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Mittwoch, 20. September 2017

Lassus, Roland de - Canticum Canticorum

Gediegene Chorkultur


Label/Verlag: Ricercar
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Kammerchor Namur überzeugt mit Stücken Orlando di Lassos. Punktabzug gibt's für das nicht ganz befriedigende Klangbild.

Recht bissig schien einmal die Bezeichnung der im allgemeinen doch so trostreich dahinströmenden Renaissance-Polyphonie als ‚cäcilianischer Balsam‘. Wenn es jemals Komponisten gab, die solchen Balsam lieferten, dann gehört Orlando di Lasso zu ihnen. ‚Cäcilianischer Balsam‘ bezeichnet aber vielleicht noch mehr als eine Eigenschaft der Sache eine Haltung der Interpretation und der Rezeption. Was erstere angeht, hält diese neue Einspielung von Hohelied-Vertonungen, eines Magnificat und einer Messe des wallonischen Meisters (erschienen bei dem belgischen Label Ricercar) eine glückliche Mitte. Der Kammerchor Namur unter der Leitung von Leonardo García Alarcón vermeidet eine allzu geglättete Lesart der Stücke, gelangt aber dennoch zu einer fließenden, harmonischen Interpretation.

Dies vor allem durch die Wahl von recht flotten Tempi, die wenig Sentimentalität aufkommen lassen und strukturell gleichsam die Horizontale betonen, den Wechsel und das Ineinander der Phrasen, ihr Aufeinanderaufbauen, Auseinanderhervorwachsen. Dies geschieht auf der Basis höchst gediegener Chorkultur, einer glasklaren Intonation und eines so professionellen wie inspirierten Miteinanders. Besonders zu bewundern ist das im Magnificat und der Messe – die sich des Materials aus Lassos Chanson 'Susanne un jour' bedient und danach benannt wird –, in denen der Chor nur durch ein Orgelpositiv unterstützt wird, während in den Hohelied-Vertonungen das Ensemble Clematis mit Geigen, Bratschen, Bassgamben, Cornett und Laute hinzutritt, die reizvolle Farbakzente geben und nicht selten zu unterstreichen scheinen, wie sehr Lassos Musik schon auf das Barockzeitalter vorausweist.

Harmonienebel

Aber man kann sich fragen, ob nicht den vertikalen Verstrebungen, mit denen Lasso seine Sätze zusammenhält, etwas mehr Aufmerksamkeit hätte zuteilwerden müssen. Die Textur von Lassos Polyphonie erschließt sich dem Hörer dieser Aufnahme kaum, sei es wegen des tempomäßigen Vorwärtsdrängens, das etwas wie Schwer- oder Ruhepunkte kaum entstehen lässt, sei es wegen der klangtechnischen Realisierung: Die, obwohl angenehm leicht und luftig im Charakter, tendiert meistens dazu, den Diskant zu stark hervorzuheben und die Mittelstimmen in eine Art wohligen Harmonienebel zu hüllen, durch den hindurch sie sich selbst mit Partitur oft nur mit Mühe verfolgen lassen. Die für die Struktur dieser Musik so wichtigen Imitationen zum Beispiel sind unter diesen Umständen längst nicht so klar heraushörbar, wie es eigentlich wünschenswert wäre.

Festzuhalten bleibt noch, dass diese auch äußerlich recht ansprechend gestaltete Produktion einen ausführlichen Beihefttext enthält, der in Englisch, Französisch und Deutsch abgedruckt ist; das Latein der Hoheliedpsalmen (die Texte des Magnificat und der Messe fehlen leider) ist in diese Sprachen übersetzt. Das ist mehr, als vielen CDs heute mitgegeben wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lassus, Roland de: Canticum Canticorum

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ricercar
1
02.09.2016
EAN:

5400439003705


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Lassus, Roland de


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Ricercar

Von Haus aus Musikwissenschaftler und Gambist (und hier immerhin Schüler von Wieland Kuijken), gründete der Belgier Jérôme Lejeune 1980 sein Label RICERCAR, das schnell zu einem der wichtigsten im Bereich der Alten Musik wurde. Das war nicht nur durch die musikwissenschaftliche Arbeit Lejeunes nahe liegend, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass Belgien von je her zu den führenden Nationen im Bereich der historischen Aufführungspraxis gehörte. Die Künstler, die für RICERCAR aufnehmen bzw. aufgenommen haben, lesen sich ohne Übertreibung wie das Who-is-Who der Alten Musik-Szene: Hier machte zum Beispiel Philippe Herreweghe genauso seine allerersten Aufnahmen wie das Ricercar Consort, Jos van Immerseel oder Mark Minkowski (sowohl als Fagottist als auch als Dirigent). Zu den Künstlern und Ensembles, die derzeit dem Label verbunden sind, gehören so prominente Namen wie der Organist Bernard Foccroulle, die Sopranistin Sophie Karthäuser sowie die Ensemble La Fenice und Continens Paradisi. Nach wie vor bietet Lejeune dabei jungen Künstlern und Ensembles eine künstlerische Plattform und er beweist dabei stets ein besonders glückliches Händchen. Viele der nicht weniger als 250 Aufnahmen, die hier veröffentlicht wurden, waren klingende Lektionen in Musikgeschichte, die in mehrteiligen Reihen solche Themen wie Bach und seine Vorgänger, die franko-flämische Polyphonie oder Instrumentenkunde behandelten und so etwas wie zu einem Markenzeichen des Labels wurden. Das erstaunliche dabei war auch, dass nahezu alle Produktionen des Labels von Lejeune sowohl wissenschaftlich als künstlerisch und technisch betreut wurden.


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