> > > Sibelius, Jean: Sinfonien Nr. 3, 6 und 7
Dienstag, 19. September 2017

Sibelius, Jean - Sinfonien Nr. 3, 6 und 7

Hohe Reife


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch beim zweiten Mal hat Vänskäs Sicht auf Sibelius immer noch viel Neues zu bieten.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Osmo Vänskä und ‚sein‘ Lahti Symphony Orchestra mit dem Zyklus der Sinfonien von Jean Sibelius international Aufsehen erregten und sich so überhaupt erst auf die musikalische Landkarte setzten. Der mittlerweile als Chefdirigent beim Minnesota Orchestra waltende Vänskä war jedoch in Sachen Sibelius nicht untätig. Kaum versieht man sich, schon ist gefühlt im Handumdrehen die nächste Gesamteinspielung der Sinfonien seines Landsmannes fertig. Vorliegende SACD mit den kurzen, gleichwohl dichten Gattungsvertreterinnen Nr. 3, 6 und 7 bringt die aktuelle Schau des Sibelius-Experten aus dem North Star State zum Abschluss. War ich persönlich nach dem Hören der Sinfonien Nr. 1 und 4 aus Minnesota der Ansicht, dass die zweite, ‚amerikanische‘ Version sich nur unwesentlich von der ersten aus Finnland unterscheidet, trifft dies auf dieser SACD jedoch nur noch eingeschränkt zu.

Gleiches neu

Sicher, das eher hallige, leicht zerfaserte Klangbild aus Lahti weicht erneut der objektiveren Trockenheit der Orchestra Hall in Minneapolis. Vänskäs vorbildliche Auffächerung wie Farbmischung der Instrumentengruppen – man lausche nur der Kombination von Streichern und Blechbläsern in der Siebten! – bringt Sibelius‘ Orchestration vorbildlich zum Leuchten. Hier arbeiten Tontechnik und Interpretation perfekt zusammen. Alleine die monolithischen Streichertexturen in der Sechsten gemahnen an Sibelius‘ Ausspruch vom klaren, frischen Quellwasser. Selten klang die monochrome Harmonik der Sechsten so schillernd und das Werk als Ganzes zugleich gestisch so lebendig. Dass diese gesteigerte Relektüre so prächtig klingt, liegt natürlich auch am quasi größeren amerikanischen Orchesterklang, den Vänskä gleichwohl jederzeit funktional zu bändigen weiß. Wirklich laut und monumental wird es nur da, wo es auch wirklich angebracht erscheint: Im Finale der Dritten und der Sechsten sowie gegen Ende der Siebten.

Sich selbst übertroffen

Ansonsten zeigt sich, dass Vänskäs Sicht auf Sibelius in der Zwischenzeit noch klarer, noch zwingender, sprich: noch natürlicher geworden ist. Wer das überdurchschnittlich langsame Tempo im 'Andantino con moto' hört, dem mag es wie Schuppen von den Augen fallen. Überhaupt steht bei Vänskä weniger der Ausdruck im Vordergrund als die Sicht- bzw. Hörbarmachung der stilistischen Eigenarten des Komponierens von Sibelius, darunter vor allem Rhythmus und Syntax. Wo der dritte Satz der Dritten Sinfonie sonst häufig unmotiviert ins Leere mündet, baut er sich bei Vänskä langsam und spannungsvoll auf, sodass der Höhepunkt sich am Ende tatsächlich verdient anfühlt. Durch das durchweg eher zügige Tempo in der Sechsten wirkt zudem die Großform insgesamt schlüssiger. Und die Satzteile der Siebten fließen mit organischer Folgerichtigkeit ineinander. An herausragenden Deutungen der Sinfonien von Sibelius herrscht in der Gegenwart kein Mangel mehr. Umso mehr spricht es für Vänskä, das Minnesota Orchestra, und nicht zuletzt die Werke selbst, dass diese Einspielung immer noch Neues zu bieten hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Sibelius, Jean: Sinfonien Nr. 3, 6 und 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
03.08.2016
EAN:

7318599920061


Cover vergössern

Sibelius, Jean


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Von Dr. Aron Sayed zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Altersweise Meisterschaft: Ein Sibelius für die Ewigkeit: Okku Kamu dirigiert die Sinfonien seines Landsmannes mit dem Lahti Symphony Orchestra. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, 23.11.2015)
  • Zur Kritik... Die kleinen Unterschiede: Do it again, Osmo? Vänskäs Einspielung der Sibelius-Sinfonien Nr. 1 und 4 mit dem Minnesota Orchestra unterscheidet sich von seiner vorangegangenen mit dem Lahti Symphony Orchestra nur durch Details. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, 10.05.2013)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Zwiespältig: Im Kontext seines zweiten Sibelius-Zyklus aus Minneapolis hat Osmo Vänskä jetzt auch die Vokalsymphonie 'Kullervo' integriert, gekoppelt mit einem gezielt als deren Konzert-Ergänzung in Auftrag gegebenen Werk von Olli Kortekangas. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... In neue Gefilde: Martyn Brabbins läuft zusammen mit dem großartigen BBC-Orchester aus Wales in den Werken von John Pickard zu Höchstform auf. Hochspannend, differenziert, vielfarbig. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Herr Grönstedt und der blinde Isaak: Der Klarinettist Emil Jonason wagt sich an eine ausschließlich aus zeitgenössischer Musik bestehende Veröffentlichung mit Werken von Christian Lindberg und Osvaldo Golijov. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Aron Sayed:

  • Zur Kritik... Drängende Zurückhaltung: Eine mustergültige Dritte von Mahler liefern Iván Fischer und das Budapest Festival Orchestra. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Retro-Chic: Konservative Lebendigkeit, die Spaß macht. Yannick-Nézet-Séguin und das Chamber Orchestra of Europe spielen die fünf Sinfonien von Felix Mendelssohn Bartholdy. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Die vierte Neunte: Historisch wertwoll mit leichter klangtechnischer Patina: Das NDR Sinfonieorchester spielt unter Kurt Sanderling Mahlers Neunte. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Aron Sayed...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Vier Hände für das Himmelreich: Klügere Hände sind selten zu Ohren gekommen. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Referenz an Komponist wie Interpretation: Als Anfang 2015 Israel Yinon mitten im Dirigat der 'Alpensinfonie' einen Herzinfarkt erlitt und kurz darauf starb, verlor die Musikwelt einen großen Dirigenten und Anwalt der Vergessenen. Jetzt würdigt das Label cpo Israel Yinon in mehrfacher Hinsicht. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Unter der Sonne Italiens: Die Kammermusik Mario Pilatis ist von melodischer Unbefangenheit und steht in vollem Saft. Dass sie so lebendig wirkt, ist das Verdienst der drei Italinier, die für eine temperamentvolle Wiedergabe sorgen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2017) herunterladen (1880 KByte) Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Max Reger: Sinfonische Fantasie und Fuge d-Moll op. 57 - Fuge

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich