> > > Objets Trouvés - Werke für Akkordeon und Zither: Werke von Ligeti, Dowland, Couperin, u.a.
Samstag, 21. Juli 2018

Objets Trouvés - Werke für Akkordeon und Zither - Werke von Ligeti, Dowland, Couperin, u.a.

Gesucht und gefunden


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Kombination von Akkordeon und Zither bietet eine stimmige klangfarbliche Verbindung, das von diesem großartigen Duo auf selten begangenen Wegen erkundet wird.

Oft ist es ein Zufall, der sich im Nachhinein als großer Gewinn für die Musiklandschaft entpuppt. Mit Worten wie diesen ließe sich auch die Geschichte der Akkordeonistin Viviane Chassot und dem Zitherspieler Martin Mallaun beginnen, die im Rahmen eines Opernprojekts auf den ungewöhnlichen Zusammenklang ihrer Instrumente aufmerksam wurden und beschlossen, diese Besetzung auch jenseits des üblichen Repertoires neu zu beleben. Seit 2013 sind die beiden Künstler, die sich als Solisten schon auf internationaler Ebene Ansehen verschaffen konnten und jeweils schon einige CDs produziert haben, als Duo tätig.

Die vorliegende, beim Label Genuin erschienene Aufnahme mit dem Titel ‚Objets trouvés‘ als Frucht ihrer bisherigen Arbeit lässt hoffen, dass noch weitere Einspielungen folgen werden. Ebenso ungewöhnlich wie die Kombination von Akkordeon und Zither wirkt auf den ersten Blick die Zusammenstellung der Werke. Musikalische Gegensätze prallen unmittelbar aufeinander, so dass auf einige Auszüge von Ligetis Zyklus 'Musica ricercata' die melancholische Elegie 'Lachrimae antiquae' von Dowland folgt und Cages rätselhafte 'Chess pieces' von Couperins barocken Klängen und Piazzollas Tangomelodien eingerahmt werden.

Dowlands ‚Tränen‘ werden hörbar

Keines der Werke jedoch, unabhängig ob es sich um bekannte oder unbekannte Musik handelt, ist jemals so erklungen wie auf dieser Aufnahme. Zwar ist die Ähnlichkeit der Zither mit anderen Instrumenten wie Gitarre oder Harfe deutlich erkennbar, doch gerade ihre klangliche Vielschichtigkeit kommt hier wunderbar zur Geltung. Während es Martin Mallaun in Ligetis experimentellem Klavierzyklus 'Musica ricercata' gelingt, durch eine mal lockere, filigrane Begleitung, mal scharf gezupftes Saitenspiel den Charakter des Spielerischen und Erfinderischen hervorzuheben, schlägt er in Dowlands Stücken völlig andere Töne an. Hier ist es das melodische Element, das sich in einer besonderen Weichheit und Kantabilität des Anschlags äußert und mit dem tragenden Klangteppich des Akkordeons die Tränen des Titels beinahe lautmalerisch greifbar macht. Viviane Chassot unterstützt den melodischen Duktus der Zither jedoch nicht allein in begleitender Funktion, sondern auch in den wechselnden Registern, die zu Anfang eher dunkle Töne erklingen lassen und zum Schluss in höhere Lagen aufsteigen, was nicht nur für einen klanglichen Unterschied sorgt, sondern auch den Charakter und die Aussage der Musik beeinflusst, der auf diese Weise eine eigene Sprache verliehen wird.

Auswahl der Werke passt zur Philosophie des Duos

Angesichts des an sich begrenzten Repertoires für Akkordeon und Zither erscheint das Vorhaben des Duos, neue, nicht ausgetretene Pfade zu betreten, ebenso schwierig wie reich an Möglichkeiten. Dass sie allerdings ihre Aufnahme ausgerechnet mit Ligetis Zyklus 'Musica ricercata' – ursprünglich für Klavier komponiert zu Anfang der 1950er Jahre – beginnen und beenden, ist sicherlich kein Zufall. In keinem anderen Werk überschneiden sich so deutlich die Philosophie des vortragenden Ensembles mit dem Ziel des Komponisten, der in seinen elf Miniaturen mit musikalischen Material experimentiert, das ‚aus dem Nichts‘ kommt und oft nur auf einfachsten Mitteln basiert. Bezeichnend ist beispielsweise das auch hier erklingende Stück Nr. 2, das nur aus einem einzigen Ton (dem Ton a) besteht, der aber in all seinen rhythmischen, metrischen und klangfarblichen Möglichkeiten ausgekostet wird. Auch der Aspekt der Harmonie bleibt nicht ausgespart, denn der allerletzte Ton des Stückes ist der Ton D, wodurch alles, was diesem D vorherging, auf einmal in seiner Funktion als Dominante gewertet werden kann, was sich aber erst am Schluss offenbart.

So wie Ligeti in seinem Werk mit musikalischem Material experimentiert, das aus dem Nichts entsteht, so suchen auch die Solisten des Duos Chassot-Mallaun nach neuen Klängen, die auf nichts aufbauen bzw. nur auf wenig zurückgreifen können. Möglicherweise wollten die Künstler diesen Zusammenhang auch im Titel ihrer CD offenbaren, denn vor dem Hintergrund, dass sich Ligetis 'Musica ricercata' auch als ‚sought music‘ im Sinne einer stetigen Suche des Komponisten interpretieren lässt, erscheint der Titel ‚Objets trouvés‘ (Gefundene Objekte) auf einmal in einem völlig anderen Licht und erhält so eine stimmige Bedeutung. Es bleibt zu hoffen, dass das Duo in Zukunft noch mehr musikalische Objekte finden und sie dem Publikum in Form weiterer CDs zugänglich machen wird.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Objets Trouvés - Werke für Akkordeon und Zither: Werke von Ligeti, Dowland, Couperin, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
02.09.2016
EAN:

4260036254396


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Cage, John
Couperin, Francois
Dowland, John
Ligeti, György
Piazzolla, Astor


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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