> > > Klavierwerke: Werke von Schumann, Stravinsky und Neuwirth
Freitag, 28. April 2017

Klavierwerke - Werke von Schumann, Stravinsky und Neuwirth

Herausforderndes Programm in ansprechender Realisierung


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit einer Recital-CD demonstriert der Pianist Christopher Park die ganze Spannweite seines technischen Könnens und pianistischen Gestaltungsvermögens.

Seit Ende vergangenen Jahres tourt der 1987 geborene deutsch-koreanische Pianist Christopher Park, begleitet von ausgesprochen positiver Kritikerresonanz, durch die renommierten Konzertsäle Deutschlands und Europas. Gleichsam zum Auftakt dieser Konzertreise hat er Ende 2016 bei Oehms Classics eine CD vorgelegt, mit der er – wie es im Pressetext zu lesen ist – drei sehr unterschiedliche Komponistenpersönlichkeiten beleuchtet: ‚den großen Neuerer und Romantiker Robert Schumann, den Revolutionär der Moderne Igor Strawinsky und eine der interessantesten Komponistinnen der Gegenwart, die Österreicherin Olga Neuwirth‘. Ein inhaltliches Konzept zur Verbindung der drei höchst unterschiedlichen Kompositionen gibt es zwar nicht – und das unterscheidet diese Veröffentlichung etwa von Parks überzeugend konzipierter, leider nur für den koreanischen Markt produzierter Liszt-CD aus dem Jahr 2012 (Deutsche Grammophon) –, doch ist die Wahl insofern gelungen, als jedes einzelne Werk dem Pianisten die Möglichkeit an die Hand gibt, eine ganz bestimmte Facette seines Könnens zu demonstrieren.

Als Schlüssel zu Robert Schumanns Fantasie C-Dur op. 17 nutzt Park sein klangvolles und gesangliches Melodiespiel: Über weite Strecken hinweg regiert hier die weit geschwungene, mit agogischen Feinheiten nachgezeichnete Linie, die auch dort zu ihrem Recht kommt, wo sie vom Komponisten in kontrapunktische Geflechte eingebettet wird. Erstaunlich plastisch arbeitet der Pianist die versteckten, miteinander überkreuzenden Linienführungen heraus und nimmt dabei eine vorzugsweise introvertierte Haltung ein. Zwar fehlt es – beispielsweise in den beiden lange vorbereiteten Steigerungspassagen des letzten Satzes oder auch beim Beginn des Werkes – nicht an emphatischer Forte-Klanggebung; doch wird diese meist relativ rasch wieder in den Pianobereich zurückgenommen und weicht dort einem zarten Austasten des Schumann’schen Stimmgewebes oder – wie im Falle des ‚Legendentons‘ im ersten Satz – einer auf bewusste Einfachheit und Strenge bedachten Wiedergabe. Diese und andere Details – so auch der Vortrag der zwar klar und manchmal auch energisch gesetzten, aber niemals übertrieben artikulierten Akzentuierungen – machen rasch deutlich, dass Park mit Blick auf Schumann die pianistischen Extravaganzen vermeiden möchte und vorzugsweise darauf setzt, die Musik aus ihrem poetischen Gehalt heraus zu interpretieren.

Ganz anders wirken da Igor Strawinskys 'Trois mouvements de Pétrouchka': In der halsbrecherischen Paraphrase des 'Danse Russe' rückt Park vor allem die rhythmische Prägnanz in den Vordergrund, die er mit unbestechlich präzisem, aber dennoch auch elastischem Akkordspiel unterstützt. Das eigentliche Ereignis ist jedoch, wie er dazwischen immer wieder die eingestreuten Möglichkeiten zu knappen Gesangsphrasierungen nutzt und die kurzen Pausen mit Spannung auflädt. Letzteres Element greift er im angrenzenden 'Chez Pétrouchka' dezidiert auf, indem er, auch hier auf Spannungen setzend, gerade die Pausen extrem unterschiedlich gestaltet und sie auf jeweils andere Weise mit den spielerisch leicht gezeichneten filigranen Figuration in Beziehung setzt, aus denen er immer wieder glockenartige Melodiefragmente herausarbeitet. Bei der Wiedergabe von 'La semaine grasse' schließlich setzt er auf einen leuchtend-flächigen Zugang, den er, dank einer schon unheimlich anmutenden Fingerfertigkeit, mit viel Spielwitz anzureichern versteht.

Den Abschluss der CD bildet (nach der Live-Ersteinspielung durch Thomas Larcher aus dem Jahr 2004) die erste Studioaufnahme von Olga Neuwirths Klavierstück 'Marsyas' – benannt nach einer überdimensionalen, von spiralförmigen Kurven und gigantischen, becherförmigen Öffnungen geprägten PVC-Skulptur des Künstlers Anish Kapoor –, das dem Pianisten wiederum ganz andere Fertigkeiten abverlangt und hinlänglich beweist, dass er sich auch als Interpret neuester Musik empfehlen kann. Unter Parks Händen wird die Komposition zu einer extrem kontrastreichen Angelegenheit: Gleich nach dem Forte-Einstieg folgt eine luzide Darstellung der einzelnen, untereinander differenzierten Akkordschichten, die der Interpret jeweils mit unterschiedlicher Klangfarbengebung umsetzt. Immer wieder lässt er in der Folge gezackte Einwürfe in solche weich ausgebreiteten Akkordmomente münden und verleiht diesem Geschehen eine zum Teil unheimliche Spannung, um es dann wiederum mit dem präzisen Uhrwerk mechanischer Verläufen zu unterbrechen. Dabei werden, ein Beleg für Parks gestalterische Vielseitigkeit, die von Neuwirth eingearbeiteten Wendungen – das Ausbrechen aus rhythmischen Abläufen oder das Abreißen von Linien – mit bewundernswerter Konsequenz und Konzentration umgesetzt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klavierwerke: Werke von Schumann, Stravinsky und Neuwirth

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
30.09.2016
EAN:

4260330918635


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Neuwirth, Olga
Schumann, Robert
Strawinsky, Igor


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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