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Samstag, 2. Juli 2022

Great Singers Live: Fritz Wunderlich - Werke von Millöcker, Lortzing, Strauß, u.a.

Neues Altes von Wunderlich


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der BR hat bislang unveröffentlichte Wunderlich-Aufnahmen auf CD herausgebracht. Viel wirklich Neues ist aber nicht dabei.

Der Bayerische Rundfunk hat im Archiv gegraben und einige bislang unveröffentlichte Aufnahmen von Fritz Wunderlich beim hauseigenen Label auf einer nicht ganz einstündigen CD herausgebracht. Das klingt vielversprechender als es letztlich ist, denn unter den zweifelsfrei betörenden Tenorliedern und Arien ist kaum eine Nummer, die man von Wunderlich nicht schon auf anderen Alben gehört hätte. Ausnahmen bilden die beiden Soli aus Carl Millöckers 'Gräfin Dubarry', Künnekes 'Ich träume mit offenen Augen' aus 'Die lockende Flamme' und das Auftrittslied des Herzogs aus Strauß‘ 'Eine Nacht in Venedig'. Alle anderen Nummern kennt und liebt man von Fritz Wunderlich, wenngleich in bislang anderen Studiositzungen oder Mitschnitten.

Was soll man über Fritz Wunderlichs Kunst noch sagen? Es ist alles in zahlreichen Veröffentlichungen formuliert worden. Neues gibt es nicht hinzuzufügen. Fritz Wunderlichs Gesang wirkt entwaffnend, von Künstlichkeit ist er weit entfernt. Und das macht die hier zusammengestellten Titel aus größtenteils Operetten auch so authentisch und lustvoll. Banalität hat keine Chance aufzublitzen, selbst die zu Recht nicht wirklich populäre und etwas pathetische 'Melodia con passione' von Willy Mattes wird durch Wunderlichs Gesang veredelt. Es ist schwer vorstellbar, dass ein anderer Tenor dieses Lied zum Leben erwecken könnte.

Der überwiegende Teil der Aufnahmen stammt aus dem Jahr 1962, oft aus den legendären Münchner Sonntagskonzerten. Neben den bereits erwähnten Liedern und Arien singt Wunderlich Werke von Franz Lehár, Leo Fall und Eduard Künneke. Die jüngsten Aufnahmen sind Spolianskys 'Heute Nacht oder nie' und Robert Stolz‘ 'Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n', beide vom 13. Februar 1966, also nur wenige Monate vor Fritz Wunderlichs frühem Tod.

Die älteste Aufnahme der CD wurde im Dezember 1959 mitgeschnitten. Es ist Veits 'Vater, Mutter, Schwestern, Brüder' aus Albert Lortzings 'Undine' – von Wunderlich betörend gesungen, mit jener unnachahmlichen Mischung aus strahlender, kraftvoller Stimme und beneidenswerter Leichtigkeit gepaart mit einer glasklaren Diktion, die dem Zuhörer wirklich Geschichten zu erzählen hat. Was allerdings Albert Lortzing und kurz darauf noch Otto Nicolai in der vorliegenden Zusammenstellung verloren haben, erschließt sich nicht. Zwischen Robert Stolz und Johann Strauß spannt sich offensichtlich ein Operetten-Bogen, der durch Schlager des 20. Jahrhunderts ergänzt wird. Die vier Opernarien von Lortzing und Nicolai – aus 'Zar und Zimmermann', 'Der Waffenschmied' und 'Die lustigen Weiber von Windsor' – wirken da wie Fremdkörper, zumal sie nicht am Anfang des Albums für ein anderes Genre stehen, sondern zwischen Millöcker und Lehár so tun müssen, als seien sie Operettenarien. Das ruft unangenehme Erinnerungen an Kompilationen anderer Labels wach, die in ein ‚Best of Operetta‘ ganz selbstverständlich Albert Lortzing integrieren. Derlei Unkenntnis ist dem BR gewiss nicht zu unterstellen. Dennoch stellt sich die Frage, weshalb der Opernsänger Wunderlich auf dieser neuen CD dann nicht zumindest ebenso gewürdigt wird. Material aus den Sonntagskonzerten von Mozart bis Puccini hätte es sicherlich gegeben und Platz wäre auf der vollpreisigen, 57-minütigen CD fraglos auch noch gewesen.

Diese neue Fritz Wunderlich-CD kann aber bei allen editorischen Vorbehalten viel: Sie hat das Zeug, neue Wunderlich-Fans zu generieren, sie ergänzt so manches akribisch geführte Privatarchiv um unveröffentlichte Wunderlich-Aufnahmen und sie kann sich des Zaubers einer großen Ausnahme-Stimme sicher sein. Außerdem macht die Veröffentlichung Lust auf mehr: Wer weiß, vielleicht finden eines Tages ja auch die kompletten Sonntagskonzerte ihren Weg auf Tonträger? Das wäre doch mal was.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Great Singers Live: Fritz Wunderlich: Werke von Millöcker, Lortzing, Strauß, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
19.09.2016
057:45
1966
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719003147
900314


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Fall, Leo
Künneke, Eduard
Lehár, Franz
Lortzing, Albert
Millöcker, Carl
Nicolai, Carl Otto
Stolz, Robert
Strauß, jun., Johann


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"16 bisher unveröffentlichte Rundfunkaufnahmen: Obwohl es mittlerweile fünfzig Jahre her ist, dass Fritz Wunderlich am 17. September 1966 auf tragische Weise ums Leben kam, blieb seine unvergleichliche Tenorstimme unvergessen. Das liegt einmal daran, dass seine künstlerische Karriere so kometengleich begann: von einer Freiburger Studentenaufführung von Mozarts Zauberflöte war der junge Sänger an die Stuttgarter Staatsoper engagiert worden, ging anschließend über Frankfurt nach München, trat an der Wiener Staatsoper und bei den Salzburger Festspielen auf und ein Angebot der New Yorker Metropolitan Opera lag bereits vor. Vor allem erinnert man sich aber seiner vitalen, lebensfrohen Persönlichkeit wie seiner schier unbegrenzt belastbaren Stimme voller Schmelz, mit großer Fülle und Strahlkraft und einem bezauberndem Timbre. Die akkurate, stets verstehbare Aussprache der gesungenen Worte war vorher und blieb nachher unerreicht. Er sang Operettenszenen mit Leichtigkeit und charmantem Leichtsinn; er gab Liedern, die als sentimental in Misskredit geraten waren, die Anmut echten Gefühls; er schmetterte Effektnummern mit einer Verve, als sei er ein Italiener… Auf der von BR-KLASSIK anlässlich seines 50. Todestages neu veröffentlichten CD präsentiert sich Fritz Wunderlich in frühen, bislang nicht veröffentlichten Rundfunkaufnahmen, die zwischen 1959 und 1965 entstanden sind. Die Mitschnitte einiger Münchener Sonntagskonzerte und die Studioaufnahmen des Bayerischen Rundfunks zeigen ihn und seine Tenorstimme auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn. Zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks ist er unter Leitung von renommierten Dirigenten wie Kurt Eichhorn, Siegfried Köhler, Willy Mattes, Hans Moltkau und Meinhard von Zallinger zu erleben. Fokus war das deutsche Repertoire von der Spieloper über die Operette bis hin zu populären Schlagern, die ihr Überleben bis in unsere Tage mehr oder weniger seinen Interpretationen im Konzert und auf Schallplatte verdanken. Fritz Wunderlich – die Tenorstimme des 20. Jahrhunderts schlechthin – neu zu erleben in unveröffentlichten Aufnahmen bei BR-Klassik. Fritz Wunderlich (1930–1966), Tenor Chor des Bayerischen Rundfunks Münchner Rundfunkorchester Dirigenten: Kurt Eichhorn, Siegfried Köhler, Willy Mattes, Hans Moltkau und Meinhard von Zallinger "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter der Marke BR-KLASSIK seit 2009 den Musikfreunden angeboten. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 200 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO), das Münchner Rundfunkorchester, der Chor des Bayerischen Rundfunks sowie die Konzertreihe musica viva genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden auf BR-KLASSIK - dem hauseigenen Label - dokumentiert.

Die Reihe BR-KLASSIK WISSEN liefert spannende Werkeinführungen und Hörbiografien mit vielen Hintergrundinformationen und Musikbeispielen. 

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Berater geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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