> > > Great Singers Live: Fritz Wunderlich: Werke von Millöcker, Lortzing, Strauß, u.a.
Samstag, 21. September 2019

Great Singers Live: Fritz Wunderlich - Werke von Millöcker, Lortzing, Strauß, u.a.

Neues Altes von Wunderlich


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der BR hat bislang unveröffentlichte Wunderlich-Aufnahmen auf CD herausgebracht. Viel wirklich Neues ist aber nicht dabei.

Der Bayerische Rundfunk hat im Archiv gegraben und einige bislang unveröffentlichte Aufnahmen von Fritz Wunderlich beim hauseigenen Label auf einer nicht ganz einstündigen CD herausgebracht. Das klingt vielversprechender als es letztlich ist, denn unter den zweifelsfrei betörenden Tenorliedern und Arien ist kaum eine Nummer, die man von Wunderlich nicht schon auf anderen Alben gehört hätte. Ausnahmen bilden die beiden Soli aus Carl Millöckers 'Gräfin Dubarry', Künnekes 'Ich träume mit offenen Augen' aus 'Die lockende Flamme' und das Auftrittslied des Herzogs aus Strauß‘ 'Eine Nacht in Venedig'. Alle anderen Nummern kennt und liebt man von Fritz Wunderlich, wenngleich in bislang anderen Studiositzungen oder Mitschnitten.

Was soll man über Fritz Wunderlichs Kunst noch sagen? Es ist alles in zahlreichen Veröffentlichungen formuliert worden. Neues gibt es nicht hinzuzufügen. Fritz Wunderlichs Gesang wirkt entwaffnend, von Künstlichkeit ist er weit entfernt. Und das macht die hier zusammengestellten Titel aus größtenteils Operetten auch so authentisch und lustvoll. Banalität hat keine Chance aufzublitzen, selbst die zu Recht nicht wirklich populäre und etwas pathetische 'Melodia con passione' von Willy Mattes wird durch Wunderlichs Gesang veredelt. Es ist schwer vorstellbar, dass ein anderer Tenor dieses Lied zum Leben erwecken könnte.

Der überwiegende Teil der Aufnahmen stammt aus dem Jahr 1962, oft aus den legendären Münchner Sonntagskonzerten. Neben den bereits erwähnten Liedern und Arien singt Wunderlich Werke von Franz Lehár, Leo Fall und Eduard Künneke. Die jüngsten Aufnahmen sind Spolianskys 'Heute Nacht oder nie' und Robert Stolz‘ 'Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n', beide vom 13. Februar 1966, also nur wenige Monate vor Fritz Wunderlichs frühem Tod.

Die älteste Aufnahme der CD wurde im Dezember 1959 mitgeschnitten. Es ist Veits 'Vater, Mutter, Schwestern, Brüder' aus Albert Lortzings 'Undine' – von Wunderlich betörend gesungen, mit jener unnachahmlichen Mischung aus strahlender, kraftvoller Stimme und beneidenswerter Leichtigkeit gepaart mit einer glasklaren Diktion, die dem Zuhörer wirklich Geschichten zu erzählen hat. Was allerdings Albert Lortzing und kurz darauf noch Otto Nicolai in der vorliegenden Zusammenstellung verloren haben, erschließt sich nicht. Zwischen Robert Stolz und Johann Strauß spannt sich offensichtlich ein Operetten-Bogen, der durch Schlager des 20. Jahrhunderts ergänzt wird. Die vier Opernarien von Lortzing und Nicolai – aus 'Zar und Zimmermann', 'Der Waffenschmied' und 'Die lustigen Weiber von Windsor' – wirken da wie Fremdkörper, zumal sie nicht am Anfang des Albums für ein anderes Genre stehen, sondern zwischen Millöcker und Lehár so tun müssen, als seien sie Operettenarien. Das ruft unangenehme Erinnerungen an Kompilationen anderer Labels wach, die in ein ‚Best of Operetta‘ ganz selbstverständlich Albert Lortzing integrieren. Derlei Unkenntnis ist dem BR gewiss nicht zu unterstellen. Dennoch stellt sich die Frage, weshalb der Opernsänger Wunderlich auf dieser neuen CD dann nicht zumindest ebenso gewürdigt wird. Material aus den Sonntagskonzerten von Mozart bis Puccini hätte es sicherlich gegeben und Platz wäre auf der vollpreisigen, 57-minütigen CD fraglos auch noch gewesen.

Diese neue Fritz Wunderlich-CD kann aber bei allen editorischen Vorbehalten viel: Sie hat das Zeug, neue Wunderlich-Fans zu generieren, sie ergänzt so manches akribisch geführte Privatarchiv um unveröffentlichte Wunderlich-Aufnahmen und sie kann sich des Zaubers einer großen Ausnahme-Stimme sicher sein. Außerdem macht die Veröffentlichung Lust auf mehr: Wer weiß, vielleicht finden eines Tages ja auch die kompletten Sonntagskonzerte ihren Weg auf Tonträger? Das wäre doch mal was.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Great Singers Live: Fritz Wunderlich: Werke von Millöcker, Lortzing, Strauß, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
19.09.2016
057:45
1966
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719003147
900314


Cover vergössern

Fall, Leo
Künneke, Eduard
Lehár, Franz
Lortzing, Albert
Millöcker, Carl
Nicolai, Carl Otto
Stolz, Robert
Strauß, jun., Johann


Cover vergössern

"16 bisher unveröffentlichte Rundfunkaufnahmen: Obwohl es mittlerweile fünfzig Jahre her ist, dass Fritz Wunderlich am 17. September 1966 auf tragische Weise ums Leben kam, blieb seine unvergleichliche Tenorstimme unvergessen. Das liegt einmal daran, dass seine künstlerische Karriere so kometengleich begann: von einer Freiburger Studentenaufführung von Mozarts Zauberflöte war der junge Sänger an die Stuttgarter Staatsoper engagiert worden, ging anschließend über Frankfurt nach München, trat an der Wiener Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen auf und ein Angebot der New Yorker Metropolitan Opera lag bereits vor. Vor allem erinnert man sich aber seiner vitalen, lebensfrohen Persönlichkeit wie seiner schier unbegrenzt belastbaren Stimme voller Schmelz, mit großer Fülle und Strahlkraft und einem bezauberndem Timbre. Die akkurate, stets verstehbare Aussprache der gesungenen Worte war vorher und blieb nachher unerreicht. Er sang Operettenszenen mit Leichtigkeit und charmantem Leichtsinn; er gab Liedern, die als sentimental in Misskredit geraten waren, die Anmut echten Gefühls; er schmetterte Effektnummern mit einer Verve, als sei er ein Italiener… Auf der von BR-KLASSIK anlässlich seines 50. Todestages neu veröffentlichten CD präsentiert sich Fritz Wunderlich in frühen, bislang nicht veröffentlichten Rundfunkaufnahmen, die zwischen 1959 und 1965 entstanden sind. Die Mitschnitte einiger Münchener Sonntagskonzerte und die Studioaufnahmen des Bayerischen Rundfunks zeigen ihn und seine Tenorstimme auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn. Zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks ist er unter Leitung von renommierten Dirigenten wie Kurt Eichhorn, Siegfried Köhler, Willy Mattes, Hans Moltkau und Meinhard von Zallinger zu erleben. Fokus war das deutsche Repertoire von der Spieloper über die Operette bis hin zu populären Schlagern, die ihr Überleben bis in unsere Tage mehr oder weniger seinen Interpretationen im Konzert und auf Schallplatte verdanken. Fritz Wunderlich – die Tenorstimme des 20. Jahrhunderts schlechthin – neu zu erleben in unveröffentlichten Aufnahmen bei BR-Klassik. Fritz Wunderlich (1930–1966), Tenor Chor des Bayerischen Rundfunks Münchner Rundfunkorchester Dirigenten: Kurt Eichhorn, Siegfried Köhler, Willy Mattes, Hans Moltkau und Meinhard von Zallinger "


Cover vergössern

BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BR-Klassik:

  • Zur Kritik... Emotionen pur: Mariss Jansons und sein BRSO haben von ihrer Japan-Tournee eine Referenzaufnahme von Beethovens Neunter Sinfonie mitgebracht. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Monumentaler Mahler: Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentieren Mahlers Zweite Sinfonie auf höchstem Niveau. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Appetitanreger: Ivan Repusic und das Münchner Rundfunkorchester gratulieren Franz von Suppé mit einem Ouvertüren-Bouquet zum 200. Geburtstag. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle Kritiken von BR-Klassik...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Neugier und Leidenschaft: 'An American Song Album' macht neugierig, beglückt in hohem Maß und gehört zu jenen CDs, die mehrmals im Jahr durchgehört werden sollten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Zauberhaft authentisch: Dieser Gießener 'Oberon' ist ein Projekt, das sich ungeniert neben die wenigen großen Vorgänger auf dem Plattenmarkt stellen kann und dabei so manche ältere Einspielung an Authentizität und Konsequenz übertrifft. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Solider Faust: Dieser 'Faust' ist absolut anhörbar und im Falle der Marguerite sogar ausnehmend spannend. Ansonsten gibt es viele gute Gründe, weiterhin zu den beiden alten Cluytens-Aufnahmen oder jener von Georges Prêtre zu greifen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Eine neue Hoffnung: Episode IV im Mahlerzyklus von Osmo Vänskä und dem Minnesota Orchestra bietet großes Kino mit kleineren Schwächen im Drehbuch. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Neugier und Leidenschaft: 'An American Song Album' macht neugierig, beglückt in hohem Maß und gehört zu jenen CDs, die mehrmals im Jahr durchgehört werden sollten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Unter dem Regenbogen: Alfredo Casella sollte man als Opernkomponisten nicht unterschätzen – die vorliegende Turiner Produktion vom April 2016 unter Gianandrea Noseda ist weit mehr als eine Ehrenrettung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Jaromir Weinberger: Bohemian Songs and Dances - No.3

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich