> > > Brahms, Johannes: Streichquartette & Klavierquintett
Freitag, 23. Februar 2018

Brahms, Johannes - Streichquartette & Klavierquintett

Meisterhafte Gestaltung


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Belcea-Quartett liefert eine der besten Einspielungen von Johannes Brahms' Streichquartetten seit langem.

Der Beginn ist ein Vorbild meisterhafter Gestaltung: das Aufstauen von Energie, das sich ereignet, wenn das punktiert nach oben steigende Thema der ersten Violine über den drängend repetierten Begleitachteln der übrigen Instrumente bei jedem Ansatz höher steigt, bis zwei Akkorde in Takt sieben diesen Aufstieg beenden und einem farblos verebbenden Violaklang Platz macht. Was das Belcea-Quartett hier gleich beim Einstieg in Bezug auf die Wiedergabe von Johannes Brahms’ Streichquartett Nr. 1 c-Moll op. 51 Nr. 1 leistet, schraubt die Hörerwartungen für diese bei Alpha Classics erschienene Gesamtaufnahme extrem hoch. Und es geht weiter so: Die klanglichen Facetten sind reich, der Satz ist wie eine Achterbahnfahrt, die Kontrapunktik gerät durchsichtig, und vor allem die dynamische Ausgestaltung, die Arbeit mit Agogik und die feinen Übergänge, das Ausbremsen der Musik und das anschließende Wiederaufnehmen des rhythmischen Drives, sind phänomenal. Lange habe ich keine Aufnahme dieser Werke gehört, die so packt, so spannungs- und farbenreich daher kommt und die vor allem auch den Mut hat, den Brahms’schen Klangkosmos bis an die Grenze zur Zerbrechlichkeit auszuloten.

Insofern ist der Kopfsatz des c-Moll-Quartetts exemplarisch für das, was überall auf der CD geschieht: Wie dahingehaucht erscheinen die leisen Stellen, aufgeraut sind dann die Ausbrüche, aufgeladen mit einer unterschwelligen Spannung, die sich immer wieder Bahn bricht, um dann gelegentlich in warme melodische Texturen, in ein stellenweise breites Dahinströmen verschwenderischer Klangfülle überzugehen. Wenn die vier Musiker den Satz am Ende ausbremsen, wirkt dies bereits wie eine Vorwegnahme des in seiner zarten Klanglichkeit ganz anders dargestellten, über weite Strecken einem fein abgetönten Gesang nachempfundenen langsamen Satz. Diesem wiederum setzt das Quartett im 'Allegretto' eine subtil gefärbte kontrapunktische Faktur entgegen, deren immer wieder aussetzende rhythmische Muster dem Satz eine gewisse Strenge vermitteln, bevor dann im Finale die erregte Diktion des Kopfsatzes wieder aufgegriffen wird. Man muss hören, viel vielfältig die Wahl der Klangfarben hier ausfällt, um es zu glauben und den Reichtum dieser erstaunlichen Aufnahme schätzen zu können.

Auch die übrigen Werke profitieren von diesem detailverliebten, immer die Gesamtwirkung in den Blick nehmenden Zugang. So ist der lyrische Charakter im Kopfsatz des Streichquartetts a-Moll op. 51 Nr. 2 immer wieder – vor allem beim Ausspinnen des zweiten Themas – von zerbrechlichen Momenten durchzogen, während sich die Musiker im 'Andante moderato' ganz dem melodischen Strömen des Quartettsatzes hingeben. Beachtlich ist hier vor allem, welche abwechslungsreiche Varianten der Klang im Verlauf der einzelnen Phrasen jeweils nimmt und wie dies auf die übrigen Instrumente abfärbt, bevor dann im extremen Klangausbruch des scharfen Tremolos ein dramatischen Höhepunkt markiert und danach ebenso rasch wieder aufgelöst wird. Der fließende Zugang zu diesen unterschiedlichen Stimmen sorgt für eine phänomenal dichte Wiedergabe, die alles Brave von sich abstreift. Selbst im Streichquartett B-Dur op. 67, wo in Kopfsatz und Finale ein heiterer, Schubert’scher Tonfall regiert, ist dies spürbar, sorgen die Musiker für große Kontraste und lassen das Ergebnis zu einem Wunderwerk an dynamischer und klanglicher Feingestaltung werden. Für mich ist dies ganz klar die beste Aufnahme der Brahms-Quartette seit Jahren.

Geadelt wird die Produktion durch eine ergänzende Einspielung des Klavierquintetts f-Moll op. 34, bei der Till Fellner als Klavierpartner zum Quartettensemble hinzutritt. Zu den vielen lobenswerten Details dieser im Zusammenspiel ausgezeichneten Kooperation – man höre diesbezüglich nur einmal auf die Differenzierung der miteinander verwobenen Instrumentalstimmen im 'Andante' – fällt vor allem der sorgfältige Umgang mit Ausdruckscharakteren auf: So zeichnet sich der Kopfsatz durch einen variantenreichen klanglichen und gestischen Umgang mit dem Passionato-Charakter und den darin eingestreuten Pausen aus, und der Beginn des Finales überzeugt durch eine dramaturgisch geschickt ausgearbeitete Steigerung, die zunächst den Anschein eines von den wütenden Eskapaden des Scherzos völlig erschöpften, kraftlosen Tastens vermittelt, bevor sie sich in den Duktus des Satzes hineinfindet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms, Johannes: Streichquartette & Klavierquintett

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
2
02.09.2016
EAN:

3760014192487


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Brahms, Johannes


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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