schieren Ausdehnung (knapp 35 Minuten) und der hohen spieltechnischen Herausforderungen ist das Flötenkonzert ein Fall für den echten Virtuosen. Krenberga ist dem Stück über die komplette Länge vollauf gewachsen – vor allem im ersten Satz, wo sie fast pausenlos gefordert wird, kann ihr Spiel den Hörer beeindrucken. Die lyrisch-melodischen Qualitäten des Instrumentes können sich unter ihren Händen voll entfalten, das Orchester wird von Lakstīgala dezent zurückgehalten. Natürlich ist es auch Vasks‘ raffiniertem Kompositionsstil zuzuschreiben, dass es praktisch nie zu Balanceproblemen kommt; selbst der etwas ruppig wirkende zweite Satz (zumindest an das traditionelle Scherzo angenähert) wird zu einer virtuosen Tour de force, in der sich Solistin und Orchester bestens ergänzen. Was Krenberga hier an Läufen und Figurationen aus der Flöte zaubert, bleibt nachhaltig im Gedächtnis haften. Und dass die Musik – bei aller unbestritten vorhandenen Individualität ihres Schöpfers – eher an Mahler, Strauss oder Korngold erinnert – wen stört‘s? Unbestritten hat Vasks mit seinem Flötenkonzert ein denkwürdiges Werk geschaffen, das hier eine technisch wie klanglich einwandfreie Interpretation erfährt.

Nicht in gleichem Maße überzeugen kann mich die Einspielung der Dritten Symphonie, die aus sechs Abschnitten meist moderaten Tempos besteht. Das reizvolle und abwechslungsreiche Miteinander von Flöte und Orchester ist hier einer gewissen Gleichförmigkeit mit vielen Haltetönen und sich wiederholenden Passagen gewichen. Gewiss gelingen Vasks immer noch effektvolle Wendungen und geschickte Steigerungen, die von Lakstīgala und den Orchestermusikern auch bestens ausgekostet werden. Im Laufe der fast 40 Minuten fehlt aber dann doch die Abwechslung – einige nette Effekte können darüber nur bedingt hinwegtäuschen. Obwohl die Symphonie immer noch über eine große expressive Kraft verfügt, wie sie fast alle Werke von Vasks auszeichnet, bleibt der Eindruck nur leicht überdurchschnittlich. Den exzellent spielenden Orchestermusikern kann man das sicherlich nicht anlasten – auch die akustische Qualität bleibt so einwandfrei wie im Flötenkonzert.

Dieses Konzert ist es vor allem, dass die CD empfehlenswert macht, zumal in Dita Krenbergas funkensprühender Interpretation. Wer den Tondichter Vasks allgemein schätzt, wird sich wohl auch für die Dritte Symphonie begeistern können. Klanglich werden beide Werke in hoher Qualität präsentiert, und auch das ausführliche Beiheft hat ein Lob verdient.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Vasks, Peteris: Flötenkonzert & Sinfonie Nr.3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
WERGO
1
07.10.2016
EAN:

4010228734928


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Vasks, Péteris


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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