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Sonntag, 26. März 2017

Händel, Georg Friedrich - Susanna

Dritte Schwester


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein beachtlicher, musikalisch über weite Teile sehr guter Beitrag zur 'Susanna'-Diskografie, der jedenfalls beweist, dass die Vorurteile dem Werk gegenüber restlos unbegründet sind.

'Susanna' ist nicht gerade jenes Händel-Oratorium, das man regelmäßig im Konzert erleben kann (und auch auf Tonträger scheint es derzeit nur die Einspielungen von McGegan und Neumann zu geben). Umso erfreulicher ist die Veröffentlichung des vorliegenden Mitschnitts von den Göttinger Händel-Festspielen am 5. Mai 2016, der bereits jetzt, nach weniger als fünf Monaten, auf den Markt kommt. Mit dem künstlerischen Festivalleiter Laurence Cummings ist ein ausgewiesener Händel-Kenner am Werk, der das gut dreistündige Werk mit Leben und Farbe erfüllt und seinen durchaus eigenen Charakter klar herausarbeitet. Händels dramatische Kunst wird schon in den ersten Takten der Ouvertüre offenbar, die intensive Ausarbeitung der psychologischen Stimmungen ist minutiös ausgearbeitet.

Der renommierte amerikanische Countertenor Christopher Lowrey bietet als Susannas Ehemann Joacim klare Charakterisierung und vielfache feine Schattierung – einzelne nicht ganz geglückte Töne vergibt man gerne. Im Duett mit Emily Fons als Susanna ergeben sich herrliche Momente vollendeter Harmonie; die Stimmen mischen sich auf das Vorzüglichste, obwohl sie von der Lage her so ähnlich sind. Händels Susanna ist nämlich als Mezzosopran angelegt, mit einer Vielzahl an ganz unterschiedlichen Nummern, von der Liebesarie über das elegische 'Crystal streams' des zweiten Akts bis zum Lamento im Schlussakt. Lorraine Hunt war in der Partie legendär, doch muss sich Fons (ebenfalls Amerikanerin) nicht im Geringsten verstecken – im Gegenteil ist ihre Interpretation noch stärker erotisch aufgeladen, so dass das Begehren der beiden Ältesten so recht verständlich wird.

Der kanadische Tenor Colin Balzer charakterisiert den Ersten Ältesten mit großem Verständnis und feinem Gespür für die Musik und seine Rolle; beeindruckend sein Sinn für Klangfarben und den Einsatz derselben. Da gibt es keinen Schöngesang um seiner selbst willen – wie der (leider etwas kurz geratene und nicht ganz sauber ins Deutsche übersetzte) Booklet hervorhebt, kann der Zuhörer zunächst tatsächlich so etwas wie Sympathie für die Figur empfinden. Auch in den beiden anderen Akten bleibt Balzer kontinuierlich sehr gut, nur in wenigen Koloraturen gelegentlich etwas forciert.

Wie so häufig ein Problem bietet der Basssolist, dem gleichwohl sogar zwei Partien übertragen sind, Susannas Vater und der Zweite Älteste. Raimund Nolte lässt nicht nur bei den Koloraturen Raffinesse und Feingefühl vermissen, auch intoniert er leider allzu häufig nicht ganz sauber. Erst wenn er mehr chargieren denn vokal charakterisieren kann, überzeugt er nicht nur singdarstellerisch, sondern auch musikalisch-musikdramatisch.

Komplettiert wird das Solistenensemble durch einen weiteren Höhepunkt: die Londoner Sopranistin Ciara Hendrick, die Susannas Dienerin und den Knaben Daniel übernimmt und beide Partien mit Frische und klarem Ton erfüllt. Es mag ihr ein wenig an vokaler Charakteristik fehlen, doch ist kommen ihr die ausdrucksstarken Arien entgegen, die sie zu ihrem besten Vorteil ausnutzt und dramatisch stark umsetzt.

Das FestspielOrchester Göttingen und der NDR Chor sind wie gewohnt hochkarätig und bestätigen ihren Ruf höchster Präzision und musikalischen tiefen Verständnisses. War McGegans Interpretation noch als teilweise etwas langweilig bezeichnet worden, kann hiervon bei Cummings kaum die Rede sein – dafür ist Cummings‘ Zugriff einfach zu genuin dramatisch.

Leider sind die Chöre aufnahmetechnisch mit etwas zu geringer Präsenz aufgenommen worden, was den aufnahmetechnischen Gesamteindruck leider deutlich beeinträchtigt. Dennoch: ein beachtlicher, musikalisch über weite Teile sehr guter Beitrag zur 'Susanna'-Diskografie, der jedenfalls beweist, dass die Vorurteile dem Werk gegenüber restlos unbegründet sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Susanna

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
3
02.09.2016
EAN:

4015023264069


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Händel, Georg Friedrich


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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