> > > Klavierwerke: Werke von Schumann, Stravinsky und Neuwirth
Freitag, 24. März 2017

Klavierwerke - Werke von Schumann, Stravinsky und Neuwirth

Herausforderndes Programm in ansprechender Realisierung


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit einer Recital-CD demonstriert der Pianist Christopher Park die ganze Spannweite seines technischen Könnens und pianistischen Gestaltungsvermögens.

Seit Ende vergangenen Jahres tourt der 1987 geborene deutsch-koreanische Pianist Christopher Park, begleitet von ausgesprochen positiver Kritikerresonanz, durch die renommierten Konzertsäle Deutschlands und Europas. Gleichsam zum Auftakt dieser Konzertreise hat er Ende 2016 bei Oehms Classics eine CD vorgelegt, mit der er – wie es im Pressetext zu lesen ist – drei sehr unterschiedliche Komponistenpersönlichkeiten beleuchtet: ‚den großen Neuerer und Romantiker Robert Schumann, den Revolutionär der Moderne Igor Strawinsky und eine der interessantesten Komponistinnen der Gegenwart, die Österreicherin Olga Neuwirth‘. Ein inhaltliches Konzept zur Verbindung der drei höchst unterschiedlichen Kompositionen gibt es zwar nicht – und das unterscheidet diese Veröffentlichung etwa von Parks überzeugend konzipierter, leider nur für den koreanischen Markt produzierter Liszt-CD aus dem Jahr 2012 (Deutsche Grammophon) –, doch ist die Wahl insofern gelungen, als jedes einzelne Werk dem Pianisten die Möglichkeit an die Hand gibt, eine ganz bestimmte Facette seines Könnens zu demonstrieren.

Als Schlüssel zu Robert Schumanns Fantasie C-Dur op. 17 nutzt Park sein klangvolles und gesangliches Melodiespiel: Über weite Strecken hinweg regiert hier die weit geschwungene, mit agogischen Feinheiten nachgezeichnete Linie, die auch dort zu ihrem Recht kommt, wo sie vom Komponisten in kontrapunktische Geflechte eingebettet wird. Erstaunlich plastisch arbeitet der Pianist die versteckten, miteinander überkreuzenden Linienführungen heraus und nimmt dabei eine vorzugsweise introvertierte Haltung ein. Zwar fehlt es – beispielsweise in den beiden lange vorbereiteten Steigerungspassagen des letzten Satzes oder auch beim Beginn des Werkes – nicht an emphatischer Forte-Klanggebung; doch wird diese meist relativ rasch wieder in den Pianobereich zurückgenommen und weicht dort einem zarten Austasten des Schumann’schen Stimmgewebes oder – wie im Falle des ‚Legendentons‘ im ersten Satz – einer auf bewusste Einfachheit und Strenge bedachten Wiedergabe. Diese und andere Details – so auch der Vortrag der zwar klar und manchmal auch energisch gesetzten, aber niemals übertrieben artikulierten Akzentuierungen – machen rasch deutlich, dass Park mit Blick auf Schumann die pianistischen Extravaganzen vermeiden möchte und vorzugsweise darauf setzt, die Musik aus ihrem poetischen Gehalt heraus zu interpretieren.

Ganz anders wirken da Igor Strawinskys 'Trois mouvements de Pétrouchka': In der halsbrecherischen Paraphrase des 'Danse Russe' rückt Park vor allem die rhythmische Prägnanz in den Vordergrund, die er mit unbestechlich präzisem, aber dennoch auch elastischem Akkordspiel unterstützt. Das eigentliche Ereignis ist jedoch, wie er dazwischen immer wieder die eingestreuten Möglichkeiten zu knappen Gesangsphrasierungen nutzt und die kurzen Pausen mit Spannung auflädt. Letzteres Element greift er im angrenzenden 'Chez Pétrouchka' dezidiert auf, indem er, auch hier auf Spannungen setzend, gerade die Pausen extrem unterschiedlich gestaltet und sie auf jeweils andere Weise mit den spielerisch leicht gezeichneten filigranen Figuration in Beziehung setzt, aus denen er immer wieder glockenartige Melodiefragmente herausarbeitet. Bei der Wiedergabe von 'La semaine grasse' schließlich setzt er auf einen leuchtend-flächigen Zugang, den er, dank einer schon unheimlich anmutenden Fingerfertigkeit, mit viel Spielwitz anzureichern versteht.

Den Abschluss der CD bildet (nach der Live-Ersteinspielung durch Thomas Larcher aus dem Jahr 2004) die erste Studioaufnahme von Olga Neuwirths Klavierstück 'Marsyas' – benannt nach einer überdimensionalen, von spiralförmigen Kurven und gigantischen, becherförmigen Öffnungen geprägten PVC-Skulptur des Künstlers Anish Kapoor –, das dem Pianisten wiederum ganz andere Fertigkeiten abverlangt und hinlänglich beweist, dass er sich auch als Interpret neuester Musik empfehlen kann. Unter Parks Händen wird die Komposition zu einer extrem kontrastreichen Angelegenheit: Gleich nach dem Forte-Einstieg folgt eine luzide Darstellung der einzelnen, untereinander differenzierten Akkordschichten, die der Interpret jeweils mit unterschiedlicher Klangfarbengebung umsetzt. Immer wieder lässt er in der Folge gezackte Einwürfe in solche weich ausgebreiteten Akkordmomente münden und verleiht diesem Geschehen eine zum Teil unheimliche Spannung, um es dann wiederum mit dem präzisen Uhrwerk mechanischer Verläufen zu unterbrechen. Dabei werden, ein Beleg für Parks gestalterische Vielseitigkeit, die von Neuwirth eingearbeiteten Wendungen – das Ausbrechen aus rhythmischen Abläufen oder das Abreißen von Linien – mit bewundernswerter Konsequenz und Konzentration umgesetzt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Klavierwerke: Werke von Schumann, Stravinsky und Neuwirth

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
30.09.2016
EAN:

4260330918635


Cover vergössern

Neuwirth, Olga
Schumann, Robert
Strawinsky, Igor


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Expressiver Reger in Kolisch-Gewand: Oehms Classics hat die 2003 vom ORF produzierte Aufnahme von Regers Violinkonzert op. 101 in der Kammerensemble-Fassung von Rudolf Kolisch mit der bravourösen Geigerin Elena Denisova übernommen. Eine wichtige Wiederveröffentlichung. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Unstet: Die zweite Folge der Orchesterlieder von Walter Braunfels ist ansprechend. Nur Ricarda Merbeths Beitrag ist vokal nicht befriedrigend. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Gemolkene Kuh?: Sebastian Weigles Deutung der 'Alpensinfonie' ist unaufgeregt und zeichnet mit breitem Pinsel, bleibt dabei aber erfreulich durchhörbar. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Stefan Drees:

  • Zur Kritik... Erstklassige Quartettperformance: Mit einer exzellenten Live-Einspielung von Werken der Komponisten Emanuel Nunes, Alfred Zimmerlin, Morton Feldman und Helmut Lachenmann liefert das Arditti Quartet einen Beleg für seine beachtliche Gestaltungsfähigkeiten. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Wiederentdeckter Schatz: Der Geiger Henning Kraggerud widmet sich dem wiederentdeckten Violinkonzert von Johan Halvorsen und kombiniert es mit dem ambitionierten Gegenstück von Carl Nielsen. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Canzonensammlung aus der italienischen Spätrenaissance: Das Ensemble Le Vaghe Ninfe widmet sich in einer farbenfrohen Einspielung dem Komponisten Marc'Antonio Mazzone. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Stefan Drees...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Hervorragende Zeugnisse: Die Edition Klavier-Festival Ruhr dokumentiert abermals pianistisch Herausragendes der Generation U(nter) 30: Reger kommt - virtuos wie sinnlich - wieder in Mode, und auch bei Brahms sind neue, eigene Perspektiven vorhanden. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Geisterhafte Vorahnung: Das Reinhold-Quartett hat Eugen d'Alberts Streichquartette eingespielt. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Exquisit: Eine gehaltvolle Platte, deren Programm unterstreicht, wie intensiv die Renaissance aus dem Altertum inspiriert war, über eineinhalb Jahrtausende hinweg. Darüber hinaus ein feines Ensemble-Porträt von De Labyrintho. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

SWR: Abo 7  (Live-Stream)

Anzeige

Neue Stimmen

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (1/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Ensemble Armoniosa im Portrait "Unser Ensemble ist geprägt von wirklicher Harmonie"
Das Ensemble Armoniosa über seine neue CD, Historische Aufführungspraxis, gemeinsame Essen, selbstgebaute Instrumente und Musik im Internet.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich