> > > Liszt, Franz: Sinfonische Dichtungen
Donnerstag, 4. Juni 2020

Liszt, Franz - Sinfonische Dichtungen

Inspiriert und inspirierend


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Weimar Ende der 1840er Jahre. Ein des Vagabundierens als Klaviervirtuose überdrüssig gewordener Franz Liszt lässt sich als Kapellmeister in dem sächsischen Kleinbürgerstädtchen nieder, entdeckt seine innige Liebe zur zeitgenössischen Dichtkunst und folgt dem Ruf seines Herzens, poetische Ideen in Musik - in Orchestermusik - auszudrücken. Dies war die Geburtsstunde der Sinfonischen Dichtung, Liszt ihr Vater.

Auch wenn dann die erste davon mit dem Namen ?Ce qu?on entend sur la montagne? (?Was man auf dem Berge hört? oder auch ?Bergsinfonie?) getauft wurde, steht bei Liszt nicht Tonmalerei par excelence auf dem musikalischen Programm, auch assoziative Spekulationen über die unterschiedlichen Motive in diesem Werk seien jedem Hörer selbst überlassen. Dennoch gibt es eine literarische Inspirationsquelle dafür: das gleichnamige, wortreiche Gedicht des erzromantischen französischen Zeitgenossen Victor Hugo. Das Ergebnis ist ein ästhetisch erstaunlich erfreuliches Klangbild dafür, dass Liszts Handwerkszeug für Orchesterkomposition den Kinderschuhen noch nicht lange entwachsen war. Bislang ließ er sich nämlich von Musikerkollegen wie Conradi, Doppler und Raff - sozusagen in Teamwork - bei der Orchestrierung seiner vorgeschlagenen Motive unter die Arme greifen. So erklärt sich auch, warum sich gerade in den ersten seiner insgesamt 13 Sinfonischen Dichtungen eine latente Mehrchörigkeit niederschlägt. Musik blockweise - so könnte die Überschrift lauten für Partituren, die für Orchesterwerke übersichtlicher kaum sein können: Der Holz- oder Blechbläserkapelle stehen die Ensembles der Streicher sowie Solisten aus unterschiedlichen Instrumentengruppen gegenüber, gleichsam ein orchestraler Flickenteppich. Und doch wirken sie weder geflickt noch flächig.

Die Kunst beim Interpretieren dieser Werke wie hier z.B. des oft vertonten Sujets des ?Prometheus? oder ganz einfach der ?Festklänge?, besteht darin, diese Blöcke als solche zu belassen, ohne sie statisch oder hölzern aneinander zu reihen, sondern sie natürlich ineinander fließen zu lassen - höchst romantisch und poetisch eben.
Die Dresdner Philharmoniker und ihr damaliger Chef Michel Plasson haben Liszts Vorstellung vom Orchesterklang zum musikalischen Ausdruck seiner Idee ganz offensichtlich erfasst und sind ihr im vollen Maße nachgekommen: Einzelne Gedanken werden klar und unmissverständlich formuliert, ohne das Bild durch Mischen und Wischen zu verwässern. Ein facettenreiches, farbenfrohes Bild - Musik von Franz Liszt, wie sie Liszt?iger kaum sein kann - wird gemalt: Fordernde, tiefe musikalische Expressivität mit deutlicher Tendenz zum Höhenflug und Pathos à la Berlioz oder Wagner, seine engsten Musikerfreunde; und dann wieder lyrisch-empfindsame, redselige und mitunter sentimentale Passagen, oft solistisch-rezitativ vorgetragen. Durch dieses spannende Wechselspiel also nicht unbedingt Musik zum Zurücklehnen. Eher empfiehlt es sich, bei jedem lauen Lüftchen oder Schönwetterwölkchen auf ein kräftiges Donnerwetter gefasst zu sein.

Der bekennende Romantiker Plasson schien sich angesprochen gefühlt zu haben, als er Liszts Vorwort zu seinen Partituren las: ?In der geistigen Auffassung des Dirigenten liegt der Lebensnerv einer symphonischen Production?. Dieser - da besteht kein Zweifel - ist höchst inspiriert und inspirierend zugleich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Liszt, Franz: Sinfonische Dichtungen

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
64:49
1994
2003
Medium:
BestellNr.:
CD
183652BC

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Liszt, Franz


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Dirigent(en):Plasson, Michel
Orchester/Ensemble:Dresdner Philharmonie


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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