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Freitag, 14. August 2020

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klavierkonzerte

Interessantes Team


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Barock-Spezialist Rinaldo Alessandrini begleitet den Schweizer Pianisten Olivier Cavé: Ein eloquent gespielter Steinway trifft auf historisch orientiertes Musizieren.

Über das begleitende Orchester Divertissement erfährt man im Booklet nichts (und auch im Internet zunächst nicht): Historische Instrumente und Musiker teils aus Alessandinis Ensemble Concerto italiano? Gespielt wird jedenfalls ‚historisch informiert‘ ohne viel Vibrato, aufnahmetechnisch gut eingefangen mit schön hervortretender Pauke und allen Orchesterfarben, die Alessandrini findet und vorstellt. Das ist im späten C-Dur-Konzert KV 503, Mozarts ‚symphonischstem‘ Orchesterpart aller seiner Konzerte, sogar recht viel: Über mangelnde orchestrale Schlagkraft (wie bei Bilson/Gardiner oder Schondervoort) kann man per se nicht klagen – auch wenn gerade die dramatische Steigerung in den Sequenzen und verdichteten Vaiantenbildungen des durchführenden Mittelteils von KV 503 von Alessandri völlig verschenkt wird (einziger größerer Kritikpunkt dieses Programms im Vergleich mit den unzähligen Referenzen). In den beiden früheren Konzerten KV 175 (Nr. 5) und KV 415 (Nr. 13) ist das Orchester Cavé sonst ohne große Abstiche ein verlässlicher, klangschöner und dialogbereiter Partner mit glänzenden Bläsern und gesunder Streicherfülle.

Womit wir bei dem seit einigen Jahren aufstrebenden Pianisten wären: Es tut durchaus gut, nach überwiegendem historischem Hammerklavier der letzten Jahre mal wieder eine ‚traditionelle‘ – sprich: auf modernem Flügel ‚aktualisierte‘ – Klavieraufnahme dieser sehr stimmigen Konzert-Auswahl zu hören; Cavé fügt sich problemlos in eine Traditionslinie eloquenter Klavier-Konversation ein, die von Annie Fischer und Daniel Barenboim über Alfred Brendel bis zu den beiden Zyklen von Christian Zacharias führt (von dem auch die zu ergänzenden Solo-Kadenzen in KV 175 und KV 503 stammen). Eher sogar ist der Schweizer, relativ zurückhaltend in den Tempi, nicht auf Barenboims oder Ashkenazys perlende Brillanz aus, sondern auf genaues, manchmal bewusst oder unbewusst rhythmisch aufgelockertes Phrasieren: Man nimmt die persönlichen Wendungen und Klangfarben gerne wahr, ist gut unterhalten und sich eines kompetenten, ideenreichen Hauptdarstellers gewiss. Im Andante-Satz des frühen C-Dur-Konzerts KV 415 stellt sich sogar in Cavés Klavierspiel und den Streicherfarben die Assoziation des klassizistischen Mittelsatzes aus Maurice Ravels G-Dur-Konzert ein, so schön wird das Melodische durch die Begleitung eingefärbt. Und Mozarts Beethoven-Vorwegnahme im späten KV 503 besitzt auch im Klavier, von jener verschenkten Stelle abgesehen, virtuose Überzeugungskraft. Genug eigener Stil – empfehlenswert!


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
02.09.2016
Medium:
EAN:
CD
3760014192432

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Mozart, Wolfgang Amadeus


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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